Königsberg, Augustinerterziarinnen


 

GESCHICHTE

Die Schwestern von der Akelei in Königsberg. Die „Königin“ und ihre adeligen Damen

  

Mit dem Niedergang der Grafen von Henneberg ab der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde Königsberg zu einer Exklave, fernab vom sächsisch-thüringischen Coburg und allseits umgeben vom Hochstift Würzburg. Erst durch den Volksentscheid von 1920 gelangte Königsberg mit dem Herzogtum Sachsen-Coburg an Bayern.

 

Diese exklusiv adlige Verbindung war einmalig in Europa. Es handelte sich weder um einen Orden noch um Kanonissen im jeweils strengen Sinn. Die Damen wohnten nicht in einem Kloster, sondern in einem Privathaus; Kirche war keine vorhanden. Die Residenzpflicht scheint nicht sehr streng gehandhabt worden zu sein; lediglich zu den Jahrtagen jeweils am Sonntag nach Fronleichnam waren – in Erinnerung an verstorbene Mitglieder und Wohltäter der Gemeinschaft – alle Ordensdamen in Königsberg anwesend. Ledige mussten älter als 40 sein und wenigstens vier adelige Vorfahren nachweisen können. Verheiratete durften nur mit Erlaubnis ihres adeligen Ehemanns eintreten. Im Anschluss an ein Probejahr wurde ein Gelübde abgelegt. Ihre Oberin nannten die Schwestern „Königin“.

Als namengebendes Zeichen ihrer Gemeinschaft, die nicht mehr als 31 Schwestern zählen sollte, trugen sie eine silbervergoldete Akelei am Gewand: Schwestern von der Agelblume oder Aglai-Schwestern. Sonst wiesen sie keinen besonderen Habit auf. Für den Gottesdienst anlässlich des Jahrtags sollen die Schwestern einen mit einer silbervergoldeten Akelei gezierten Ornat getragen haben. An den übrigen Tagen sollen sich die in Königsberg wohnenden in der Art von Konversen mehrmals täglich zum gemeinsamen Gebet getroffen und außerdem besondere Fasttage eingehalten haben. Neben diesen geistlichen Pflichten sollen sie für die Armen und Kranken gesorgt haben.

1436 gewährte das Konzil von Basel der Gemeinschaft Ablässe und Privilegien. Die letzte Königin der bei ihrer Wahl 26 Schwestern zählenden Gemeinschaft war Margaretha vom Stein zum Altenstein (gest. 1531). Unter ihrer Regentschaft erschienen im Jahr 1517 die Statuten erstmals in gedruckter Form: „Die ordenung der Erbern Schwesterschafft genant die Agellenbluemen wie sich ein itzliche schwester derselben darinne haltenn soll.“ (Stadtarchiv Königsberg, freundlicher Hinweis von Wolfgang Jäger, Königsberg). Bereits 1524 schloss sich Königsberg jedoch der Reformation an und die Gemeinschaft löste sich in der Folgezeit auf.

Zeugnisse ihrer Geschichte fehlen nahezu völlig. In Königsberg wird nur das ihnen früher gehörende Haus Kirchgasse 60 vorgezeigt, das um 1850 noch Wohnzellen und größere Festräume aufgewiesen haben soll.

 

Erich Schneider

 



 

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