München, St. Elisabeth


 

GESCHICHTE

St. Elisabeth München ? ?Dienerinnen Mariä? über die Säkularisation hinaus

Im Jahr 1715 beriefen Therese Kunigunde von Polen und ihr Gemahl Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern die Servitinnen nach München. Diese geistliche Gemeinschaft hat ihren Ursprung in Italien und wurde durch den hl. Philipp Benitius (gest. 1285) gegründet. Die Servitinnen widmen sich vor allem der Ewigen Anbetung, dem Krankendienst und der Ausbildung der weiblichen Jugend. Ihre Ordenskleidung ist der schwarze Habit. Das vom bayerischen Kurfürstenpaar in München gegründete Kloster geht auf ein Gelübde zurück. Es sollte die einzige Niederlassung des Ordens in Bayern bleiben. Dem Stiftungsfond gemäß waren 25 Nonnen vorgesehen.

Die ersten Nonnen kamen aus Venedig. Sie unterstanden dem Bischof. Ihr Wirkungsbereich lag in dem ab Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenem Herzogspital. Es war ursprünglich von Herzog Albrecht V. zur Aufnahme kranker Hofbediensteter gestiftet worden und wurde von seinen Nachfolgern erweitert. Ab 1728 erbaute Johann Anton Trubillio zusammen mit dem Maurermeister Johann Michael Proebstl für die Nonnen eine um mehrere Höfe gruppierte barocke Klosteranlage mit einer lang gestreckten Fassade zur Herzogspitalstraße hin. Sie wurde östlich der Spitalkirche St. Elisabeth errichtet. Dieses 1572 eingeweihte Gotteshaus war seit 1671 das Ziel einer Wallfahrt zum viel verehrten Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes. Für die Servitinnen wurde 1727/28 an den Altarraum ein Nonnenchor angefügt, mit einem, ebenfalls von Trubillio entworfenen fantasievollen Glockenturm. Die Kirche gehörte nicht zum Eigentum des Klosters. Den Gottesdienst versahen von 1707 bis 1775 die Oratorianer, deren Haus die Servitinnen 1775 kauften. Von da an bis 1825 waren zwei Servitenpatres aus der österreichischen Provinz als Kapläne tätig. Die ?Dienerinnen Mariä?, wie sie auch genannt werden, bezogen 1728 ihr neues Haus in der Herzogspitalstraße 7. 1748 starb hier im Rufe der Heiligkeit Schwester Maria Carolina de Verbo incarnato (Renate Schönauer). Der Konvent unterhielt neben dem Spital auch eine Mädchenschule. 1787 gehörten 35 Chor- und zwölf Laienschwestern zum Konvent.

Das Krankenhaus, das ganz unter der geistlichen Leitung des Klosters stand, wurde von der neuen Staatsregierung bereits im Jahr 1800 geschlossen. Das Servitinnenkloster überstand jedoch als einziges in München die Säkularisation. Ab 1803 durften allerdings keine Neuaufnahmen mehr erfolgen. Die Nonnen lebten aber weiterhin zusammen. 1817 wurden die letzten Chorfrauen von Notre Dame aus Nymphenburg hierher versetzt. Ab 1826 war es den Nonnen wieder erlaubt, Novizinnen aufzunehmen. Der Konvent vergrößerte sich daraufhin bald wieder; 1868 bestand er aus 38 Chorfrauen und zwölf Laienschwestern. Die Servitinnen kauften das Spital und führten es ab 1860 unter eigener Regie. Die Mädchenschule bestand bis 1877. 1920 übernahm das Kloster auch die Verwaltung der Kirche. 1933 lebten in der Gemeinschaft 50 Schwestern. Kirche und Kloster wurden 1945 völlig zerstört. Der Neubau des Klosters, eines Mädchenwohnheims und des Gotteshauses erfolgten von 1954 bis 1956 durch die Architekten Alexander von Branca und Herbert Groethuysen. Es handelt sich um das erste Beispiel moderner Sakralarchitektur in der Münchner Altstadt. Von der wertvollen Kirchenausstattung hat sich nur das berühmte Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes, ein Schnitzwerk von Tobias Pader (1651), erhalten. Der Mater Dolorosa ist auch das neue Gotteshaus geweiht.

Christine Riedl-Valder

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Bildnis der Kurfürstin Therese Kunigunde von Bayern, Ölgemälde, um 1720, München, ehem. Servitinnenkloster, Herzogspitalkirche.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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