Beyharting


 

GESCHICHTE

 

Tuntenhausen, Chorherrenstift Beyharting – Seelsorger der Wallfahrt Tuntenhausen

 

 

 

Das Johannes dem Täufer geweihte Augustiner-Chorherrenstift in dem nahe Bad Aibling gelegenen Dorf Beyharting wurde von Judith, der Witwe des Edlen Tageno von Pihartingen (Beyharting), zusammen mit ihrem Bruder Megingoz gegründet. Die erste Kirche wurde 1130 nach Anweisung von Erzbischof Konrad von Salzburg durch Bischof Roman von Gurk geweiht. An die Südseite des Gotteshauses baute man die Dreiflügelanlage des Stifts an. Es war anfangs für sechs Chorherren geplant, deren Zahl sich jedoch im Lauf der Zeit vergrößerte. 1221 wurde dem Stift die Pfarrei Tuntenhausen und 1425 Schönau eingegliedert. Ab 1420 erfolgte die Gotisierung der Kirche. Unter Propst Johann II. Saaldorfer (1451–1458) wurde der Chor neu erbaut. Der Kreuzgang erhielt 1465 ein Netzrippengewölbe. Mit dem Aufkommen der Wallfahrt zur Tuntenhausener Madonna (seit 1441) stiegen die Einkünfte der Chorherren ab Mitte des 15. Jahrhunderts zusehends. Die Betreuung dieser bedeutenden Gnadenstätte wurde schließlich zur Hauptaufgabe der Beyhartinger Chorherren. Beyharting kam daneben aber auch eine wichtige Rolle in Bildung und Wissenschaft zu. Seit dem 13. Jahrhundert ist hier eine Schule nachweisbar. Das Stift besaß auch eine bedeutende Bibliothek (im 19. Jahrhundert zerstört).

 

Der Kreuzgang wurde um 1569 mit eindrucksvollen Wandmalereien geschmückt. Um 1600 verfiel die Disziplin der Chorherren in der Ausübung ihrer Pflichten. Unter den Pröpsten Johannes Gering (1623–1645) und Christian Scheuchenstuhl (1645–1686) gelang es jedoch, die Gemeinschaft von innen heraus zu reformieren. Von 1627 bis 1630 wurde die 1584 abgebrannte Wallfahrtskirche wieder aufgebaut. Kurfürst Maximilian I. nahm daran großen Anteil und steuerte einen viersäuligen Hauptaltar für das Gnadenbild als Geschenk bei. Stift Beyharting wurde im Dreißigjährigen Krieg dreimal von den Schweden geplündert (1632, 1646 und 1648). Es konnte seinen Grundbesitz im 17. Jahrhundert jedoch erheblich erweitern. Zwischen 1668 und 1670 wurde unter Propst Christian das Langhaus durch den Münchner Konstantin Bader umgebaut und die Stiftskirche neu ausgestattet. Den krönenden Abschluss bildete die Fresken- und Stuckdekoration durch den bedeutenden Rokokokünstler Johann Baptist Zimmermann, die um 1730 anlässlich der 600-Jahr-Feier entstand. Auch die Sakristei und der Kapitelsaal erfuhren eine Ausschmückung im Stil des frühen Rokoko. Im 18. Jahrhundert erreichte das Kapitel mit 20 Mitgliedern seine stärkste Besetzung. Nachdem der Konventbau 1770 ein Opfer der Flammen geworden war, baute ihn Propst Korbinian Sarreiter prächtiger als zuvor wieder auf.

 

1803 wurde das Stift Beyharting im Zuge der Säkularisation aufgelassen. Die Gebäude gingen in Privatbesitz über und wechselten dann mehrfach den Besitzer. Die Stiftskirche wurde als Filialkirche genutzt; 1907 erfolgte die Erhebung zur Pfarrei. Der ehemalige Konventbau diente in den 1920er-Jahren als Altersheim für Bedienstete des Schlossherrn von Maxlrain. 1996 fielen die Gebäude an die Katholische Pfarrkirchenstiftung. 2002 wurden Renovierungsarbeiten vorgenommen. Zu Ostern 2002 erhob man die Gebeine der Klostergründerin und bestattete sie 2003 feierlich in einem neuen Sarg. Heute erinnern in der Kirche die Relieffigur und die Grabplatte der Stifterin sowie Epitaphien von Chorherren und Adelsgeschlechtern aus der Region an das ehemalige Kollegiatstift in Beyharting.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 

 

 

Link:

 

http://www.tuntenhausen.de/bildung/sehenwuerdigkeiten/kloster/

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Kreuzaltar der Sakristei (eingefasst von stukkierten Dattelpalmen), Holzschnitzerei, Altar 1715/Palmen 1747, Tuntenhausen (Beyharting), ehem. Augustinerchorherren-Stiftskirche St. Johann Bapt. 
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, A.)

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