Augsburg, Terziarinnen (St. Martin)


 

GESCHICHTE

Das Martinskloster am Kesselmarkt

Der Ursprung des kleinen Frauenklosters zum hl. Martin lag in einer gleichnamigen Kapelle beim Kesselmarkt. 1070 errichtete Bischof Embrico diese Kapelle am Hafnerberg unweit des Doms auf einem Grundstück des Augsburger Domstifts.
Im Jahr 1263 erwarb die Familie Noteisen, wohl durch Vermittlung des Domherrn Liutpold Noteisen, unmittelbar neben der Martinskapelle den Bauplatz für ein Wohnhaus. Es wurde zum Treffpunkt von Beginen, wohl unter Leitung von Frauen der Familie. 1268 wurde mit bischöflicher Erlaubnis ein direkter Zugang vom Beginenhaus in die Kapelle geschaffen. Damit entstand eine klosterähnliche Gebäudeanlage. Die Seelsorge für die Beginen oblag ursprünglich dem jeweils vom Domstift bestellten Kaplan bei St. Martin.
Nach 1315 lebten die Frauen im Martinshaus nach der Regel des Dritten Ordens der Franziskaner. Als einfache Terziarinnen unterlagen sie nicht der Klausurpflicht, waren also keine Nonnen. Der Konvent stand unter der Leitung einer "Meisterin" ("magistra"). Die Seelsorge übernahmen fortan die Augsburger Franziskaner. Die kleine Gemeinschaft von St. Martin zählte in ihren Reihen auch zahlreiche Schwestern aus dem Adel des Umlands und des Augsburger Patriziats. So sicherten reiche Mitgiften und Schenkungen dieser Familien den Unterhalt des Klosters. Es besaß zudem mehr als ein Dutzend abgabenpflichtiger Bauernhöfe.
Um die Rechtsstellung etlicher Augsburger Frauenklöster, darunter St. Martin, entspann sich im 15. Jahrhundert ein Streit zwischen dem Bischof und dem Rat der Stadt. 1456 erging ein kaiserlicher Schiedsspruch, der auch St. Martin einem vom Rat bestellten Pfleger unterwarf. So gewann die Reichsstadt bereits vor der Reformation die Kontrolle über das Vermögen des Klosters.
Während der Reformationszeit häuften sich die Austritte aus dem Martinskloster. 1534 wurde die Kapelle geschlossen. 1535 errichtete die Stadt im noch belegten Konventgebäude ein Waisenhaus. 1537 verzichtete die Meisterin Magdalena Rehlinger auf ihr Amt. Die alte Kapelle wurde 1538 abgerissen. Doch erst 1546 verließ die letzte Martinsschwester das Kloster. Alle Schwestern erhielten beim Austritt von der Stadt eine Pension auf Lebenszeit.
Das Klostervermögen nutzte die Reichsstadt Augsburg für den Unterhalt des "Blatterhauses", einer besonderen Heilanstalt für Geschlechtskranke.
Das ehemalige Konventgebäude wurde 1548 den katholischen Bürgern der Stadt wieder übergeben. Die Lateinschule bei St. Martin diente zur Vorbereitung auf den Besuch höherer Lehranstalten, wie beispielsweise des Augsburger Jesuitenkollegs St. Salvator.
Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude im barocken Stil umgestaltet. Es diente nach der Auflösung der Schule 1806 dem bayerischen Staat als Sitz für das Rentamt, später wohnten darin Zollbeamte mit ihren Familien. Die Luftangriffe von 1944 löschten sämtliche Spuren von St. Martin aus.



 

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