Heilsbronn


 

GESCHICHTE
Heilsbronn – fränkischer „Heilsbrunnen“ und adliges Denkmal

An der alten Straßenverbindung zwischen Nürnberg und Ansbach gründete Bischof Otto I. von Bamberg im Jahr 1132 ein Kloster, das der Sicherung seiner Besitzrechte in dieser Grenzzone dienen sollte. Bischof Otto besetzte Heilsbronn zunächst mit Benediktinern. Bereits 1141 bezogen es jedoch Zisterzienser aus der aufblühenden Abtei Ebrach. Das Klostergut für seine Neugründung hatten dem Bamberger Bischof die Grafen von Abenberg per Kauf überlassen, die in der Umgebung reich begütert waren. Den einstigen Ortsnamen „Haholdesbrunn“, der sich mundartlich zu „Halsbrunn“ verschliffen hatte, veränderten die Mönche in die weit bedeutungsvollere lateinische Bezeichnung „fons salutis“ („Brunnen des Heils“).

Heilsbronn blieb zunächst Eigenkloster des Bischofs von Bamberg und stand unter der Vogtei der Grafen von Abenberg. Zahlreiche kaiserliche und päpstliche Privilegien begünstigten das Kloster. Die kreuzförmige Basilika in der strengen Bauweise der Hirsauer Romanik konnte schon 1149 geweiht werden. Der Sakralbau erfuhr in der Gotik mehrfach Erweiterungen. Großzügige Schenkungen erhielten die Mönche von den Abenberger Grafen, die ihre Grabkapelle in der Stiftskirche besaßen, und von anderen Adelsfamilien. Die vogteilichen Schutzfunktionen übernahmen nach dem Aussterben der Abenberger die Hohenzollern. Von 1297 bis 1685 befand sich in der Stiftskirche auch ihr Erbbegräbnis.

Im Mittelalter entwickelte sich Heilsbronn zu einer der mächtigsten und reichsten Abteien des Zisterzienserordens. Von Rudolf von Habsburg (reg. 1273–1291) bis Maximilian I. (reg. 1493–1519) besuchten alle deutschen Kaiser das Kloster. Für sie und andere hohe Gäste benötigte man repräsentative Räume, die in einer „Neuen Abtei“ Platz fanden. Deren zweigeschossiger Hauptbau entstand gleichzeitig mit dem Ostchor des Münsters in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der Südflügel (1485–1489) und der westliche Turmanbau, in dem die Klosterurkunden aufbewahrt wurden, kamen 1487 und 1519 dazu. In der „Neuen Abtei“ befinden sich noch heute sehenswerte spätgotische Räume: der Kaisersaal mit einer reich geschnitzten Holzdecke; das Markgrafenzimmer, Gemächer des Abts, der Bibliotheksraum mit Schränken und Wandvertäfelungen des frühen 16. Jahrhunderts, außerdem die Abtskapelle mit gotischen Wandmalereien.

Der Besitz der Abtei umfasste in seiner Blütezeit rund 300 Städte und Dörfer zwischen Würzburg und Kelheim, Nördlingen im Ries und Hirschau in der Oberpfalz. Sie wurden durch sechs Propsteien verwaltet. Die kluge Wirtschaftsführung der Zisterzienser führte dazu, dass das Kloster bald von der Eigenbedarfsdeckung zur Versorgung weiter Gebiete Frankens übergehen konnte. Außerdem waren die nötigen Geldmittel vorhanden zum Ankauf von Büchern und für das auswärtige Studium der Mönche. Neben vielfältigen geistigen Anregungen wirkten vor allem in der Kirchenmusik starke Impulse von der Abtei auf die Region.

Die Reformation und der zunehmende Einfluss des Absolutismus leiteten im frühen 16. Jahrhundert den Weg in die Verweltlichung ein. Schon im Jahr 1524 traten vierzehn Mönche zur neuen evangelischen Lehre über. 1529 resignierte Abt Johann Wenck, der die ständigen Eingriffe des Landesherrn in die innerklösterlichen Verhältnisse nicht mehr ertragen konnte. Abt Johannes Schopper bemühte sich um einen Fortbestand des Klosters durch einen Kompromiss zwischen evangelischer Lehre und katholischer Liturgie und mit Hilfe einer 1534 gegründete Klosterschule.

