Kreuzberg


 

GESCHICHTE
Der Kreuzberg ? die höchst gelegene Wallfahrt in der Diözese Würzburg

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts gibt es eine ungebrochene Wallfahrtstradition auf den Kreuzberg, mit 928 Metern das höchst gelegene Wallfahrtsziel in der Diözese Würzburg. Für das Jahr 1647 ist erstmals die Prozession der noch heute bestehenden Würzburger Kreuzbruderschaft überliefert. Ausgehend vom Neumünster in der Domstadt führt diese alljährlich vom 20. bis 24. August eine große Gruppe Wallfahrer den 180 Kilometer langen Weg auf den Kreuzberg. Nach ihrer Rückkehr feiern sie in Würzburg in der Semmelstraße die Zwiebelkirchweih. Andere Wallfahrer kommen aus Ochsenfurt, Karlstadt, Arnstein oder Thüngersheim. Beinahe alle umliegenden Gemeinden ?wallen? regelmäßig auf den Kreuzberg. Jährlich sind es 70 bis 80 Fußwallfahrten. Zur Attraktion des Ortes trägt neben den landschaftlichen Reizen der Rhön auch die Kloster-Gaststätte mit ihrem dunklem Bier bei.

In den Anfängen der Wallfahrt auf den Kreuzberg kümmerten sich über Jahrzehnte hinweg die Franziskaner von ihrem Klösterlein in Bischofsheim aus um den anschwellenden Strom von Pilgern. Im Sommer hausten die Bettelmönche in behelfsmäßigen Hütten auf dem Berg und im Winter halfen sie in Bischofsheim und Umgebung in der Seelsorge. Im Jahr 1677 wurde unter Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach (reg. 1675?1683) eine Stiftung zum Bau einer großen Kirche und eines Klosters auf dem Kreuzberg errichtet. Den Grundstein legte 1681 der Abt Robert Metzel des Zisterzienserklosters Bildhausen. 1685 bezogen Franziskanermönche der Straßburger Provinz das neue Kloster und 1692 wurde die Kirche zu Ehren der Kreuzerhebung geweiht. Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau (reg. 1699?1719), der selbst öfters auf dem Kreuzberg weilte, ließ 1699 bis 1706 den so genannten Fürstenbau als Gästetrakt und spätere Infirmerie erbauen. Das heutige Treppenhaus soll 1726 von Balthasar Neumann geplant worden sein. 1731 erging die Erlaubnis zur Einrichtung der Klosterbrauerei.

Im Jahr 1790 wirkten 24 Franziskaner auf dem Kreuzberg. Trotz der formellen Aufhebung 1803 lebten 1816 noch immer 16 Mönche im Kloster. König Ludwig I. verfügte nach einem Besuch im Jahr 1826 per Dekret endgültig das Weiterleben der Niederlassung. Fortan konnten wieder Novizen aufgenommen werden. 1835 wurde das Kloster der bayerischen Franziskanerprovinz angegliedert und zwischen 1840 und 1850 umfassend erneuert. Im Jahr 1902/03 schließlich erfolgte die Errichtung des Fremdenbaus zur Beherbergung von Wallfahrern.

Die Klostergebäude sind von einfacher Architektur und folgen damit den Forderungen der franziskanischen Armutsregel. Allein die unter Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg (reg. 1684?1698) erbaute Kirche hebt sich durch ihre von zumeist regionalen Meistern des 17. und 18. Jahrhunderts geschaffene Innenausstattung ab. Ein besonderes Gnadenbild besitzt die Kirche nicht. Die Andachtsbilder für die Wallfahrer zeigen den barocken Kruzifixus im Hochaltar. Seit 1654 bewahrt die Kirche einen in einer Silbermonstranz gefassten Kreuzpartikel. Dieses Reliquiar wird beim Segen zur Ankunft und Entlassung der Wallfahrer verwendet. Erwähnenswert ist der versuchsweise dem Bildhauer Julius Emes zugeschriebene Sandsteinaltar aus der von Julius Echter 1598 erbauten Kapelle. Er befindet sich heute im Chorraum, flankiert von zwei Engeln mit den Leidenswerkzeugen Christi.

Nicht mehr erhalten sind die drei Kreuze einer Skulpturengruppe aus der Zeit des Fürstbischofs Julius Echter. Sie sollen 1639 zerstört worden sein. Die Köpfe der Gekreuzigten wurden beim Bau der Klosterkirche gefunden und in die Außenmauern eingefügt. Als zwölfte Station des 1710 errichteten Kreuzwegs stehen bis heute drei Kreuze unterhalb des Gipfelplateaus. Die Entfernungen der einzelnen Kreuzwegstationen mit barocken Reliefs eines unbekannten Künstlers in 13 Kapellen entsprechen exakt dem Kreuzweg in Jerusalem. Auf dem Gipfelplateau aber erhebt sich neben dem 156 Meter hohen Sendemast des Bayerischen Rundfunks das so genannte ?Hohe Kreuz? aus Holz als ein Wahrzeichen in der Rhön.

(Erich Schneider)



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen