Freising, St. Veit


 

GESCHICHTE

Ersatzheimat der Weihenstephaner Chorherren

Das Kloster St. Veit, für das schon im Jahr 857 Mönche bezeugt sind, lag auf halber Höhe des Weihenstephaner Berges. Auf Veranlassung des Freisinger Bischofs Egilbert (Regierungszeit 1005?1030) wurde es um 1020/21 zur neuen Heimstätte des bisherigen Chorherrenstifts von Weihenstephan. Bischof Hitto hatte dieses Stift um 830 dort an der von ihm neu errichteten und reich ausgestatteten Stephanskirche eingerichtet (siehe Kloster Weihenstephan). Nach dem Umzug des Stifts besetzte Bischof Egilbert Weihenstephan mit Benediktinern aus dem Reformkloster Seeon. Die Kanoniker übertrugen damals auch ihre Güter und Stiftungen nach St. Veit, so dass das neue Kollegiatstift gut ausgestattet war, wenn es auch nie mit dem benachbarten Stift St. Andrä konkurrieren konnte. Zu St. Veit gehörten der Propst, der Dechant sowie acht Kanoniker, von denen aus finanziellen Gründen zeitweilig nur fünf in den Genuss von Pfründen kamen. Fürstbischof Albert Sigismund (1651?1685) legte 1684 fest, dass von den acht Kanonikern generell drei ohne Residenzpflicht und Pfründe bleiben sollten. Die Pröpste waren meist zugleich Domherren; dies wurde 1725 vom Papst als Regel bestätigt. Der Dechant wurde anfangs von den Kapitularen gewählt, vom Bischof bestätigt und mit der Leitung des Stifts betraut. 1692 räumte das Kapitel sein Verleihungsrecht dem Fürstbischof ein unter der Bedingung, dass nur Adelige und Doktoren berücksichtigt werden dürfen. Die Stiftsmitglieder konnten deshalb alle eine gehobene Bildung vorweisen und besetzten demzufolge auch die wichtigsten Posten in der Bistumsverwaltung.

Die dreischiffige Stiftskirche aus der Zeit der Romanik wurde um 1515 gotisch eingewölbt. Nach ihrer Barockisierung erfolgte 1683 die Einweihung. Von Anfang an gehörte eine Schule zum Stift. Sie bestand bis ins 18. Jahrhundert. Bedeutendster Stiftskanoniker war Dekan Michael Grasser. Er vertrat 1564 auf der Provinzialsynode in Salzburg alle bayerischen Kollegiatstifte. 1646 mussten die Stiftsangehörigen vor den Schweden flüchten. Dabei ging ein Großteil des Archivs und des Kirchenschatzes verloren. 1601 kam es zu einer Neufassung der Statuten. St. Veit hatte damals sieben Mitglieder, da es 1595 wie das Domstift und St. Andrä eine Pfründe zugunsten eines Knabenseminars gestiftet hatte. 1738 bestand es aus zehn Kanonikern und vier Vikaren. 1782 wurde wie in St. Andrä ein Kapitelzeichen eingeführt. Es handelte sich um eine Medaille mit dem Bild des hl. Vitus. Während 1790 die Aufhebung des Stifts durch den Fürstbischof verhindert werden konnte ? denn Joseph Konrad Freiherr von Schroffenberg plante, die Vermögen der beiden Kollegiatstifte St. Andrä und St. Veit zur Tilgung seiner Schulden zu verwenden ? musste St. Veit bei der Vereinnahmung des geistlichen Fürstentums durch Kurbayern doch im November 1802 mit seinen Kirchen und Kapellen geschlossen werden. Wie beim Domkapitel und beim Stift St. Andrä durften die Stiftsherren auf Lebenszeit ihr Wohnrecht in ihren Kanonikalhöfen behalten und bekamen eine staatliche Pension. Kurfürst Max Josef besiegelte am 22. Dezember 1803 das traurige Schicksal des Kollegiatstifts mit der Genehmigung des Abbruchs der Stiftskirche St. Veit, der drei Kapellen Maria Hilf, Loreto und St. Nikolaus sowie des Schulhauses. Anstelle der Stiftsgebäude hat man 1825 die heute noch existierende Gastwirtschaft ?Lindenkeller? errichtet.

Christine Riedl-Valder



 

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