Aldersbach


 

GESCHICHTE

Kloster Aldersbach und seine berühmte Asamkirche

 

Am Anfang der Ordensgeschichte in Aldersbach steht die Gründung eines Augustinerchorherrenstifts in der Zeit zwischen 1136 und 1139. Bereits im 8. Jahrhundert soll an gleicher Stelle eine Peterskirche gestanden haben. Die Stiftung wurde von regional ansässigen Adligen mit Unterstützung der Bischöfe von Bamberg und Passau veranlasst. Aufgrund älterer Rechte in dieser Gegend übernahm Bischof Otto I. von Bamberg Aldersbach zunächst als Eigenkloster. Schon am 2. Juli 1146 wandelte sein Nachfolger Bischof Egilbert das Chorherrenstift in ein Zisterzienserkloster um. Dahinter standen vermutlich Überlegungen, das Moorgebiet im Tal der Vils von Mönchen des im Landbau erfahrenen Zisterzienserordens kultivieren und wirtschaftlich erschließen zu lassen.

Bereits 1147 unterstellte Papst Eugen III. das Kloster seinem Schutz und gewährte ihm Zehntfreiheit für seinen Besitz. Weitere päpstliche und kaiserliche Privilegien, Rechte und Freiheiten wie die Vogtfreiheit und Unterstellung unter königlichen Schutz erreichten die Äbte Siegfried (reg. 1146–1182) und Eberhard (reg. 1182–1209). Die Reichsunmittelbarkeit erlangte Aldersbach jedoch nicht, vielmehr wurde es im Zuge des Ausbaus der Territorialgewalt der wittelsbachischen Herzöge landsässig. Seine wirtschaftlichen Grundlagen indes konnte das Kloster durch Schenkungen, Tausch und Erwerb von Grundbesitz kontinuierlich ausbauen. Lukrative Einnahmequellen wie der Getreide- und Weinzehnten aus der Wachau sowie der Salzhandel aus Hallein und Privilegien wie die Mautbefreiung für den Transport von Gütern auf Donau, Inn und Salzach festigten seine Stellung.

Durch Schenkungen fielen dem Kloster Patronatsrechte (Vorschlagsrecht für den einzusetzenden Seelsorger) über mehrere Pfarreien zu, darunter bis 1349 in Thaya in Niederösterreich, dann in Schönau bei Eggenfelden, Neuhofen, Nöham, Geiertal bei Viechtach, Rottalmünster und Aldersbach. Seit 1476 durfte das Kloster die Pfarrerstellen sogar selbst besetzen. Daneben wurden im 13. Jahrhundert von Aldersbach ausgehend die Klöster Fürstenfeld (1285), Fürstenzell (1274) und Gotteszell (1285) besiedelt; im 17. Jahrhundert erfolgte dann die Wiederbesiedelung von Kloster Walderbach (1669). Die Blüte des Klosters zeigte sich während des Mittelalters nicht zuletzt in der herausragenden Goldschmiedekunst seiner Mönche sowie in der Anfertigung wertvoller Handschriften und der reichen Ausstattung der Bibliothek.

Zeitweilig getrübt wurden wirtschaftliche und monastische Entwicklung von Aldersbach, durch seine Belegung mit dem Interdikt, nachdem es sich auf die Seite des gebannten Kaisers Ludwig des Bayern (1314–1347) gestellt hatte. Erst nach den Reformkonzilien des 15. Jahrhunderts verbesserte sich die Lage wieder und 1444 erlangte Abt Johann II. Plütl (reg. 1442–1448) das Recht der Pontifikalien. Dennoch war auch Kloster Aldersbach vom allgemeinen Zerfall der Ordenszucht betroffen. Erneuerungsversuche des Abts Wolfgang Marius (reg. 1514–1544), der als humanistischer Dichter und Historiograf in die Geschichte einging, zeitigten keine dauerhafte Wirkung. Abt Bartholomäus Madauer (reg. 1552–1577) musste sogar unter dem Verdacht der Häresie von seinem Amt zurücktreten und das Kloster wurde einem Administrator unterstellt. Der Konvent bestand in dieser Zeit angeblich nur noch aus einem einzigen Mönch.

