Kastl


 

GESCHICHTE

Die Benediktiner in Kastl ? Romanik und Reform

 

Graf Berengar von Sulzbach-Kastl (gest. 1125), Friedrich und Otto (gest. 1108) von Kastl-Habsberg und Luitgard von Zähringen, die Gemahlin Markgraf Diepolds I. von Vohburg, gründeten mit Unterstützung von Luitgards Bruder, Bischof Gebhard III. von Konstanz, in einer Reichsburg ein Benediktinerkloster. Die Gründung wurde 1102 von Papst Paschalis II. bestätigt. Die ersten Mönche kamen 1103 unter ihrem Abt Theoderich aus dem Kloster Petershausen bei Konstanz, sodass Kloster Kastl unter Hirsauer Observanz kam. Schon 1118 wurde von Kastl aus das Kloster Reichenbach gegründet.

Im Jahr 1139 erhob Papst Innozenz II. das Kloster Kastl zum päpstlichen Eigenkloster mit freier Abt- und Vogtwahl. Wirtschaftlichen Aufschwung nahm Kastl durch eine umfängliche Schenkung des Herzogs Heinrich Jasomirgott 1159. Es kam dabei unter anderem in den Besitz von Habsberg bei Neumarkt. Weitere Besitzungen um Neumarkt, Sulzbach, Amberg und bis nach Regensburg gewann das Kloster in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, aber auch noch bis ins 15. Jahrhundert hinzu.

Die geistliche Blütezeit lag im 14. Jahrhundert. Dies wird sichtbar in der Übersetzung der Schriften des Boethius (470?525) 1301, 1342 in der Abfassung der ?Kastler Reimchronik? durch den seit 1325 infulierten Abt Hermann (reg. 1322?1356) und um 1400 im Wirken des Mystikers Johannes von Kastl (1399 Prior von Kastl). Enge Beziehungen bestanden zu Kaiser Ludwig dem Bayern (1313?1347), der sich mehrmals in Kastl aufhielt und hier 1319 seine Tochter Anna zu Grabe trug. Bestattet wurde in der Klosterkirche auch sein Feldhauptmann Seyfried Schweppermann (gest. 1337).

Die größte Bedeutung erlangte das Kloster unter Abt Otto III. Nortweiner (reg. 1377?1399) durch die so genannte Kastler Reform, die den drohenden Niedergang des Klosters verhinderte und in der Folge eine Reihe bedeutender Abteien erfasste, darunter St. Emmeram in Regensburg, Reichenbach, Ensdorf, Weihenstephan, Michelfeld, St. Gallen und mehr als 15 weitere Stifte. Im Jahr 1413 erhob Kaiser Sigismund die Abtei in den Reichsstand. 1556 erfolgte die Auflösung der Abtei im Zuge der Oberpfälzer Reformation. 1636 kam Kastl unter Kurfürst Maximilian I. an das Amberger Jesuitenkolleg und verblieb dort bis zur Auflösung des Ordens 1773. Die Jesuiten führten 1715 eine grundlegende Kirchenrenovierung durch.

Von 1782 bis 1808 unterstand die Klosteranlage dem Malteserorden, danach wurde die Klosterkirche- zur Pfarrkirche. Die Klostergebäude waren von 1825 bis 1930 Sitz des Landgerichts Kastl, später zusätzlich des Finanzamts (bis 1929). Nach einer Nutzung als Schullandheim und Heim des weiblichen Reichsarbeitsdienstes dienten sie nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Flüchtlingswohnheim. Am 1. Januar 1958 zog das bis heute bestehende Ungarische Gymnasium in den ehemaligen Klostergebäuden ein.

Die im Wesentlichen bis 1129 fertig gestellte Klosterkirche zählt trotz der späteren Veränderungen zu den herausragenden Werken der Romanik im östlichen Bayern. Sie steht deutlich in einer burgundisch-cluniazensischen Tradition und gilt als der ?älteste größere Gewölbebau außerhalb des Rheinlandes? (Georg Dehio, 1924).

Peter Morsbach



 

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