Landshut, St. Martin und Castulus


 

GESCHICHTE
St. Martin und Castulus in Landshut ? Geschenk des Herzogs an die Stadt

Durch den Regierungsantritt Herzog Wilhelms V. in München im Jahr 1579 hatte Landshut seine Bedeutung als Residenzstadt verloren. Deshalb wollte der Landesherr die Stadt durch die Verlegung des Kollegiatstifts St. Castulus von Moosburg an die Hauptpfarrkirche St. Martin entschädigen. Gleichzeitig sollte mit dieser Maßnahme das religiöse Leben in Landshut im Sinne der Gegenreformation gestärkt werden. Trotz heftigem Widerstand von Seiten des Stifts und der Stadt Moosburg erfolgte mit Zustimmung von Bischof und Papst die Umsiedlung. 1598 wurde Balthasar König feierlich zum Propst des neuen Kollegiatstifts in Landshut ernannt. Das Stift erhielt in der Stadt eine Reihe zusätzlicher kirchlicher Würden und weltlicher Rechte. Dadurch gewann es beträchtlich an Einfluss und Vermögen. Zwanzig Pfarreien und Filialkirchen wurden ihm eingegliedert. Auch die große Knabenschule der Stadt übernahm das Stift. Als 1604 die Reliquien des hl. Castulus von Moosburg nach Landshut übertragen wurden, wurde St. Castulus der Nebenpatron der Stifts- und Pfarrkirche St. Martin, einer der bedeutendsten Kirchen der Spätgotik in Deutschland.

In den neuen Statuten war an sich die Vita communis, also das Leben in quasi klösterlicher Gemeinschaft der Stiftsherren, vorgesehen. In der Spiegelgasse wurde dafür ein entsprechendes Gebäude errichtet. Aber das gemeinsame Leben ließ sich im Stift nicht durchsetzten und so erhielten der Propst und der Dekan jeweils Residenzen neben der Kirche St. Martin und Castulus und auch die Kanoniker bekamen eigene Häuser in der Kirchgasse.

Als neue Propstei des Kollegiatstifts wurde ab 1683 ein repräsentatives dreigeschossiges Eckhaus mit Laubengang im Erdgeschoss (Altstadt Nr. 218) errichtet. Im Innern befindet sich ein großes Vestibül mit Spiegeldecke und ein aufwändig gestaltetes Treppenhaus mit dreiarmiger Podesttreppe.

Die Säkularisation brachte die Auflösung des Stifts im Jahr 1803 und die Zerstreuung des beträchtlichen Grund- und Hausvermögens. Die neue Propstei ging in den Besitz des Staates über und diente als Sitz wechselnder städtischer Ämter. Durch päpstliches Dekret entstand das Kollegiatstift 1937 neu. Der Stadtpfarrer von St. Martin, Albert Graf von Preysing, wurde zum Stiftspropst ernannt (1937?1948). Die Aufgaben der Pröpste der Gegenwart konzentrieren sich auf die Pfarrgemeinde in der alten Landshuter Innenstadt und auf die Erhaltung der bedeutenden Bau- und Kunstwerke, die dem Stift anvertraut sind.

(Christine Riedl-Valder)



 

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