Landshut, Maria Loreto


 

GESCHICHTE
Maria Loretto in Landshut ? eine niederbayerische Variante der ?casa santa?

Im Jahr 1623 ließ Friedrich Eckher von Kapfing vor dem östlichen Landshuter Stadttor ein kleines Schloss mit einer Kapelle erbauen. Diese Kapelle war der Marienkapelle zu Loretto bei Ancona in Italien nachgebildet ? der ?casa santa?, dem Haus der Heiligen Familie aus Nazareth, das der Legende zufolge nach der Eroberung des Heiligen Landes durch die Türken im Jahr 1263 auf wunderbare Weise von Engeln nach Italien gebracht worden war. Die Landshuter Lorettokapelle wurde 1624 geweiht und gehört zu den ältesten ihrer Art auf kurbayerischem Boden.

Nach dem Tod seiner Ehefrau Maria Salome (ihr Grabmal befindet sich in der Eckerschen Kapelle der Landshuter St. Jodokkirche) trat Friedrich Eckher in den Orden der Kapuziner ein. Er reiste nach Rom und ließ sich dort zum Priester weihen. Aus Loretto brachte er eine Nachbildung des dortigen marianischen Gnadenbildes nach Landshut in seine Stiftung.

Von dem frommen Stifter Friedrich Ecker erwarb die adlige Witwe Elisabeth Thumer von Bruckberg die Kapelle und das anliegende Eckher-Schlösschen mit der Auflage, auf dem Anwesen ein Frauenkloster zu errichten. 1627 eröffnete die Stifterin ein Kloster für zwölf Kapuzinerinnen und trat auch selbst als Ordensschwester in den Konvent ein.

Während des Dreißigjährigen Kriegs mussten die Nonnen für längere Zeit nach Salzburg fliehen. Sie bewirkten dort durch ihr vorbildliches Verhalten eine weitere Klostergründung. Nachdem die Schweden aus Landshut wieder abgezogen waren, kehrten die Kapuzinerinnen nach Landshut zurück. Sie erreichten mit Unterstützung des bayerischen Kurfürsten einen großen Aufschwung für ihr Kloster und die Wallfahrt zur Madonna von Loretto. In den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Wallfahrt verzeichnete man mehr als hundert wundersame Gebetserhöhrungen.

Die Kapuzinerinnen hatten so viel Zulauf, dass 1671 die Kapelle erweitert werden musste. Mehrere adlige Familien vertrauten ihre Töchter dem Kloster an und machten großzügige Stiftungen. 1728 lebten über 30 Nonnen im Landshuter Kapuzinerinnenkloster. 1731 erfolgte ein Neubau der Konventgebäude. Das Kloster der Kapuzinerinnen genoss hohes Ansehen bei der Landshuter Bevölkerung. 1802 wurde der Konvent mit 19 Schwestern vom Kurfürstentum Bayern aufgehoben.

Im Jahr 1835 zogen in Maria Loretto die Franziskaner ein. Beim Neubau ihrer Klosterkirche im neuromanischen Stil 1840 hat man die ehemalige Loretto-Kapelle in den Chor integriert. Um 1840 wurden auch ein dreigeschossiger Konventbau und ein Brauhaus errichtet. Nach 1918 erfolgte eine Erweiterung des Kirchenbaus. Beim Luftangriff vom 19. März 1945 auf Landshut wurden das Kloster und die Kirche schwer beschädigt. Nach dem Wiederaufbau in romanisierenden Bauformen gehen heute nur noch die Umfassungsmauern auf den alten Baubestand zurück. Ein Porträt des Stifters der Lorettokapelle hat sich im Kloster erhalten.

(Christine Riedl-Valder)



 

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