Donauwörth, Hlg. Kreuz


 

GESCHICHTE

Zum Heiligen Kreuz in Donauwörth

In den Partikeln des Heiligen Kreuzes Christi, die bis zum heutigen Tag, in der gleichnamigen Kirche ihre Verehrung finden, liegen zugleich die Ursprünge des Klosters. Der adlige Herr Mangold (Manegold) erwarb die Kreuzreliquie, als er im Auftrag Kaiser Konrads II. in diplomatischer Mission in Konstantinopel weilte. Das wertvolle Gut aus dem byzantinischen Reichsschatz wird bis heute in seinem mittelalterlichen Zierbehältnis, einer so genannten Staurothek, in der Kirche Heiligkreuz zu Donauwörth bewahrt. Der Überlieferung nach fand der Kreuzpartikel im Jahr 1029 eine Heimstatt auf der Burg Mangoldstein. Nur spärliche Reste des Adelssitzes der Herren von Wörth (Werd) sind am nördlichen Stadtrand von Donauwörth erhalten geblieben.
Unter Leitung Irmtruds (Irmentraud), der Schwester Mangolds, versammelten sich fromme adlige Frauen auf der Burg zur beständigen Verehrung des Kreuzes. Aus der Gemeinschaft entstand ein Nonnenkloster, geweiht im Dezember 1049 durch Papst Leo IX. Die Vogtei verblieb bei den Herren von Wörth, so dass Heiligkreuz als Eigenkloster dieser Familie angesehen werden kann.
Während des Investiturstreits wurde um 1070 die Burg Mangoldstein samt dem Kloster zerstört. Ein Neugründung des Nonnenkonvents verlegte ihn an den Ortsrand der Siedlung Werd in der Flussebene der Donau. Eine Generation später wandelte sich Heiligkreuz allmählich zum Männerkloster. Angeblich war mangelnde Disziplin der adligen Frauen der Grund, in Wahrheit mag es ihr Beharren auf alten Rechten gewesen sein. 1101 wurde das Domizil der Nonnen ein Doppelkloster unter männlicher Leitung. Seinen Mönchskonvent stellten zwölf Benediktiner aus St. Blasien im Schwarzwald.
Im Jahr 1125 wurde Heiligkreuz ein reines Männerkloster. Die Nonnen fanden Aufnahme in den Klöstern Liezheim bei Dillingen bzw. Bergen bei Neuburg an der Donau. Gleichzeitig begannen die Herren von Wörth in Nachbarschaft zum bisherigen Kloster mit dem Bau einer völlig neuen Anlage für Heiligkreuz an seinem heutigen Standort. Den hohen Rang der Benediktinerabtei bezeugt die Anwesenheit Kaiser Friedrich Barbarossas bei der Weihe der Klosterkirche im Jahr 1187.
Mit dem Tod des letzten Herrn von Wörth auf dem Kreuzzug von 1191 erlosch zugleich die Vogtei des Stiftergeschlechts über Heiligkreuz. Seine neuen Vögte wurden durch Übernahme der Herrschaft Wörth die Staufer. 1232 versprach König Heinrich VIII. der Abtei zwar ewigen Schutz durch das Reich, doch wechselten im Lauf der Zeiten immer wieder die Vogteiherren des Klosters.
Während einer vorübergehenden Verpfändung der Herrschaft Wörth an den Herzog von Bayern wurde die Burg Mangoldstein im Jahr 1256 zum Schauplatz eines höfischen Dramas. Hier ließ Ludwig II. der Strenge seine Gemahlin Herzogin Maria von Bayern und zwei Hofdamen wegen des Verdachts auf Ehebruch bzw. Kuppelei töten. Bald reute den Herzog die Bluttat. Zur Sühne errichtete der Wittelsbacher die Zisterzienserabtei Fürstenfeld westlich von München. Die drei unschuldigen Opfer des fürstlichen Jähzorns fanden hingegen ihre letzte Ruhe im Kloster Heiligkreuz und wurden bald als Selige verehrt.
Die Hinwendung der seit dem Jahr 1301 reichsfreien Stadt, damals Schwäbischwörth genannt, zum evangelischen Bekenntnis führte im 16. Jahrhundert zunehmend zu Konflikten mit dem Kloster. Nach Ausschreitungen gegen die Katholiken, insbesondere einer gewaltsamen Störung einer Prozession im Frühjahr 1606, verhängte Kaiser Rudolf II. im Sommer 1607 über Wörth die Reichsacht. Die bisherige Reichsstadt ging zunächst nur als Pfand an das Herzogtum Bayern und wurde im Dezember 1607 militärisch besetzt. Da der Kaiser das Pfand nicht auslösen konnte, wurde Donauwörth de facto bald eine bayerische Stadt. 1714 wurde es endgültig bayerisch. Bei der Rekatholisierung der Einwohnerschaft im Sinne der bayerischen Kirchenpolitik spielten die Benediktiner von Heiligkreuz eine wichtige Rolle. Entsprechend festigte sich der regionale Einfluss des Klosters nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Das 18. Jahrhundert wurde für die Abtei Heiligkreuz zu einer Zeit der Blüte auf allen Gebieten. Das Kloster erhielt zwischen 1717 und 1722 eine neue Kirche im Stil des Barock.
