Bildhausen


 

GESCHICHTE

Bildhausen ? reiches Zeugnis der zisterziensischen Vergangenheit

Die Geschichte des Zisterzienserklosters Maria Bildhausen reicht zurück bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts. Graf Hermann von Höchstadt, auch genannt von Stahleck, stiftete kurz vor seinem Tod am 2. Oktober 1156 gemeinsam mit seiner Gemahlin Gertrud, der Schwester König Konrads III., eines seiner Stammgüter mit Namen Bilheldeshuse, im Tal der Dippach gelegen, zur Gründung eines Klosters. Die nach der hl. Bilhild benannte, gemäß den frühen Gepflogenheiten des Ordens ?in Tal und Einsamkeit? gelegene Niederlassung wurde mit Mönchen aus Ebrach besiedelt. Als 1158 Kaiser Friedrich Barbarossa das neue Kloster unter dem ersten Abt Heinrich, gen. Bruno (reg. 1158?1190), unter seinen Schutz stellte, war der Gründer bereits nicht mehr am Leben. Er erhielt im Chor der Klosterkirche ein Grabmal errichtet. Den zugehörigen Grabstein des Grafen Hermann wollte man 1825 auf die nahe gelegene Salzburg schaffen, wobei er zerbrach und seitdem verschollen ist.

Im Jahr 1161 erhielt Bildhausen größere Schenkungen durch den Würzburger Bischof Hermann; gleichzeitig wurde das Kloster dem Stuhl des hl. Kilian übereignet. Weitere Schenkungen machten Maria Bildhausen im Lauf der Jahrhunderte zu einem der reichsten Klöster Frankens, das im frühen 14. Jahrhundert etwa 40 Mönche beherbergte. Seitdem, vor allem aber seit der Reformation, war der Einfluss des Würzburger Fürstbischofs auf Bildhausen sehr groß. Dies führte zu wiederholten Auseinandersetzungen mit dem ebenfalls eine reichsunmittelbare Stellung anstrebenden Mutterkloster Ebrach. Der Abt von Bildhausen war seinerseits Weiser der Nonnen von Frauenroth, Heiligental, Mariaburghausen, Wechterswinkel und Johanniszell.

Im Jahr 1207 wurde in Bildhausen ein Spital für arme Pfründner eingerichtet; als Spitalkapelle diente später die 1354 durch Heinrich von Königshofen gestiftete, der Muttergottes und dem hl. Martin geweihte Pfortenkapelle nördlich des Torhauses. Weitere Gotteshäuser im Klosterbezirk waren die von Antonius de Born (gest. 1454) gestiftete Kapelle im Kreuzgang, ein Truchsess von Wetzhausen stiftete eine Kapelle an einem heute nicht mehr feststellbaren Platz, an welchem später eine Küche errichtet wurde. Östlich vom Kloster erhob sich auf einem Hügel noch eine den Aposteln Petrus und Paulus geweihte Kapelle an dem Ort, an welchem sich vormals angeblich die Burg des Stifters Hermann von Stahleck befunden haben soll. Alle diese Kapellen wurden nach 1803 abgebrochen.

Im ausgehenden Mittelalter häufen sich die Berichte über nachlassende Ordenszucht. 1495 weilte sogar der Abt von Morimund zur Visitation im Kloster. Gleichwohl ist das Bild der Zisterze in jener Zeit recht uneinheitlich. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts umschloss die Ringmauer des Klosters über 18 Gebäude. Im Bauernkrieg flüchtete Abt Valentin I. (reg. 1520?1528) nach Königshofen und die Mönche irrten in weltlicher Kleidung schutzlos umher. In der letzten Aprilwoche des Jahres 1525 wurde das aufgegebene Kloster vom Bildhäuser Haufen, angeführt von dem Münnerstädter Schreiner Hanns Schnabel, geplündert. Neben den Wertsachen waren die Bauern vor allem an den Urkunden und Zinsbüchern von Bildhausen interessiert, in denen die Zehntverpflichtungen und Frondienste verbrieft waren. Voller Wut auf den ungeliebten Herrn heizten die Aufständischen mit diesen Pergamenten und mit den Büchern aus der Bibliothek die Backöfen und ließen schließlich das ganze Kloster in Flammen aufgehen.

