St. Johanniszelle unter Wildberg


 

GESCHICHTE

Die Frauen der Johanniszelle

Hart an der Straße von Sulzfeld nach Bad Königshofen im Grabfeld und umfriedet von einer im 17. bzw. 18. Jahrhundert errichteten Mauer, erhebt sich der Johanneshof an Stelle des einstigen Frauenklosters St. Johanniszell unter Wildberg (Coenobium de cella Sti. Johannis sub castro Wildberg). Über dessen frühe Geschichte wissen wir kaum Sicheres. Einem von Joseph Agricola noch im 17. Jahrhundert nahe dem Altar der Marienkapelle beschriebenen, inzwischen aber verschollenen Grabstein zufolge, stiftete eine Pfalzgräfin ?Gebra? das Kloster. Seit Wieland (1896) wird in ihr die Pfalzgräfin Gertrud, Witwe des Hermann von Stahleck, des Stifters von Bildhausen, vermutet. Gräfin Gertrud lebte nach dem Tod ihres Mannes ab 1156 in Wechterswinkel und später in SS. Maria und Theodor in Bamberg, wo sie bis 1182 nachweisbar ist. Johanniszell unter Wildberg dürfte deshalb in der Zeit von 1182 bis zu ihrem Tod 1201 gegründet worden sein.

Neben der Stifterin gehören die Herren von Wildberg zu den Förderern des Klosters. Konrad von Wildberg übertrug diesem 1293 seine Vogteirechte an den Gütern des Klosters und bestimmte die Sepultur von Johanniszell zu seiner Grablege. 1323 wird eine der Muttergottes geweihte ?Kapelle beim Kloster? erwähnt, in der auch die erste Äbtissin bestattet war. In das frühe 15. Jahrhundert gehörende Reste dieser Kapelle finden sich heute in einem ?Sakristei? genannten, rechteckigen Raum im Anschluss an eine Scheune westlich des Südflügels der beiden Wohngebäude. Im Inneren weist dieser ein gotisches Rippenkreuzgewölbe mit gekehlten Rippen und einem Lamm in Relief als Dekoration des Schlusssteines auf.

Michael de Leone rechnete den Ort in der so genannten Ebracher Handschrift aus der Mitte des 14. Jahrhunderts zu den Benediktinerinnenklöstern. Dagegen führte es Joseph Agricola, der Chronist der fränkischen Zisterzienserklöster, 1660 unter den Frauenklöstern dieses Ordens. Die Johanniszelle war allerdings nie formell in den Zisterzienserorden aufgenommen worden. Wahrscheinlich handelte es sich um einen benediktinischen Frauenkonvent, der zeitweise nach den strengeren Regeln von Cîteaux lebte. Nicht gesichert ist ferner ein Weisungsrecht des Abtes der Zisterzienser von Maria Bildhausen. Dieser trat außer im Zusammenhang mit einer Messstiftung von 1323 nur noch zweimal im 15. Jahrhundert als Schlichter zwischen dem Konvent und zwei Nonnen auf.

Das späte Mittelalter war wie anderenorts auch durch wirtschaftliche Schwierigkeiten und den Verfall der vormals strengen Ordnung gekennzeichnet. Bischof Gottfried IV. Schenk von Limpurg (reg. 1443?1455) setzte daher zunächst externe Verwalter ein. 1485 keimte zeitweise die Hoffnung auf, dass die neue Äbtissin Katharina Zollerin die Zucht im Kloster wieder verstärken werde. Im Bauernkrieg des Jahres 1525 verheert und gebrandschatzt, kam das Klosterleben jedoch nach 1551 endgültig zum Erliegen. Die letzte Äbtissin Ursula von Herbelstadt starb 1555 in Königshofen.

Anscheinend gab es unter Fürstbischof Julius Echter (reg. 1573?1617) noch einmal einen vergeblichen Versuch, das Kloster wieder aufleben zu lassen. Später verwalteten die bischöflichen Amtskeller das hochstiftische Gut bis 1803.

Von den Klostergebäuden des Mittelalters hat sich fast nichts erhalten. Die zu Ehren Mariens und St. Johannis geweihte Abteikirche erhob sich nördlich von den noch bestehenden Wohnbauten aus dem frühen 18. Jahrhundert. Sie war bereits 1570 ruinös und ihre Steine wurden 1662 bis 1665 für den Bau des Kapuzinerklosters in Königshofen verwendet. Ein Sakramentshäuschen an der Nordwand des Chores dort dürfte eines der letzten Zeugnisse der Klosterkirche von Johanniszell sein. An Stelle der im Bauernkrieg zerstörten Marienkapelle, wahrscheinlich der Hauskapelle des Frauenklosters, ließ Julius Echter 1578 einen Neubau errichten. 1718 renovierte Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg (reg. 1699?1719) das Kirchlein und weihte es den Heiligen Johannes d. T. und Gumbert. Seit 1803 profaniert, wurde die Kapelle im Verlauf des 19. Jahrhunderts weitgehend abgetragen. Zu Zeiten des Klosters befand sich hier eine in Silber montierte und als Trinkschale gefasste Kopfreliquie des hl. Gumbert, der man heilende Kräfte nachsagte.

Erich Schneider



 

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