Lechfeld


 

GESCHICHTE

Das Franziskanerkloster auf dem Lechfeld – Leuchtturm des Glaubens

 

Die Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Lechfeld wurde im Jahr 1603 von der Witwe Regina Imhof gestiftet. Die Augsburger Patrizierin und Herrin von Untermeitingen hatte sich, so eine Legende, auf dem Lechfeld verirrt und gelobt, an der Stelle eine Kapelle zu errichten, von der aus sie die Lichter ihres Schlosses sehen könne. Der Augsburger Bischof Heinrich von Knoeringen erteilte die Erlaubnis zum Bau der Kapelle zu Ehren „Unserer lieben Frau“. Am 7. April 1603 erfolgte die Grundsteinlegung.

Als Vorbild für den Sakralbau diente Santa Maria Rotonda – das Pantheon – in Rom, war doch der Sohn der Stifterin, Leonhard Imhof, Ritter des hl. Stephansordens, kurz zuvor von einer Italienreise zurückgekehrt und voller Begeisterung für den Baustil dieser Kirche. Den Entwurf zeichnete kein Geringerer als der Augsburger Baumeister Elias Holl. Die kleine Rotunde zu „Unser lieben Frau“ konnte bereits am Dreifaltigkeitstag (3. Juni) 1604 eingeweiht werden.

Schon während des Baus der Kapelle hatte sich das erste Mirakel zugetragen: „Anno 1603, noch under wehrenden bawen verlobte sich darzu Veit Müller Baur zu Großkitzigkoven. Dann er hätte ein ¾ Jähriges Töchterlein / Agatha genannt, welches 6 Wochen lang ein steten unerhörten und unerkandtlichen Schmertzen im Leib gehabt, und meniglich ein erbärmliches Spectacul gewesen ist, doch niemand hat können rathen, noch vil weniger helffen. Entlich thut er ein Gelübd zu dieser Capell und verspricht ein Opffer so bald zu geben, als es werde erbawet sein. Von stund an wirds mit dem Kind besser.“

Insgesamt wurden bis zum Jahr 1803 nicht weniger als 7997 wundersame Begebenheiten  aufgezeichnet. Bis auf eine Lücke von wenigen Jahren sind diese Notizen erhalten. Sie werden im Archiv des Bistums Augsburg und im Archiv des Klosters St. Anna in München aufbewahrt. (Eine Übersicht aller Mirakel enthält der in der Literatur genannte Band von Kohlberger, Maria Hilf auf dem Lechfeld – 400 Jahre Wallfahrt.)

Der für die Betreuung der Wallfahrer zuständige Pfarrer von Untermeitingen konnte die Ströme an Wallfahrern allein nicht bewältigen. Ab 1606 wurden daher Franziskaner der Straßburger Observantenprovinz zu seiner Unterstützung eingesetzt. Die Mönche lebten fortan ständig in einem Hospiz auf dem Lechfeld.

Bald konnte die Kapelle die Gläubigen nicht mehr fassen. 1610 wurde deshalb an der Außenseite eine Predigtkanzel angebaut und der kleine Rundbau erhöht. Die Turmkuppel zierte eine kleine Laterne, nach Willen von Regina Imhof ein Wegweiser für alle Reisenden auf dem Lechfeld.

Durch die starke Zunahme der Wallfahrer nach dem Dreißigjährigen Krieg war es nötig an die Rotunde ein fünfachsiges Langhaus anzubauen. 1656 erfolgte die zweite Grundsteinlegung. Der Kirchenraum erhielt um 1659 im Westen eine Empore für die Orgel und einen Teil des Chorgestühls. Von der Empore aus verbindet ein Gang die Kirche mit dem Kloster. Schon 1659 konnte die Kirche wieder geweiht werden. Baumeister war Karl Dietz d. J. Die Steine stammten von abgetragenen Schlossbauten in Wehringen, Bobingen und Augsburg; Fuhr- und Spanndienste leisteten die Bauern aus der Umgebung. In den folgenden Jahren wurde unter Leitung des Baumeisters Kaspar Feichtmayr aus Bernried der Rundbau des Chorraums auf seine endgültige Höhe gebracht und mit einem ringförmigen Anbau für die Sakristei umgeben. Fürstbischof Alexander Sigmund von Pfalz-Neuburg (reg. 1690 – 1737) stiftete im Langhaus die Josephs- und die Antoniuskapelle, beide ausgestattet mit entsprechendem Bildprogramm von Johann Georg Lederer.

