Mönchsdeggingen


 

GESCHICHTE

Mönchsdeggingen - das älteste Kloster im Ries 

Der alte alemannische Ort Deggingen ("Dorf des Tego") am Südrand des Ries erscheint 1007 in einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. als Schenkung für sein neues Bistum Bamberg. 1016 wird in Deggingen auch eine Abtei St. Martin genannt und von Heinrich II. dem Bamberger Bischofssitz als Eigenkloster übertragen.
Das freie Verfügungsrecht Heinrichs über Ort und Kloster Deggingen legt nahe, dass es sich hier um Familienbesitz der Ottonen handelte. Die klösterliche Haustradition nennt sogar Kaiser Otto I. als Stifter im Jahr 959. So gilt Deggingen als das älteste Kloster im Ries. Man vermutet für die Frühzeit einen Frauenkonvent. Erst 1142 wandelte Bischof Egilbert von Bamberg die Abtei Deggingen zu einem Männerkloster - "Mönchsdeggingen". 
Die im Mauerwerk des Langhauses heute noch erhaltene dreischiffige Basilika stammt aus der Zeit nach 1160. Ihre Architektur zeigt den Baustil des Klosters Hirsau. Die Fertigstellung zog sich über eine Generation hin bis in das Jahr 1192. Der gotische Chor stammt hingegen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit datiert auch die als Gnadenbild verehrte Statue "Unserer Lieben Frau von Deggingen". 
Im Gegensatz zu den meisten Konventen der Benediktiner war Mönchsdeggingen schon im 15. Jahrhundert nicht mehr vom Adel bestimmt. Aufgrund guter Disziplin der Konventualen und der Unterstützung der streng katholischen Linie der Grafen Oettingen auf Wallerstein überstand die Abtei am Rande des überwiegend evangelisch gewordenen Ries die Wirren der Reformationszeit. Als Zeichen der Anerkennung erhielt der Abt 1626 das Recht zum Tragen der Pontifikalien.
Schwere Belastungen für das Kloster brachten der Einfall der schwedischen Truppen in Schwaben 1632 sowie die Schlachten bei Nördlingen (1634) und bei Alerheim (1645). Das auf der Burg Wallerstein evakuierte Klosterarchiv ging samt der mittelalterlichen Bibliothek bei der Beschießung durch die Schweden 1648 verloren. Der Konvent bestand am Ende des Dreißigjährigen Kriegs nur noch aus zwei Mönchen.
Spät im Vergleich zu anderen süddeutschen Prälatenklöstern der Barockzeit begannen in Mönchsdeggingen die wirtschaftliche Erholung und der kulturelle Aufschwung: 1687 wurde die Abtei Mitglied in der schwäbischen Benediktinerkongregation. 1693 begann eine grundlegende Renovierung der Abteikirche. Eine Besonderheit aus dieser Zeit ist die liegend eingebaute Chororgel des Nördlinger Meisters Paul Prescher. 1705 gründete das Kloster eine eigene Lateinschule mit Internat. 1716 entstanden neue Konventgebäude.
Seine letzte Blüte erreichte Mönchsdeggingen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ihren äußeren Glanz fand sie ab 1751 in der Umgestaltung der Klosterkirche durch Johann Michael Fischer; besonders ins Auge fallen die zehn Seitenaltäre im Langhaus. Als Anselm Molitor, zuvor Präses und Professor in Freising, 1771 zum Abt gewählt wurde, zählte der Konvent die beachtliche Zahl von achtzehn Patres. 
Der Reichsdeputationshauptschluss sprach das Kloster den Fürsten von Oettingen-Wallerstein zu. Die Säkularisation erfolgte bereits am 22. Oktober 1802. Die Mönche durften noch bis in das Jahr 1807 bleiben und wirkten teilweise als Seelsorger in den umliegenden Pfarreien. Von der barocken Konventanlage fehlt seit 1844 der Südflügel mit Refektorium und Bibliothek; ansonsten bewahrt der Komplex mit den weitläufigen Wirtschaftshöfen und Ökonomiegebäuden bis heute weitgehend die Struktur eines alten Prälatenklosters. 
1950 erwarb die Kongregation der Missionare von Marianhill, gegründet 1880 in Südafrika von dem Trappisten Franz Wendelin Pfanner (1825-1909), das Areal und belebte erneut die klösterliche Tradition. 

( Christian Lankes )



 

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