München, Paulanerkloster


 

GESCHICHTE

Paulanerkloster, München – die Begründer des Starkbierausschanks zur Fastenzeit

Herzog Wilhelm V. von Bayern (Herzog 1579–1598, gest. 1626) beorderte um das Jahr 1520 Mönche des hl. Basilius nach München. Ab 1621 ließ er für sie von Hofbildhauermeister Hans Krumper in der Vorstadt Neudeck ob der Au eine Klosterkirche erbauen. Der Bau wurde 1623 zu Ehren des hl. Karl Borromäus (1538–1584; 1610 von Papst Paul V. heilig gesprochen), zu dem der Herzog engen persönlichen Kontakt hatte, eingeweiht. Nach dem Tod des Herzogs besetzte sein Sohn, Kurfürst Maximilian I. (Mitregent ab 1597, Kurfürst 1623–1651) das Kloster mit Brüdern aus dem Orden des hl. Franz von Paula. Diese Ordensgemeinschaft war aus dem Freundeskreis um den als Einsiedler lebenden Franz von Paola (um 1436–1507), der eine Grotte in der Nähe seines Heimatortes Paola bewohnte, hervorgegangen. Seine Anhänger nannten sich selbst die „Mindersten Brüder“ als Superlativ der Eigenbezeichnung der Franziskaner als „Mindere Brüder“ und lebten nach verschärften franziskanischen Regeln in strengster Askese. Zu Ehren ihres Gründers nannte man sie auch Paulaner. Die Ordenskleidung ist schwarz mit einem schwarzen Strick und einer langen, spitzen Kapuze. 1474 wurde die Bruderschaft von Papst Sixtus IV. bestätigt. Sie verbreitete sich besonders in Frankreich, Spanien, Italien und Südböhmen. Als weiblicher Zweig entstanden die Minimitinnen bzw. Paulanerinnen (siehe Paulanerinnenkloster, München). 1501 wurde auch ein Zweig für Laien gegründet (Dritter Orden der Minimiten).

Die ersten Ordensbrüder der Paulaner, die 1627 in das Münchner Kloster Neudeck ob der Au einzogen, kamen aus Burgund. Der erste Obere war ein Wallone namens Antoine Pillot. Der Konvent bekam die Pfarrei, die Au und Giesing umfasste, übertragen. Ab 1638 versahen die Paulaner zusätzlich die Pfarrei Neunburg vorm Wald. Diese Niederlassung verfolgte vor allem das Ziel, die Protestanten in der Oberpfalz zurück zu gewinnen. 1652 wurde diese Filiale nach Amberg verlegt. Auch das nahe gelegene Tertiarinnenkloster Lilienthal (siehe Paulanerinnenkloster, München) unterstand der Leitung der Bruderschaft. Das Münchner Kloster wurde für die Paulaner bald zu klein. Kurfürst Ferdinand Maria (1651–1679) ermöglichte durch umfangreiche finanzielle Zuwendungen 1660 einen Neubau. Ein Stich von Michael Wening aus dem Jahr 1700 vermittelt die Ansicht einer beeindruckenden Klosteranlage, deren Konventgebäude um zwei Höfe gruppiert sind. Der Beschreibung zufolge führte ein überdachter Gang über die anschließende Straße und mündete dort in einen großen, prachtvollen Garten mit Springbrunnen, Laubengängen und Broderien, die noch unter Herzog Wilhelm V. angelegt worden waren.

Die Münchner Mönche des Paulanerordens brauten schon seit dem Jahr 1634 ihr Bier für den Eigenbedarf. Sie mussten sich generell sehr karg ernähren und brauchten daher vor allem während der noch strengeren Fastenzeiten zur Stärkung „flüssiges Brot. Zu Ehren des Ordensgründers wurde seit 1651 jedes Jahr im Frühling eine besonders starke Biersorte ausgeschenkt, das „Sankt-Vater-Öl“. Aus dieser Bezeichnung wurde schließlich der „Salvator“. Das Paulanerbier, das an den Festtagen des Ordensgründers auch öffentlich ausgeschenkt werden durfte, war ein Bockbier. Wegen seines guten Geschmacks erlangte es bald lokale Berühmtheit und wurde zur Haupteinnahmequelle der Brüder. 1660 wurde dem Kloster das Braurecht bestätigt. Im 18. Jahrhundert bürgerte sich der Brauch ein, den Kurfürsten zum alljährlichen Anstich des Starkbiers am 2. April einzuladen und ihm den ersten Krug Bier zu reichen. Mit Mandat vom 31. März 1751 gestattete Kurfürst Maximilian III. Joseph ausdrücklich den öffentlichen Bierausschank am Festtag Franz von Paolas. Ab 1780 erlaubte dann Karl Theodor, seit 1777 Kurfürst von Bayern, den Paulanern den ganzjährigen Bierausschank. Am Heilig-Vater-Fest 1799 nahm der gesamte Hofstaat von Kurfürst Maximilian IV. Joseph teil. Es wurde das bis dahin größte Volksfest in München.

Doch noch im gleichen Jahr wurde das Kapuzinerkloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Es handelte sich um die erste derartige Maßnahme der Regierung unter Kurfürst Max IV. Joseph. Das Klosterbräuhaus wurde enteignet und 1803 zunächst an den Johanniterorden veräußert. Die Klosterkirche, ein origineller Bau des Münchner Frühbarock und das Hauptwerk des bedeutenden Künstlers Hans Krumper, wurde profaniert, im Lauf des 19. Jahrhunderts durch Erweiterungen verändert und 1902 schließlich abgebrochen. Die Klostergebäude dienten zunächst als Militärhospital, später wurden sie in ein Zuchthaus (Justizvollzugsanstalt Neudeck) umgewandelt. Ein Brand im Jahr 1885 vernichtete die gesamte Ausstattung. Ein Teil der Gebäude ist heute noch erhalten. In ihnen ist das Landratsamt München untergebracht. Braumeister Franz Xaver Zacherl (1772–1849) pachtete 1806 die Paulanerbrauerei und kaufte sie 1813. Damit wurde sie zur bürgerlichen Brauerei. Er führte die Tradition des alljährlichen Starkbieranstichs am 2. April und des festlichen Ausschanks in der anschließenden Oktav (acht Tage) fort. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts verschob sich der Beginn des Ausschanks in den März hinein und die Starkbierzeit verlängerte sich. 1861 wurde der Salvatorkeller auf dem Nockherberg eröffnet und der Salvator-Ausschank begann nun am Sonntag vor Josefi (19.3.) und dauerte zwölf Tage. Seit 1858 ließ die Brauerei zur Umsatzsteigerung Gstanzlsänger und Volksschauspieler auftreten. Beim Anstich 1891 gab es erstmals eine Salvatorrede, und nach einer kriegsbedingten Unterbrechung von 1939 bis 1950 gewann die Starkbierprobe ihre heutige Form, in der bevorzugt Politiker „derbleckt“, das heißt kabarettistisch aufs Korn genommen werden. Der Name der heute weltbekannten Paulaner-Brauerei erinnert noch an den Orden der Paulaner, die 1627 in München heimisch wurden und hier am Fuße des Nockherbergs bereits im 17. Jahrhundert den Starkbierausschank zur Fastenzeit begründeten. Auf dem Logo des Konzerns sieht man ein Abbild des Ordensgründers Franz von Paola.

Christine Riedl-Valder



 

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