Die Mönche sympathisierten damals aber auch mit der Lehre Luthers. Nach einer Visitation durch Bischof Konrad von Thüngen im Jahr 1527 verließen zahlreiche Professen das Kloster und Abt Valentin I. Maiersbach (reg. 1520?1528) wurde seines Amtes enthoben. Der vom Bischof 1528 eingesetzte Abt Bartholomäus Streit (reg. 1528?1540) musste sogar Weltgeistliche zur seelsorglichen Betreuung der ihm unterstellten Frauenklöster anfordern.

Im Markgräflerkrieg 1553/54 wurde das Kloster von marodierenden Truppen mehrfach geplündert, Grabmal und Bildnis des Stifters wurden zerstört und der Konvent flüchtete erneut. Abt Valentin II. Reinhardt (reg. 1560?1574) sympathisierte erneut mit der evangelischen Lehre und wurde deshalb verhaftet. Erst mit Fürstbischof Julius Echter (reg. 1573?1617) und Abt Michael Christ (reg. 1581?1618) kehrte in Bildhausen wieder zisterziensische Ordenszucht ein. Christ erhielt sogar den Beinamen eines zweiten Gründers der Abtei.

Eine Phase schwerer Prüfungen bedeutete schließlich der Dreißigjährige Krieg; von Oktober 1631 bis Herbst 1634 wurde das Kloster von protestantischen schwedischen Soldaten besetzt gehalten. Abt Georg Kihn (reg. 1618?1639) war in dieser Zeit im Exil in Köln. Davon erholte sich Maria Bildhausen nur allmählich. 1672 wurde das Kloster in die Oberdeutsche Ordenskongregation aufgenommen. In den Jahrzehnten danach erfolgte die umfassende bauliche Erneuerung der Zisterze.

1803 wurde das trotz der vorangegangenen Napoleonischen Kriege noch immer wohlhabende Kloster mit 29 Konventualen und drei Laienbrüdern unter dem letzten Abt Nivardus Schlimbach (reg. 1786?1802 bzw.1812) aufgehoben.

Ein großer Teil der Gebäude mit Kreuzgang, Torkapelle, einer weiteren kleineren Kirche und Gästehaus wurde in den folgenden Jahrzehnten abgebrochen. 1826 legte man die Spitzhacke sogar an die bis in das Mittelalter zurückreichende Abteikirche und zerstörte die Basilika mit ihrem gestaffelten Fünfapsidenchor bis auf die Grundmauern. Spolien des Bauwerks und Teile der Ausstattung finden sich in Kleinwenkheim, Leubach, Reyersbach, Schönau und Wechterswinkel. In die Pfarrkirche des letztgenannten Orts verschlug es den 1679/80 von dem Würzburger Bildhauer Philipp Preuss geschaffenen Hochaltar. Noch weitgehend ungeklärt ist das Schicksal der Klosterbibliothek. Unter den Beständen befanden sich auch große Teile der Bücherschätze des Würzburger Jesuitenseminars, die 1791 von Abt Schlimbach für seinen privaten Bedarf ersteigert worden war.

1818 kaufte die Mennonitenfamilie Muselmann eine Hälfte des Klosterguts. Im Jahr 1827 lebten dort 45 Mitglieder dieser ?Mennoniten-Brüder-Gemeinschaft?, die bis zum Ende des Jahrhunderts alle nach Amerika ausgewandert waren.

1897 erwarb der schwäbische Priester Dominicus Ringeisen von Ursberg Gebäude und Ländereien und richtete darin eine Fürsorgeanstalt für geistig Behinderte der von ihm gegründeten St.-Josefs-Kongregation ein.