Im 17. Jahrhundert kam es zu einem neuen geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung, denn im Dreißigjährigen Krieg war das Kloster von Zerstörungen verschont geblieben und hatte vielen Ordensbrüdern als Zuflucht gedient. Die Mitgliederzahlen des Konvents stiegen. Unter Abt Gerard Hörger (reg. 1651–1669) zählte Aldersbach über 600 Anwesen zu seinem Besitz.

Im 18. Jahrhundert wurden die Klosteranlage und die 1207 geweihte gotische Klosterkirche unter dem Patrozinium des Hl. Petrus, der Gottesmutter und des Hl. Johannes des Täufers erneuert. Es entstanden neue Konventgebäude und die um 1720 von den berühmten bayerischen Künstlern Cosmas Damian und Ägid Quirin Asam mit Fresken und Stuck reich ausgestaltete Abteikirche.

Daneben wurden eine Lateinschule (1669–1683) sowie eine philosophische und theologische Hauslehranstalt eingerichtet. Konventmitglieder lehrten auch an der bayerischen Landesuniversität Ingolstadt und dem Gymnasium Burghausen. Mit rund 30 000 Bänden zählte die Klosterbibliothek zu den bedeutendsten in Bayern. Wie die Vielzahl der handgeschriebenen und gedruckten Musikalien berühmter Komponisten im Archiv zeigt, spielte die Musikpflege eine besondere Rolle in Aldersbach.

Die Säkularisation verschonte Aldersbach nicht. Am 21. März 1803 wurde das Kloster aufgehoben, sein Besitz der kurfürstlichen Verwaltung unterstellt und anschließend versteigert oder in staatliches Eigentum überführt. Pretiosen, Bargeld und kostbare mittelalterliche Handschriften gelangten in Münchner Sammlungen. Bereits 1802 waren zur Feststellung der Klostervermögen landesweit Inventare angelegt worden. Jetzt wurde der Gesamtwert der Klostergebäude auf über 45.000 Gulden veranschlagt, 1804 aber für eine Summe von nur 21 450 an den Privatunternehmer Johann Georg Koller aus Passau versteigert. Später erwarben die Freiherren von Aretin den Besitz. Die Abteikirche wurde ab 1806 als Pfarrkirche genutzt.

Der Versuch im Jahre 1904 das Kloster auf Betreiben der Missionsbenediktiner von St. Ottilien wieder zu besiedeln scheiterte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster als Kriegsgefangenenlager und nach dem Krieg als Flüchtlingslager gebraucht. Danach zerfiel der Komplex. Erst in den 1970er-Jahren entstanden verschiedene Planungen zur Errichtung kultureller Einrichtungen. 1983 ging das Kloster in den Besitz des neugegründeten „Fördervereins Kloster Aldersbach e.V.“ über, der mit finanziellen Mitteln der öffentlichen Hand die Restaurierung betrieb. 1987 konnte eine Bildungsstätte eröffnet werden. Die Wiederbesiedlung durch Mönche des Zisterzienserordens war jedoch nicht erfolgreich. 1991 wurde vom niederösterreichischen Zisterzienserstift Zwettl ausgehend in Aldersbach eine Gemeinschaft von Oblaten (Mönche mit einfachen Gelübden, die in ihrem bisherigen Stand verbleiben) gegründet. Die Restaurierungsarbeiten an den Gebäuden sind gegenwärtig noch nicht abgeschlossen.

 

Stephanie Haberer

 



 

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AUS DEM HDBG-BILDARCHIV
Gesamtansicht der Klosteranlage Aldersbach, Ölgemälde, 18. Jh., Aldersbach, St. Maria/Pfarr- und Klosterkirche, Sakristei.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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