Nach dem Tod von Abt Melchior Wunder (gest. 1578) starb der Heilsbronner Konvent aus. Markgraf Georg der Fromme von Ansbach säkularisierte einen Teil des Klosterguts in der Absicht, damit die Schulden seines Fürstentums zu tilgen. Das Klostervermögen kam allerdings unter eine gesonderte markgräfliche Klosterverwaltung und wurde erst beim Übergang an Bayern dem Staatsvermögen zugeschlagen.

Die Tradition der humanistischen Klosterschule wurde rund 150 Jahre lang durch die „Fürstenschule“ fortgesetzt, die Markgraf Georg Friedrich d. Ä. 1581 als Herzog von Preußen im fernen Königsberg/Ostpreußen für begabte Söhne des Landes stiftete. Durch die Fürstenschule wurde Heilsbronn nach der Klosterauflösung noch einmal zum kulturellen Mittelpunkt der Markgrafschaft Ansbach. 1737 vereinigte man diese Bildungsanstalt mit dem Gymnasium in Ansbach.

Die ehemalige Klosterkirche und heutige evangelische Pfarrkirche in Heilsbronn gilt als die früheste Zisterzienserkirche im deutschen Kulturraum, die in ihrer Bausubstanz im Wesentlichen erhalten geblieben ist. Sie birgt bedeutende Werke des „Nürnberger Künstlerkreises“ um Michael Wolgemut, Albrecht Dürer, Adam Krafft, Veit Stoß und Peter Vischer. Von den für Anfang des 16. Jahrhunderts nachgewiesenen 29 Altären sind heute noch neun an Ort und Stelle erhalten. Der Großteil von ihnen stammt aus der Frühzeit des 16. Jahrhunderts.

Aufgrund ihrer vielen Grabdenkmäler hat man der ehemaligen Klosterkirche auch den Titel „Schlafkammer des fränkischen Adels“ verliehen. Drei markgräfliche Hochgräber aus dem Zeitraum vom 14. bis zum 18. Jahrhundert beherrschen die Achse des Mittelschiffs. Auch der Westchor, die so genannte Ritterkapelle, ist eine Grablege des Adels mit Bildsteinen aus dem 15. Jahrhundert. Im südlichen Seitenschiff befindet sich ein weiteres Mortuarium mit Grabmälern des 15. und 16. Jahrhunderts.

Im Gegensatz zur Stiftskirche haben sich von der ehemaligen Klosteranlage nur wenige Reste erhalten: 1733 wurde die Pfortenkapelle St. Katharina (1330 erbaut) bis auf den Turm abgebrochen. Im Norden der Stiftskirche lag einst der romanisch-gotische Kreuzgang, er wurde zerstört. Das sich daran anschließende Refektorium – heute als evangelischer Gemeindesaal genutzt – hat die Jahrhunderte überdauert. Es ist ein bedeutendes Zeugnis frühgotischer Klosterarchitektur und stammt aus dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts. Zum Teil verfügt es über Kreuzgewölbe sowie romanische und frühgotische Verzierungen. Auch bei der westlich anschließenden Sakristei handelt es sich um einen großartig gewölbten, frühgotischen Raum mit achtstrahligen Rippenfächern über quadratischem Grundriss.

Das Brunnenhaus - ein eingeschossiger Fachwerkbau aus dem Jahr 1735 – nordwestlich der Stiftskirche wurde anstelle des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Dreischalenbrunnens des Klosters errichtet. Die „Neue Abtei“ ist heute Sitz des Katechetischen Amtes der Evangelischen Landeskirche in Bayern.

Im Ort Heilsbronn selbst befindet sich noch eine große Anzahl alter Häuser, die im Zusammenhang mit dem Kloster standen. Auch Mauerreste der ehemaligen Klosterbefestigung aus dem 12. und 13. Jahrhundert sind erhalten.

(Christine Riedl-Valder)



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Chor der ehem. Zisterzienserklosterkirche Heilsbronn St. Marien/St. Jakobus (ev. Pfarrkirche), 10./11. Jh.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, A.)

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