Trotz aller Katastrophen und baulichen Veränderungen bietet Maria Bildhausen noch zahlreiche Zeugnisse der zisterziensischen Vergangenheit. Ältester erhaltener Bauteil ist das aus dem frühen 13. Jahrhundert stammende Torhaus, über das man in das einstige Kloster eintritt. Es weist in der Durchfahrt Dreiviertelsäulen mit Knospenkapitellen der Bauzeit auf. Über dem Portal befindet sich eine um 1380 zu datierende Sandsteinfigur Maria mit Kind. Der gleichen Zeit gehören die Konsole mit dem knienden Mann und der maßwerkverzierte Baldachin an. Die Fenster sind nachgotisch. Das Torgebäude in Bildhausen gehört zu den seltenen Beispielen seiner Art aus dem Mittelalter.

Aus dem 17. Jahrhundert stammt die Abtei mit dem anschließenden Kanzleitrakt. Begonnen wurde der Bau 1625 unter Abt Georg Kihn. Von Interesse für die aufkeimende Barockarchitektur in Franken ist vor allem die Westfassade des Kanzleitrakts mit ihrer manieristischen, die Renaissance bereits ablösenden Giebeldekoration und dem eigenwilligen, jegliche architektonische Struktur meidenden Portal. Dieses Gebäude gehört zu den wenigen Beispielen fränkischer Architektur auf dem Weg zum Barock, die während des Dreißigjährigen Kriegs erbaut wurden.

Das Innere der Abtei wurde unter Abt Bonifaz Geßner im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts prunkvoll ausgeziert. Die Sandsteingeländer der einläufigen Podesttreppe sind in den üppigen Formen des reifen Rokoko aufwändig dekoriert. In den Ecken des Treppenabsatzes und auf dem Geländer erheben sich allegorische Figuren, welche Kardinaltugenden darstellen. Diese Bildhauerarbeiten stammen möglicherweise von Benedikt Lux. Neben der Stuckdecke mit ihren reichen Muschelwerkkartuschen, Blattzweigen und Rosengirlanden beeindruckt ein schmiedeeisernes Gitter in bewegter Rocailleornamentik.

Erwähnenswert ist im Süden der Anlage der an drei Seiten frei stehende, leicht vorspringende Bibliothekspavillon. Über der rundbogigen Durchfahrt im Erdgeschoss wurden das Wappen des Abtes Engelbert Klöpfel in reicher Muschelwerkumrahmung und zwei Löwen als Wappenhalter angebracht. Das erste und zweite Obergeschoss dieses Pavillons nimmt der einstige Bibliothekssaal ein, dessen Deckenspiegel von allegorischen Gemälden von der Hand Johann Michael Wolckers aus dem Jahr 1749 geziert sind. Zu sehen ist eine Himmelsdarstellung mit zahlreichen Heiligengruppen. In der Mitte wird die Aufnahme Mariens in den Himmel gezeigt. Möglicherweise soll diese Darstellung auch die christliche Wissenschaft symbolisieren.

Von der Baulust der Bildhausener Äbte im 18. Jahrhundert zeugt außerdem ein als Sommerrefektorium unter Abt Bonifaz Geßner 1765/66 errichteter Pavillon inmitten des einstigen Obstgartens. Baumeister war der in der Gegend viel beschäftigte Benedikt Lux. Ein quadratischer Mittelsaal mit energisch abgeschrägten Ecken wird von zwei kurzen, abseitenartigen Räumen begleitet. Das hohe, dreifach gestufte Kuppeldach wurde erst bei der letzten Renovierung wieder hergestellt. Insgesamt erinnert der schöne Rokokobau an ähnliche Pavillons des Bamberger Neumann-Schülers Johann Michael Küchel, etwa an jenes ?geistreiche? Gebilde im Park des Schlosses Thurn.

Erich Schneider



 

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