St. Elisabeth


 

GESCHICHTE
St. Elisabeth in Rieneck ? Prämonstratenserstift und Hexentanzplatz

Der am Fluss Sinn im Ostspessart gelegene Ort Rieneck war mit seiner auf einem Felssporn errichteten Höhenburg der Stammsitz des ab dem 11. Jahrhundert bekannten gleichnamigen Grafengeschlechts. Nahe der Burg errichtete diese Adelsfamilie an der Birkenhainerstraße auf halbem Weg zwischen Rieneck und der einstigen Zollstation ?Bayerische Schanz?, einer im Mittelalter wichtigen Ost-West-Verbindung durch den Spessart, eine der hl. Elisabeth geweihte Kapelle. Diese mit Grundstücken und Einkünften dotierte Kapelle übergaben Ludwig und Heinrich von Rieneck sowie Ulrich von Hanau im Jahr 1292 der Abtei der Prämonstratenser in Oberzell am Main. Diese Stiftung wurde 1326 durch Adelheid, Witwe des Grafen Gerhard, und deren Schwager Ludwig, Graf von Rieneck erneuert.

Im Jahr 1303 lebten bereits Chorherren aus Oberzell in Elisabethszell und versahen dort den Gottesdienst. 1337 und noch einmal 1342 entsandte das Mutterstift weitere Konventualen in den Spessart, um hier eine reguläre Niederlassung zu errichten. Die finanzielle Ausstattung des Hauses blieb dafür jedoch stets zu gering. Im Jahr 1350 wurde St. Elisabeth schließlich zu einem Außenhof von Oberzell. 1410 erhielten zwei Fratres aus dem Dominikanerorden den Klosterhof auf Lebenszeit übertragen. Mit dem Verkauf eines zu Elisabethzell gehörigen Grundstücks im Jahr 1538 durch den Abt Georg von Oberzell enden jegliche Nachrichten über den Ort.

Spätestens mit der Einführung der Reformation in Rieneck 1552 dürfte das Kloster nicht mehr bestanden haben und auch die Kapelle verfiel. Zwei Glocken sollen nach Schaippach und nach Ruppertshütten gelangt sein. Die Madonnenfigur zu Rengersbrunn stammt angeblich ebenso aus Elisbethszell wie das Bildnis des hl. Wendelin in Ruppertshütten.

Im Jahr 1617 wurde 17 Frauen der Umgebung unter der Folter das Geständnis abgepresst, dass sie bei Hexenversammlungen am Platz des einstigen Klosters mit bocksfüßigen schwarzen Männern getanzt hätten. In bayerischer Zeit sollen Steine des verfallenen Klosters zum Bau von Waldwegen verwendet worden sein. Inzwischen erinnern daran nur noch einige Steinhaufen im Wald und Flurnamen wie ?Einsiedel? und ?Klosteracker?. Der Vereinsring Langenprozelten errichtete einen Bildstock an der Stelle des abgegangenen Klosters.

(Erich Schneider)



 

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