Es war der erste große Auftrag für den Mauerer und Baumeister Joseph Schmuzer (1683-1752) aus Wessobrunn. 1719 wurde sein Bruder Franz Schmuzer (1676-1741) mit dem Stuckdekor und 1725 mit der Gestaltung des Hochaltars betraut. Die zurückhaltend noble Arbeit der Brüder Schmuzer harmoniert mit den zwar lebhaften, doch relativ kleinformatigen Deckengemälde von Jacob Carl Stauder (1694-1756); der gebürtige Schweizer wirkte als Hofmaler des Fürstbischofs von Konstanz. Ungewöhnlich war Stauders Technik, denn er malte hier 170/21 keine Fresken, sondern mit Öl auf trockenen Untergrund. Die endgültige Ausstattung des Gotteshauses war erst 1735 vollendet. Im späten 18. Jahrhundert ließ Abt Gallus Hammerl die Klosteranlage noch einmal wesentlich vergrößern. Der Prälat beauftragte den Maler Johann Baptist Enderle (1725-1798) mit Fresken zur Klostergeschichte im neuen Festsaal.
Der Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg übergab die Abtei im Herbst 1802 an die Fürstin Caroline von Colloredo. Von ihr wechselte das Besitzrecht jedoch rasch an die Fürsten Oettingen-Wallerstein als Ersatz für die an Frankreich verlorene Herrschaft Dagstuhl. Bereits am 15. Januar 1803 erfolgte die Aufhebung der Abtei. Nur kurzzeitig nutzte Fürst Ludwig von Oettingen-Wallerstein das ehemalige Kloster als Residenzschloss. In der Folge wurden darin zahlreiche Mietwohnungen eingerichtet.
Eine Wende nahm das Schicksal von Heiligkreuz durch die Initiative von Ludwig Auer (1839-1914). Der ehemalige Volksschullehrer aus der Oberpfalz hatte bereits 1872 in Neuburg an der Donau ein privates katholisches Bildungsinstitut geschaffen - das "Cassianeum", benannt nach dem hl. Cassian, der als Lehrer wegen seines Glaubens das Martyrium erleiden musste. 1875 verlegte Auer sein Cassianeum in die zunächst gepachtete, dann 1878 per Kauf erworbene Klosteranlage nach Donauwörth.
Vor dem geistig-kulturellen Hintergrund des so genannten "Kulturkampfes" im deutschen Kaiserreich war das Ziel des Cassianeums eine breit angelegte katholische Pädagogik. Hierzu entstanden in Heiligkreuz ein Seminar mit Versuchsschule und Internat sowie ein Verlag mit eigener Buchdruckerei. Seit 1910 ist das Cassianeum eine kirchliche Stiftung unter Aufsicht der Diözese Augsburg.
1935 übernahmen die österreichischen Herz-Jesu-Missionare aus Liefering (Salzburg) die Schule und das Internat. Bereits 1938 musste der Schulbetrieb jedoch eingestellt werden.
Von 1939 bis 1945 beherbergte das Cassianeum ein Lazarett der Wehrmacht. Ungeachtet des Krieges fanden jedoch die 1936 begonnenen Renovierungsarbeiten an der Klosterkirche ihren Abschluss. Nach Neukonstruktion der einsturzgefährdeten Kuppel in den Jahren 1940/41 schuf Franz Klemmer (1879-1964), Professor an der Münchner Kunstakademie (1930-1947), in der Vierung ein neues Fresko.
Heiligkreuz überstand die verheerenden Luftangriffe auf die Stadt Donauwörth im April 1945 unbeschadet und diente nach Kriegsende als Flüchtlingslager. Bereits 1946 eröffneten Schule und Internat wieder den Betrieb. Heute beherbergt Heiligkreuz die Betriebe der Stiftung, eine Realschule, einen Tageskindergarten und eine Seminar- und Tagungsstätte.

( Christian Lankes ) 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Enderle, J.B., Allegorie auf die Förderung von Kunst und Wissenschaft, Fresko, um 1781, Donauwörth, ehem. Benediktinerkloster.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Meister, G.)

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