Laufen


 

GESCHICHTE

Kollegiatstift Laufen – gemeinsames geistliches Wirken

Intensivierung der Seelsorge und Hebung des Lebenswandels der Geistlichen waren Ziele, welche sich auf verschiedenen Wegen erreichen ließen. Abgesehen von der Errichtung von Bildungsstätten für Priesteramtskandidaten (Priesterseminar und Universität), war die Gründung weltpriesterlicher Kollegiatstifte ein beliebter und viel beschrittener Weg. Angehörige eines Kollegiatstifts waren durch eigene Satzungen, die Kapitelstatuten, zu gemeinsamem liturgischen Wirken im Chorgebet und in der Seelsorge verpflichtet, blieben aber im Status von Weltpriestern und waren somit nicht an das Armutsgelübde gebunden.

Im Gegensatz zum Mittelalter wurden in der Neuzeit kaum mehr weltpriesterliche Kollegiatstifte ins Leben gerufen, mit Ausnahmen, wie dem Erzstift Salzburg. Mit Salzburg muss man sich jedoch auseinandersetzen, wenn man sich mit dem im heutigen Oberbayern gelegenen Laufen an der Salzach und der Geschichte seines Kollegiatstiftes beschäftigt. Laufen gehörte, wie auch Mühldorf und Tittmoning bis zur Napoleonischen Zeit zu Salzburg. Erzbischof Wolf Dietrich von Salzburg begann mit der Gründung neuer Kollegiatstifte und rief 1610 zunächst das Stift Mühldorf am Inn ins Leben. Unter Wolf Dietrichs Nachfolgern folgten die Kollegiatskapitel Laufen 1618 (Statut 1621) und Tittmoning 1633 sowie 1631 das so genannte „Schneeherrenstift“ an der Salzburger Domkirche. Erzbischof Max Gandolf von Kuenberg gründete 1679 das Kollegiatstift Seekirchen. Offiziell wurde das Kollegiatstift Laufen nicht aufgehoben, de facto aber ab 1809 die Kanonikate nicht mehr besetzt. Aus dem Dechantshof wurde 1806 ein Lazarett. Schon 1796 war der Kirchenschatz von Franzosen verschleppt worden, was nach der Plünderung übrig blieb (Skulpturen, Gemälde, Reliquienaltärchen, liturgische Geräte, Paramente), wird heute in den ehemaligen Räumen der Laufener Schulschwestern aufbewahrt.

Die Stifts- und Pfarrkirche Mariäe Himmelfahrt gilt als älteste gotische Hallenkirche Süddeutschlands. Vorbilder für den ab 1330 errichteten Kirchenbau sind in den österreichischen Zisterzienserbauten zu suchen. Vom Vorgängerbau der Laufener Stiftskirche, einer dreischiffigen romanischen Basilika, wurde der Turm übernommen und aufgestockt in die neue Pfarrkirche integriert.

Mit der Gründung des Kollegiatstifts erfuhr auch die nunmehrige Kirche zahlreiche Umgestaltungen und eine Barockisierung der Inneneinrichtung, so wurde 1655/58 ein neuer Hochaltar errichtet. 1775 war auch der barocke Stil passé, es folgte eine Modernisierung im Stil des späten Rokoko. Das Stift ließ Altar und Kanzel erneuern und ein prachtvolles Chorgestühl anfertigen. Oratorien über den Sakristeien für Stiftsdekan und Kanoniker und je eine Chororgel für das Chorgebet an den östlichen Pfeilern rundeten die Einrichtung ab. Von der so genannten Leutkirche trennte den Chorraum ein Gitter. 80 Jahre nach diesen Umbauten verlangte der Stil der nunmehr herrschenden Neugotik erneute Baumaßnahmen. Dekan Johann Wolfgang Braun veranlasste die Entfernung bzw. Veränderung zahlreicher Altäre, der Kanzel sowie der Orgelbrüstung. Das Kirchengestühl wurde erneuert und der Boden neu gepflastert. Alle in den Boden eingelassenen Grabsteine wurden an die Kirchenwände oder in den Laubengang versetzt.

Um 1900 errichtete man an den Turmseiten Emporen und entfernte die Sakristeien, das Chorgestühl, die Oratorien sowie zwei Altäre. Neubarocke Beichtstühle füllten die entstandenen Leerstellen. Farbige Glasfenster sowie eine steingraue Tünchung bestimmten nun die Atmosphäre der Kirche. Unter Stiftsdekan Peter Gries wurde die Kirche 1963/65 renoviert und von störenden Elementen der Einrichtung gesäubert. Der Einbau eines neuen Orgelwerks und die Installation von Heizkanälen zerstörte indes mehrere Grabmäler und griff deutlich negativ in die Bausubstanz des Turms ein. 1993 begann die Sanierung des Turms, 1996 wurde das Dach neu gedeckt, 1997/98 schließlich der komplette Innenraum renoviert.

Um die Kirche verläuft ein Laubengang mit zahlreichen Grab- und Gedenksteinen. Zum Schutz der Grabstätten und der Gläubigen vor den Unbilden der Witterung entwickelte sich der Laubengang vom 15. bis ins 17. Jahrhundert aus zahlreichen Einzeldächern und Holzkonstruktionen hin zu einer durchgehenden Überdachung aus Stein. Unter anderem findet sich hier eine Erinnerungstafel für die Grabstätte der Eltern des kaiserlichen Hofmalers Johann Michael Rottmayr (1654–1730). Rottmayer gestaltete 1691 für das Kircheninnere den Schiffer- oder Rupertusaltar sowie 1698 ein Lünettenbild für die Grabstätte seiner Eltern. Nicht weit vom Gedenkstein für die Eltern Rottmayers entfernt bewacht ein romanischer Portallöwe des Vorgängerbaus den ehemaligen Verbindungsgang zum Pfarrhof mit dem „Pfaffentürl“.

(Laura Scherr)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Epitaph des Adam Franz Guetrather von Altenguetrath, Steinbildwerk, um 1736, Laufen, Kollegiatsstiftskirche St. Maria.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Meister, G.)

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