Beuerberg


 

GESCHICHTE

Beuerberg ? Augustinerchorherren und Salesianerinnen

Um 1120 errichtete Otto von Iringsburg (Eurasburg) auf Veranlassung seiner Mutter Bertha und seiner Brüder Eberhard und Konrad in Beuerberg ein Stift für Augustinerchorherren. Die Gründung erfolgte im Gedenken und zum Seelenheil für Ottos Vater Adalbert, der als Gefolgsmann Kaiser Heinrichs IV. mit dem päpstlichen Bann belegt worden war. Gemäß der Überlieferung bestand hier im Tal der Loisach bereits eine Pfarrkirche. Dort lebte der Eremit Heinrich mit guten Kontakten zu den Chorherren in Bernried. Heinrich wurde der Propst des neuen Stifts. Die ersten Kanoniker kamen vermutlich aus Dießen.
Beuerberg stand unter dem Einfluss von Rottenbuch, dem wichtigsten geistigen Zentrum der Augustinerchorherren in Bayern. Gemäß dem Streben der Rottenbucher Reformbewegung nach Freiheit von den örtlichen Adelsherrschaften suchte das Stift schon 1121 dem Schutz des apostolischen Stuhls. So erlangte Beuerberg von Papst Calixtus II. das Recht Propst und Vogt frei zu wählen. Bereits 1127 fand die Weihe der dreischiffigen romanischen Stiftskirche St. Peter und Paul statt. Bis 1355 wurden dem Stift neben der Pfarrei Beuerberg auch die Pfarreien Machtlfing, Münsing sowie die Pfarrvikariate Berg und Degerndorf inkorporiert. Darüber hinaus oblag dem Stift zeitweise auch die Seelsorge über die Kirchen Oberherrenhausen, Wolfratshausen, Schallenkam und die Wallfahrt St. Heinrich.
Das Stift war anfangs mit wenigen Höfen ausgestattet. Noch 1278 lebten neben dem Propst nur drei Kanoniker in Beuerberg. 1312 bestand der Konvent schon aus sieben Kanonikern; ab dem 16. Jahrhundert waren es bis zu fünfzehn Chorherren. Weingüter in Tirol, Waldungen und Fischrechte im Starnberger See und der Loisach zählte Beuerberg nun zu seinem Besitz.
Die regionale Bedeutung des Stifts Beuerberg zeigt sich in der Einrichtung einer Schule und einer Bibliothek. 1294 und 1330 wurde der Konventbau durch einen Brand zerstört, dem auch Teile der Bibliothek und des Archivs zum Opfer fielen. Im 15. Jahrhundert strahlte die vom Stift Indersdorf ausgehende Ordensreform auf Beuerberg aus. Ziele der Reform waren insbesondere die Wiederbelebung des Ideals strenger Armut und die seelsorgerische Tätigkeit der Kanoniker. Dazu wurden neue Statuten verbindlich festgelegt, die das Stift Beuerberg 1452 annahm. Wie andere Stifte litt auch Beuerberg ab dem späten 15. Jahrhundert am Zerfall der Ordenszucht. Erst unter Propst Leonhard Mochinger (reg. 1527/63) und mit dem Zuzug neuer Chorherren änderte sich die Lage. In dieser Erneuerungszeit der katholischen Kirche entwickelte sich Beuerberg zu einem Musterkonvent. Der Neubeginn manifestierte sich auch in der Gründung eines Studentenkonvikts durch das Stift für die Universität zu Ingolstadt, dem Zentrum der jesuitischen Reformbewegung in Bayern.
Einen Rückschlag erlitt Beuerberg durch Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg. Dennoch entstand zwischen 1629 und 1635 eine neue Stiftskirche. Der frühbarocke Neubau wird Isaak Paader oder Hans Krumpper zugeschrieben. Die Ausstattung schufen namhafte bayerische Künstler wie Ulrich Frank, Elias Greither und Bartholomäus Steinle.
Die Seelsorge bildete bis zur Auflösung des Stifts eine zentrale Tätigkeit der Beuerberger Chorherren. Die Nähe zur bäuerlichen Gemeinde bezeugen die Deckenfresken der um 1643 erbauten ehemaligen Pfarr- und heutigen Friedhofskirche St. Maria mit ihren Darstellungen der Wetterheiligen Johannes und Paulus, der Bauernheiligen Notburga, Wendelin und Isidor sowie der Schutzmantelmadonna.
Das 18. Jahrhundert brachte dem Stift eine neue Blüte. 1710 schloss sich Beuerberg der lateranensischen Kongregation an. Der Propst erhielt die Abtwürde und 1737 auch die Pontifikalien. Ab 1729 entstand ein neues Stiftsgebäude. Nun entwickelte sich Beuerberg zu einem Zentrum der Wissenschaften, insbesondere der historischen Forschung mit einer umfangreichen Bibliothek. Es wurden ein Münz- und ein Naturalienkabinett eingerichtet. Eine meteorologische Station übermittelte täglich ihre Wetterbeobachtungen an die Bayerische Akademie der Wissenschaften nach München.
Der 1801 gewählte letzte Propst von Beuerberg, Paul Hupfauer (1747 - 1808), zugleich Universitätsprofessor und kurfürstlicher Oberbibliothekar, stellte sich 1802 als Bibliothekskommissar in den Dienst der Säkularisation. Die Bayerische Staatsbibliothek und die Ludwig-Maximilians-Universität in München verdanken Hupfauer jeweils Hunderte von wertvollen Bänden aus der Bibliothek des 1803 aufgelösten Beuerberg.
1835 erwarben Salesianerinnen aus Dietramszell das ehemalige Stift. Zwischen 1846 und 1938 waren dort eine Mädchenschule und ein Müttergenesungsheim untergebracht, später betrieb der Orden in Beuerberg ein Erholungsheim für Senioren.

( Stephanie Haberer )
 



 

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