Ingolstadt, Franziskanerkloster


 

GESCHICHTE
Das alte Franziskanerkloster zu Ingolstadt

Wer im Bayerischen Nationalmuseum in München den Saal mit den Stadtmodellen des Jakob Sandtner aufsucht, findet dort auch das Modell des alten Ingolstadt. Ein turmloser schlichter Bau, ganz nach dem Ideal der Bettelorden, kennzeichnet die Franziskanerkirche Mariä Himmelfahrt. Herzog Ludwig der Strenge übereignete im Jahr 1257 dem Orden der Franziskaner ein Grundstück nördlich der damaligen Stadtumwallung für die Errichtung von Kloster und Kirche. Nachdem auch Bischof Hildebrand von Eichstätt dem Plan zugestimmt hatte, gaben Herzog Ludwig und seine Ehefrau Anna von Polen für die Bauarbeiten die beachtliche Summe von 30 Mark Silber.

Der Kirchenbau wurde sehr wahrscheinlich noch im Stiftungsjahr 1257 in Angriff genommen und 1275 zum Abschluss gebracht. Stilistisch einordnen lässt sich der Sakralbau zwischen den Ordenskirchen in Regensburg und in München. Wohl gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Chorraum verlängert, eingewölbt und vom Langhaus durch einen Lettner oder Fronbogen abgegrenzt. Um 1500 versah man die Seitenschiffe der Kirche mit einem Kreuzgewölbe. Das Mittelschiff behielt lange Zeit seine Flachdecke und bekam erst 1716 ein Gewölbe. Von den alten Fresken ist nichts mehr vorhanden. Der Hochaltar entstand um 1755 und trennte den Mönchschor vom Altarraum.

Auf Veranlassung Herzog Ludwigs des Reichen (reg. 1450?1479) wurde 1466 das Kloster an die Observanten (Ordo Fratrum Minorum Observantiae) übergeben. Mit dem Wechsel auf diesen strengeren Zweig der Franziskaner wurden auch die Einkünfte und Besitzungen des Klosters der neuen Universität Ingolstadt übertragen. Das Kloster beteiligte sich rege am Universitätsleben, einige Mönche nahmen an Lehrveranstaltungen teil.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden für das Kloster die Reformaten (Ordo Fratrum Minorum Reformatorum) bedeutsam, die sich noch strengerer Buße und Askese unterwarfen. Unter Papst Gregor XIII. erlangten die Reformaten weitgehende Unabhängigkeit. 1625 entstand eine eigene Ordensprovinz in Bayern. Der Herzog und spätere Kurfürst Maximilian sorgte mit mehr oder weniger sanftem Druck für die Übergabe des Ingolstädter Klosters von den Observanten an die Reformaten. Dies geschah am 14. September 1621.

Während der Säkularisation blieb der Franziskanerkonvent zu Ingolstadt erhalten als zentrales ?Aussterbekloster? für Ordensbrüder aus säkularisierten Franziskanerklöstern. Die Ingolstädter Franziskaner verlegten ab 1827 ihr Ordensleben in das ehemalige Kloster der Augustiner. Mit dem Augustinerkloster ?an der Schutter? übernahmen die Franziskaner auch das Gnadenbild einer gotischen Madonna, der so genannten ?Schuttermutter?.

Das eigentliche alte Barfüßerkloster wurde von 1828 an bis zum Ende der königlich bayerischen Armee als Kaserne genutzt. Die alte Franziskanerkirche diente als katholische Militärkirche der Garnison. Für kurze Zeit, von 1924 bis 1933, herrschte im Barfüßerkloster wieder geistliches Leben durch die Gemeinschaft der Steyler Missionare. 1933 übernahm der Reichsarbeitsdienst die Klosteranlage, 1943 kamen die Gebäude in den Besitz der NSDAP.

Das alte Augustinerkloster samt seiner Kirche fiel 1945 einem Bombenangriff zum Opfer. So kehrten die Franziskaner nach dem Zweiten Weltkrieg in ihr ursprüngliches Domizil zurück und übertrugen die ?Schuttermadonna? in die Ölberg- oder Lichtenauerkapelle der Franziskanerkirche. Seit 1998 lebt der vormalige Konvent als Franziskanisch-Geschwisterliche Gemeinschaft innerhalb der bayerischen Ordensprovinz.

(Laura Scherr / Christian Lankes)



 

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