Königsberg, Augustinerkloster


 

GESCHICHTE
Königsberger Augustiner ? Frühe Parteigänger Martin Luthers

Erst seit 1921 gehört Königsberg zu Bayern. Die kleine Stadt liegt am Westabhang der südlichen Hassbergkette, etwa in der Mitte zwischen Hassfurt und Hofheim. Seinen Namen trägt Königsberg nach der auf dem Schlossberg gelegenen mittelalterlichen Burganlage. Ursprünglich eine fränkische Königsdomäne, der Sage nach von den Karolingern gegründet, gelangte die Burg über verschiedene Besitzer im Jahr 1249 an die Grafen von Henneberg. Sie machten Königsberg im Lauf des 13. und 14. Jahrhunderts zu einem eigenen Amtsbezirk. Kaiser Ludwig der Bayer verlieh der jungen Stadt im Jahr 1333 die Marktrechte. Mit dem Niedergang der hennebergischen Macht 1354 verlor Königsberg seine besondere Stellung und gelangte schließlich an die Markgrafen von Brandenburg.

In dieser Phase des Umbruchs stiftete im Jahr 1363 Kunigunde von Sternberg ein Kloster für Augustiner-Eremiten. Hierfür besaß die adlige Stifterin bereits eine Bestätigung durch Papst Urban V. Wie die beiden anderen Klöster der Augustinermönche im Würzburger Bistum, dem in der Domstadt selbst und in Münnerstadt, gehörte Königsberg zur thüringisch-sächsischen Ordensprovinz. Auf einem 1368 in Gotha abgehaltenen Provinzkapitel wurde Magister Heinrich de Augea (Aub) zum Prior in Königsberg gewählt. Sophia, die verwitwete Markgräfin von Brandenburg, befreite das Kloster 1366 von jeglichen Lehensverpflichtungen und ließ einen Altar auf ihre Kosten errichten. Zu den Förderinnen zählt auch Sophia, eine geb. Gräfin von Henneberg und Witwe des Burggrafen Albrecht von Nürnberg. Im Jahr 1391 war die Kirche vollendet. Sie wurde vermutlich von dem Würzburger Weihbischof Johannes Karlstadt, selbst ein Augustiner-Eremit, geweiht.

Das Augustinerkloster in Königsberg wurde von zahlreichen adligen Familien in der Umgebung mit Grundbesitz und Rechten ausgestattet. Besonders die Truchsess von Wetzhausen förderten das Kloster und sahen es bald als ihr Hauskloster. Im Jahr 1444 stifteten Kilian Truchsess und seine Frau eine große Summe zur Erweiterung der Abteikirche. Eine weitere bedeutende Stiftung erfolgte 1482 durch Hartung Truchsess zum Ebersberg.

Die Augustinermönche wirkten im späten Mittelalter zumeist in der Seelsorge der umliegenden Orte. Obwohl der Konvent in Königsberg zu den ersten gehörte, der sich zur strengen Observanz bekannte, war die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts für das Priorat von schweren Auseinandersetzungen um die Zugehörigkeit zur Reform gekennzeichnet.

Martin Luther soll 1518 in Königsberg zu Besuch gewesen sein. Vielleicht deshalb sympathisierten die zuletzt sieben Augustiner ab 1523 mit der von Wittenberg ausgehenden Reformation ihres ehemaligen Ordensbruders. Der letzte Prior Georg Büttner verließ bereits 1524 den Orden und wurde der erste evangelische Pfarrer von Rügheim. Der Bauernkrieg von 1525 beschleunigte auch hier den Entscheidungsprozess. Zwar hatten die Mönche ihre Wertsachen auf die Veste Coburg in Sicherheit bringen können, aber das von den Bauern geplünderte, baufällige Kloster bot ihnen keine Heimat mehr und die meisten verließen Königsberg. 1528 lebte nur noch Nikolaus Fleischmann als Verwalter im Kloster.

Die Liegenschaften fielen an die Coburger Herrschaft. Die Gebäude überließ man dem Verfall. 1610 war der Kreuzgang noch zu sehen gewesen. Heute erinnert lediglich eine alte Steinmauer an das gegenüber der evangelischen Friedhofskapelle St. Burkhard gelegene Augustinerkloster in Königsberg.

(Erich Schneider)



 

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