Himmelthal


 

GESCHICHTE
Himmelthal ? Zisterzienserinnen, eine Benediktinerin und Jesuiten

Graf Ludwig II. von Rieneck und seine Gemahlin Adelheid von Henneberg übergaben im Jahr 1232 ihr im Elsavatal im Landkreis Miltenberg gelegenes Hofgut Wolperch und das Dorf Eichelbach an den Würzburger Domherrn Salomon zur Errichtung eines Klosters für Zisterzienserinnen. Schutz und Schirm sowie die Kastenvogtei behielt sich das Stifterpaar ausdrücklich vor. Die geistliche Aufsicht oblag dem Generalvikar des Erzbistums Mainz. Für das Jahr 1234 sind Schutzprivilegien von König Heinrich VII. und von Papst Gregor IX. überliefert. 1236 übertrug Erzbischof Siegfried III. von Mainz (reg. 1230?1249) außerdem die Pfarrei Erlenbach einschließlich des dortigen Patronats an das Kloster ?Vallis coeli?.

Bereits 1243 konnte die offenbar stark prosperierende Frauengemeinschaft unter ihrer Äbtissin Burgsindis einen Gründungskonvent in das Kloster Lichtenstern bei Heilbronn entsenden. Dank zahlreicher Zustiftungen etwa durch die Schenken von Klingenberg, die Herren von Bickenbach, von Fechenbach, von Riedern und von Schlüsselberg verfügte die Abtei Himmelthal nach 1400 über Besitz und Rechte in mehr als 80 Ortschaften.

Obwohl das Kloster nie in den Zisterzienserorden inkorporiert war, kümmerten sich die Zisterzienser-Äbte von Ebrach und von Bronnbach, aber auch der Benediktiner-Abt von Seligenstadt mehrfach um den Konvent. 1406 führte der Abt von Ebrach eine Visitation durch und 1516 erfolgte eine weitere Visitation durch den Abt von Seligenstadt. 1522 bzw. 1527 wurde Regina Truchsessin von Baldersheim aus dem Kloster Frauental zur Verwalterin bzw. Äbtissin eingesetzt. Kriegerische Ereignisse in den Jahren 1525, 1552 und 1557 zerstörten einige Gebäude und entvölkerten das Kloster.

Ungeachtet des erloschenen Konvents wurde Himmelthal nicht säkularisiert, sondern im Jahr 1569 Anna Geupel aus dem Benediktinerinnenkloster Schmerlenbach als Äbtissin eingesetzt. Diese war bis zu ihrem Tod 1601 die einzige Bewohnerin von Himmelthal. In dieser Zeit war die Nonne in vielfältige Streitereien mit den evangelischen Grafen von Erbach verwickelt, die sich als legitime Nachfolger der 1560 ausgestorbenen Rienecker ansahen. Noch zu ihren Lebzeiten übertrug deshalb der Mainzer Erzbischof 1595 die Bewirtschaftung der Liegenschaften des Klosters den Jesuiten in Aschaffenburg. Diese Maßnahme erhielt jedoch erst 1618 nach einem Vergleich mit den Grafen von Erbach Rechtskraft.

1626 schenkte der Mainzer Erzbischof Johann Schweikard von Kronsberg (reg. 1604?1626) Himmelthal den Jesuiten. Nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu im Jahr 1773 fielen die Liegenschaften an das Erzstift Mainz zurück und wurden der Studienanstalt Aschaffenburg zugewiesen. 1814 gliederte man das Gut in das Stiftungsamt Aschaffenburg ein. In den Jahren 1973/74 erfolgten eine grundlegende Sanierung und die Einrichtung von Ausbildungsstätten berufsvorbereitender Maßnahmen für Jugendliche.

In Himmelthal hat sich aus der Zeit als Frauenkloster, abgesehen von zwei spätromanischen Reliefs und einem Sandsteinrelief des hl. Nikolaus um 1300, kaum etwas an Ort und Stelle erhalten. Erwähnenswert sind 15 schlichte Grabsteine von Äbtissinnen und Adligen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Nicht ohne Charme ist darunter der Stein für die im Jahr 1324 gestorbene Äbtissin Katharina von Quiddenbaum. Er wird von einem stilisierten Quittenbaum und Weinreben geziert, in denen Vögel sich an den Früchten laben. Die ursprüngliche Kirche des 13. Jahrhunderts dürfte ein saalartiges Langhaus mit zweijochigem, kreuzgewölbten und gerade geschlossenen Altarhaus gehabt haben. Reste davon sind im Sockel des jetzigen Chors enthalten.

Die heutigen Gebäude wurden im 18. Jahrhundert errichtet. 1753 erbaute Johann Martin Schmidt aus Miltenberg die St. Sebastian geweihte Kirche. Ihre Innenausstattung setzt sich aus Kunstwerken des 16. und 17. Jahrhunderts zusammen. Der Hochaltar entstand 1753 und weist ein Gemälde von Anton Mathiowitz aus Wetzlar auf. Von diesem Maler stammen vermutlich auch die zeitgleichen, etwas ungelenk wirkenden Deckengemälde. Im Chor findet sich die Triumphierende Kirche mit Heiligen aus dem Jesuitenorden. Das Langhaus ist dem hl. Sebastian gewidmet. Die Schilderung des Martyriums hat der Maler dabei nach Franken verlegt: Er zeigt im Hintergrund das Kloster Himmelthal, so wie es im 18. Jahrhundert ausgesehen hat.

(Erich Schneider)



 

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