Bereits ab dem Jahr 1640 hatte der Franziskanerorden angestrebt das Hospiz Klosterlechfeld zu einem Konvent zu erheben. Der offizielle Antrag erging 1664. Die Zustimmung des Domkapitels und des Bischofs Johann Christoph von Freyberg (reg. 1665 – 1690) erfolgte im Februar 1666. Nachdem am 6. November 1667 der Grundstein für einen neuen Konventbau gelegt worden war, konnten die Mönche unter Guardian Marianus Rosa bereits am 25. August 1668 das Klostergebäude beziehen. Schließlich wurde das Hospiz formell zu einem Konvent erhoben. Im Jahr 1715 erhielt er, auf Bestrebung des Provinzials Sebastian Höß (reg. 1670 – 1731), Rang und Funktion eines Studienklosters für den Ordensnachwuchs.

Der gesamte Kirchenraum erfuhr ab den 1730er-Jahren durch Franz Xaver Kleinhans eine Umgestaltung. Der Stuck der Kirche von Johann Baptist und Ignaz Finsterwalder stammt aus den Jahren 1733/35. Die Deckengemälde schuf Johann Georg Lederer. Das Hauptbild zeigt die Maria-Hilf-Kirche auf einer Arche Noah, umgeben von den geistlichen und weltlichen Ständen. Den restlichen Kirchenraum beherrschen alttestamentarische Allegorien und Marien-Emblemata. Der Hochaltar enthält das Gnadenbild – eine figürliche Darstellung von Christus als Weltenrichter mit Maria und dem Erzengel Michael. Die Figuren werden Christoph Murmann zugeschrieben. Den Altaraufbau entwarf der Laienbruder Concordius Scheidenberger im Jahr 1747. Das Modell hierzu befindet sich heute im Maximiliansmuseum in Augsburg.

Am 30. Januar 1803 wurden die ersten Regelungen für eine Auflösung von Klosterlechfeld getroffen. Das Kloster wurde dann jedoch dem Deutschen Orden übergeben und 1805 in ein Zentralkloster für Franziskaner umgewandelt. Wie in allen anderen „Aussterbeklöstern“ auch durften keine neuen Kandidaten mehr aufgenommen werden. Den Lebensunterhalt der Klosterinsassen übernahm der Deutsche Orden, dann das Königreich Bayern. Die „kirchlichen Verrichtungen“ der Patres hatten sich auf die Klosterkirche zu beschränken. Damit der Gottesdienst in der Pfarrkirche Untermeitingen nicht litt, gestattete man das öffentliche Messelesen nur noch an zehn Festtagen im Jahr.

Ab 1826 setzte sich die Gemeinde Klosterlechfeld für die Instandsetzung des Klosters ein und am 18. Juni 1830 garantierte König Ludwig I. von Bayern den Fortbestand des Konvents. Dieser bestand noch aus vier Ordensgeistlichen und einem Laienbruder. Der Unterhalt des Klosters musste nun aus freiwilligen Beiträgen an Geld und Naturalien von den Gemeinden, aus Messstipendien und aus dem Kirchenvermögen bestritten werden. Das Klostergebäude wurde unter dem Vorbehalt des Eigentumsrechts des Staates dem Konvent unentgeltlich überlassen. Die Baulast für die Gebäude ging vom Staat auf den Konvent über. Unterstellt wurde das Kloster der bayerischen Reformatenprovinz. Die feierliche Übergabe an den Orden erfolgte am 2. August 1830.

Erst 1953 erhob man Klosterlechfeld zu einer eigenen Pfarrei unter Angegliederung der Orte Schwabstadel und Lagerlechfeld. Die Bevölkerung war durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg so angewachsen, dass eine eigene Pfarrgemeinde nötig erschien.

Die Auflösung des Franziskanerkonvents auf dem Lechfeld erfolgte am 1. September 1993.

Die Bibliothek des Klosters befindet sich heute in Bozen. Die Gemälde des Klosters sind nur noch zum kleinsten Teil vor Ort. Ein Teil wurde in das Franziskanerkloster nach Füssen verbracht, ein weiterer Teil befindet sich im Depot der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München. Das Archiv des Klosters wurde ins Archiv des Franziskanerklosters St. Anna in München eingegliedert.

 

(Alexandra Kohlberger)



 

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