Burghausen, Hlg. Schutzengel


 

GESCHICHTE

Burghausen ? die Englischen Fräulein vom Heiligen Schutzengel

Als dritte Gründung der Englischen Fräulein auf dem Gebiet des heutigen Bayern (nach München und Augsburg) entstand 1683 die Niederlassung in Burghausen. Möglicherweise war es Heimweh, das Philippine Baumgartner (1642?1698), Burghauserin und Mitglied der Münchner Kongregation, veranlasst hatte, für Burghausen eine eigene Niederlassung zu fordern. Der Fürstbischof von Salzburg Maximilian Gandolf von Kuenburg stimmte zu, der Aufbau konnte begonnen werden. Mit Helen Catesby (1683?1701) erhielten die Englischen Fräulein in Burghausen eine erste Oberin, die nicht nur Schülerin von Mary Poyntz, der Weggefährtin von Maria Ward, war sondern möglicherweise auch die Ordensgründerin noch persönlich gekannt hatte.

Die finanzielle Situation unmittelbar nach Gründung des Instituts war alles andere als großartig und so diente zunächst die neben dem Friedhof liegende kleine Frauenkirche als Oratorium und Begräbnisstätte. Bald erweiterten die Englischen Fräulein ihre Räumlichkeiten und riefen 1688 eine öffentlich zugängliche Kapelle ins Leben.

Schon 1731 erlaubte es die deutlich verbesserte Finanzlage, einen Neubau in Angriff zu nehmen. Johann Martin Pöllner, Maurermeister aus Trostberg, erhielt den Auftrag. Die Weihe der neuen Schutzengelkirche erfolgte 1746. Wendet man sich heute auf dem Burghausener Stadtplatz der Schutzengelkirche zu, so beeindruckt die mittels Pilastern gegliederte Fassade noch immer. Wie auch die Kirche selbst, so krönen die rechts und links angrenzenden Wohnhäuser geschweifte Giebel. Der eher rechteckige Kircheninnenraum ist eindrucksvoll ausgestattet. Für die Freskierung zeichnete Innocentius Waräthi, ein in Burghausen ansässiger Südtiroler, verantwortlich. Im Chorfresko beten die neun Chöre der Engel das Herz Jesu an, im Langhaus die Heiligen Drei Könige das Jesuskind, der Maler hat sich hier selbst als Hirte neben einem Ochsen verewigt. Von Benedikt Gößler aus Winhöring stammt die Altarausstattung, datierend in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Figurenschmuck des Hochaltars wird Johann Georg Lindt (hl. Georg, Maximilian, Theresia, Florian) sowie Johann Georg Kapfer (Engelsfiguren) zugeschrieben.

Das zweite Obergeschoss birgt eine Marienkapelle, ausgestattet mit ins 16. bis 18. Jahrhundert zu datierenden Gemälden, etwa einer Schutzmantelmadonna nach Art Rueland Frueaufs und dem noch aus der 1688 eröffneten Kapelle stammenden Andachtsbild ?Maria Trost?. Am alten Standort hatte sich das Gnadenbild ? eine Kopie von 1685 nach Philippe de Champaigne ? großer Beliebtheit erfreut. 1989 wurde die Kirche umfangreich renoviert.

Ein 1695 gefasster Plan, von Burghausen aus in Salzburg eine Niederlassung der Englischen Fräulein zu gründen, wurde nicht verwirklicht. Während der Säkularisation wurde Burghausen Zentralkloster für alle übrigen Häuser der Englischen Fräulein in Bayern. Verhältnismäßig spät, nämlich 1816. ereilte schließlich auch die Burghausener Niederlassung das Schicksal der Aufhebung und die Damen wurden nach Altötting übersiedelt. König Ludwig I. jedoch ließ das Institut der Englischen Fräulein Burghausen bereits 1826 wieder errichten. So konnte der Passauer Bischof Karl Joseph von Riccobona (reg. 1826?1839) im Jahr 1836 Englische Fräulein aus Burghausen in die verwaisten Räume des Klosters Niedernburg zur Gründung eines Mädchenpensionats holen.

Bis heute besteht auch in den alten Räumlichkeiten der Englischen Fräulein in Burghausen eine Schule (Maria-Ward-Realschule Burghausen). Der im Burghauser Heimatmuseum verwahrte Pranger-Esel auf Rädern, der in früheren Zeiten zur Bestrafung ungezogener Schülerinnen der Englischen Fräulein diente, findet jedoch heutzutage ? soweit bekannt ? keine Verwendung mehr.

(Laura Scherr)



 

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