Himmelspforten


 

GESCHICHTE
Himmelspforten – Von der Zisterze zum Karmel

Der Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg (reg. 1225–1254) gründete im Jahr 1231 in Himmelstadt nahe Karlstadt das Zisterzienserinnenkloster Himmelspforten („Coeli Porta“). Der Bischof unterstellte seine Stiftung dem Abt des Klosters Ebrach als „Weiser“, behielt sich allerdings das Patronatsrecht und das Recht in geistlichen Fragen. Aus nicht bekannten Gründen flüchteten sich die Nonnen um 1248 in das verlassene Kloster Schönau. Bereits zwei Jahre später (1250) verlegten die Frauen ihren Konvent erneut, und zwar in die Schottenaue, damals noch außerhalb der Stadt Würzburg. Heute liegen die Klostergebäude etwas versteckt inmitten von Gewerbebetrieben im Würzburger Stadtteil Zellerau. Dessen ungeachtet ist Himmelspforten das einzige Frauenkloster aus der Zeit des Mittelalters in Würzburg, das sich in seiner Anlage bis in die Gegenwart erhalten hat.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts hatte es wegen des Umzugs in die Nähe von Würzburg Differenzen gegeben. Gräfin Adelheid von Rieneck hatte sich nämlich aus Sorge um den Fortbestand des Konvents an das Generalkapitel des Ordens gewandt. Erst nach einer Visitation des neuen Standorts durch die Äbte von Bronnbach und von Schöntal erfolgte unter der Äbtissin Gertrud die Ansiedlung bei Würzburg. Es ist nicht auszuschließen, dass der Anspruch des Würzburger Bischofs auf das Patronat und die Vogtei mit dem ordensinternen Weisungsrecht der Äbte von Ebrach konkurrierte. Papst Alexander IV. erteilte 1255 das große Ordensprivileg. Damit war das noch junge Kloster formell in den Orden der Zisterzienser inkorporiert.

In Himmelspforten fanden auch Nonnen aus nicht adligen Familien Aufnahme. Schon 1352 erscheint mit Elisabeth IV. Silberlin die erste nicht adlige Äbtissin. Trotzdem bildete die Verbindung mit fränkischen Adelsfamilien, wie den Grafen von Rieneck, den Rittern von Grumbach und von Hutten das wirtschaftliche Rückgrat der Zisterze, die schließlich über Besitz und Rechte in mehr als 60 Orten verfügte und selbst abgabenfrei war.

Die Nähe zu Würzburg und die enge Bindung an den Bischof zogen Himmelspforten in die Auseinandersetzung der Bürgerschaft mit Bischof Albrecht von Hohenlohe (reg. 1350–1372). Sie gipfelte 1354 in einer Brandschatzung des Klosters. 1360 erlangte die Zisterze von Kaiser Karl IV. (reg. 1355–1378) ein großes Schutzprivileg.

Himmelspforten verblieb während der Zeit der Reformation unter der Äbtissin Sophie von Grumbach (gest. 1526) im katholischen Glauben. Nach einigen Schwierigkeiten in den Folgejahren erholte sich das Kloster unter der Äbtissin Katharina von Seubott gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Auch den Dreißigjährigen Krieg überstand der Konvent einigermaßen unbeschadet. Das Ende kam mit der Säkularisation. Im Jahr 1804 mussten 35 Zisterzienserinnen das alte Kloster Himmelspforten verlassen.

Nach einer Phase als Militärhospital, dann als Tabak- und Farbenfabrik erwarben 1844 die Schwestern Röll aus Dettelbach und die Schwestern Götz aus Margetshöchheim das Areal und gründeten ein Kloster für Unbeschuhte Karmelitinnen. Noch im gleichen Jahr von Gmunden in Oberösterreich besiedelt, erhielt der Karmel bereits 1847 die päpstliche Bestätigung. 1925 erbauten die Karmelitinnen unter Einbeziehung der alten Kirche ein neues Kloster. Die historischen Gebäude fanden fortan als Exerzitienhaus der Diözese Würzburg Verwendung. Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, wurde das Kloster bis 1967 wieder aufgebaut.

Der gotische Kreuzgang hat den Krieg nur in wenigen Partien unbeschadet überdauert. Er bildet indes vor allem wegen seiner für die Würzburger Plastik um 1400 charakteristischen Grabmäler einen kunstgeschichtlich wichtigen Anziehungspunkt..

Mit dem Bau der Kirche wurde 1263 begonnen. Eine Weihe ist für das Jahr 1277 überliefert. Hauptpatronin ist Maria, der Nebenpatron ist Johannes Evangelist. Die langgestreckte, saalartige Kirche ist typisch für den Zisterzienserorden. Der Sakralbau ist zweigeteilt mit dreischiffiger, gewölbter Sepultur und Nonnenempore im Westen. Insbesondere die Gewölbekonsolen und Schlusssteine im Chor sowie das frühgotische Hauptportal an der Südseite mit seinem gestuften, dreiteiligen Gewände verdienen Beachtung.

Zwischen 1592 und 1607 wurden die Konventgebäude erneuert. Auf 1598 ist der von Wolf Salhofer geschaffene steinerne Glockenturm datiert. Er ist dem 1627 wieder abgetragenen Dachreiter an der Würzburger Universitätskirche verwandt. Ab 1598 wurde das Kirchenschiff erhöht und eine hölzerne Kassettendecke eingezogen, 32 bemalte Füllungen schildern hier die Themen der Sonntagsevangelien. 1612 schuf Hans Reckenzahn die Wendeltreppe als Verbindung vom Kirchenschiff zur Empore der Nonnen. Sie bildet ein typisches Beispiel dafür, wie in der Regierungszeit des Fürstbischofs Julius Echter (reg. 1573–1617) gotische Formtradition und Stilgefühl der Renaissance vereinigt werden konnten. Ab 1761 erhielt die Kirche schließlich von der Hand des Hofbildhauers Johann Peter Wagner drei neue Altäre und eine Kanzel, Kunstwerke, die seit der Säkularisation jedoch in ganz Unterfranken verteilt sind.

(Erich Schneider)



 

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