Miltenberg, Engelberg


 

GESCHICHTE

Himmelsstiege zum Engelberg

Ein Wallfahrtsweg aus dem Jahr 1637 mit 612 Stufen aus rotem Sandstein, die so genannten Engelsstaffeln oder Himmelsstiege, führt von Großheubach am Main auf den Engelberg hinauf, einem markanten Felsausläufer des Spessart. Sechs Kapellen aus der Barockzeit und 14 Kreuzwegstationen von 1866 begleiten diesen Staffelweg auf den Berg zur Kloster- bzw. Wallfahrtskirche St. Michael hinauf. Bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man dort Gläubige antreffen, die auf Knien betend den Engelberg erklommen haben. Mädchen sollen auf diese Weise um einen guten Ehemann gebetet haben und in der Wallfahrtskirche wurde geheiratet, wenn bereits ein Kind unterwegs war. Bis in die Gegenwart ist der Ort eine der bedeutendsten Wallfahrten in der Diözese Würzburg.

Wohl um 1300 wurde auf diesem seit vorgeschichtlicher Zeit kultisch genutzten Ort eine Kapelle zu Ehren des hl. Michael errichtet und eine Marienstatue aufgestellt. Der Sage zufolge sollte dieses Kirchlein ursprünglich an ganz anderer Stelle, nämlich eine halbe Wegstunde entfernt in Richtung Bürgstadt, errichtet werden. Das bereits vorbereitete Baumaterial sei jedoch auf wunderbare Weise an den heutigen Standort transportiert worden. Diese Kapelle hat sich wahrscheinlich im Chor der barocken Klosterkirche erhalten. Auf dem ursprünglich ins Auge gefassten Bauplatz wurde 1696 eine Maria-Hilf-Kapelle errichtet, die sich zur Nebenkultstätte von Engelberg entwickelte. Urkundlich gesichert ist eine Wallfahrt für das Jahr 1406. Am St. Albanstag 1469 ist ferner die Stiftung einer Bruderschaft im Zusammenhang mit der Wallfahrt auf den Engelberg belegt.

1630 berief der Mainzer Erzbischof Anselm Kasimir von Wambold (reg. 1629?1647) Kapuzinermönche der Rheinischen Provinz auf den Engelberg. Im Jahr 1639 war der Klosterbau vollendet. Gleichzeitig war die Wallfahrtskirche eingewölbt und vergrößert worden. Die 1697 angefügte Antoniuskapelle und die Marienkapelle erweitern den Kirchengrundriss kreuzförmig.

Das 1701 in der rechten Seitenkapelle aufgestellte Gnadenbild der Freudenreichen Muttergottes, einer thronenden Madonna mit Kind, stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Zeitweilig hatten die Kapuziner auf dem Engelberg eine Schmerzhafte Muttergottes aus Babenhausen als Gnadenbild durchzusetzen versucht. Von den Gläubigen nicht recht akzeptiert, wanderte sie später nach Bornhofen am Rhein und kam in der dortigen Wallfahrtskirche zu Ehren.

Das Kapuzinerkloster auf dem Engelberg hat die Säkularisation zunächst weitgehend unbeschadet überdauert. Dennoch wurden die Mönche im Jahr 1828 auf Anordnung König Ludwigs I. (reg. 1825?1848) nach Aschaffenburg umgesiedelt. Die Wallfahrtsseelsorge wurde danach von Franziskanerobservanten der bayerischen Provinz übernommen.

1845 wurde die Gruftkapelle des katholischen Zweigs der Fürsten zu Löwenstein in einem eigenen Anbau eingerichtet. 1899 vergrößerte man die Kirche nach Westen und schuf eine Terrasse sowie eine heute als Beichtkapelle dienende Votivkammer.

Kirche und Kloster merkt man in ihrer Schlichtheit der Architektur die Entstehung während des Dreißigjährigen Kriegs deutlich an. Das aus Sicht der Erbauungszeit auch propagandistisch wichtigste Kunstwerk ist die überlegensgroße Statue des Patrons St. Michael über dem Kirchenportal. Sie wurde von Zacharias Juncker d. A. um 1635 geschaffen und paraphrasiert die künstlerisch ungleich bedeutendere Figur dieses Heiligen von Hubert Gerhard an der Michaelskirche in München. Die Aufstellung der Statue nach der Niederlage der protestantischen Schweden und ihrer Vertreibung aus Franken lässt die Klosterkirche auf dem Engelberg zu einem Denkmal des wieder erstarkten katholischen Glaubens im Dreißigjährigen Krieg werden.

Erich Schneider



 

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