Diakonie-Gemeinschaft (ev)


 

GESCHICHTE

Puschendorf, Diakonie-Gemeinschaft

Der Landeskirchliche Gemeinschaftsverband Bayern (LKG) eröffnete ein Jahr nach seiner Gründung 1925 in Schloss Jägersburg bei Forchheim eine neue Ausbildungsstätte für Diakonissen. Die aufgenommenen Frauen verpflichteten sich zu einem Leben in einer verbindlichen Gemeinschaft mit gemeinsamen Gebetszeiten und den Geboten der Ehe- und Besitzlosigkeit und des Gehorsams. Sie arbeiteten nach dem Abschluss ihrer Schulung in der Seelsorge der evangelischen Gemeinden, in der häuslichen Krankenpflege und im Freizeitheim des Schlosses, das 1930 vom Verband käuflich erworben wurde. 1939 beschlagnahmte das NS-Regime das Anwesen, um darin Flüchtlinge unterzubringen. Die Diakonissen bewohnten ab diesem Zeitpunkt nur noch einen Seitenflügel. Da die Enteignung drohte, verkaufte der Verband das Schloss im Jahr 1943. Nach Zwischenstationen in Oberachtel (Lkr. Nürnberger Land) und Ansbach fand das Mutterhaus der Diakonie-Gemeinschaft 1949 in einem Erholungsheim in Puschendorf bei Fürth eine neue Heimat. Die Frauen übernahmen in ihrem neuen Wirkungskreis neben der Gästebetreuung in ihrem Haus auch Aufgaben in der Alten- und Krankenpflege, der Kindererziehung und Seelsorge. Von 1956 bis 1985 führten sie ein kleines Seniorenheim in Nürnberg-Erlenstegen. In Puschendorf eröffnete die Gemeinschaft 1966 ein neu erbautes Altenpflegeheim, das nach Rektor Heinrich Heinel (Amtszeit 1945-1965) benannt wurde. Zwei Jahre später wurde mit Beteiligung der Landeskirche im Ort eine große Konferenzhalle errichtet, die als Begegnungszentrum der evangelischen Verbände und als Tagungsort diente. Zu dieser Zeit waren 80 bis 90 Schwestern auf Außenstationen in ganz Bayern eingesetzt, deren Löhne flossen in die Gemeinschaftskasse. Bedingt durch die Fülle an neuen Aufgaben wurde 1969 eine Dienstbruderschaft mit anfangs 26 Männern und Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen gegründet, die sich der Gemeinschaft verpflichteten. Ein neuer Mutterhauskomplex mit Verwaltung, Schülerinnen- und Schwesternhaus wurde 1973 eingeweiht. 1983 wurde die Anlage durch ein Mehrzweckgebäude und eine Buchhandlung erweitert. In den letzten Jahrzehnten entwickelte man ein reichhaltiges Seminarangebot, das Meditation, Bibelschule, Musik-, Kunst- und Literaturkurse, Wandern auf dem Jakobsweg in Franken und Freizeitaktivitäten für alle Bevölkerungsschichten (Frauentage, Familienaufstellung, Großelterntraining, Girls-Day) beinhaltet. Zu den Arbeitsgebieten der Schwestern in Puschendorf gehört auch die Unterstützung von Aussiedlern, Flüchtlingen aus dem Kosovo während des Jugoslawienkriegs sowie von thailändischen Frauen, die hier verheiratet sind. Außerdem engagiert sich die Diakonie-Gemeinschaft seit Anfang der 1970er-Jahre in zahlreichen sozial-missionarischen Projekten im Ausland: unter anderem in Chile im Aufbau und Leitung eines Kinderheims (1970-1982), in der Schulung und ärztlichen Betreuung der Mapuchen-Indianer (1980-2014) und der Leitung eines Altenheims (1977-2014) in Temuco, in Russland in der Kinder- und Krankenpflege und bis in die Gegenwart in der Rumänienhilfe. Die Schwestern unterstützten den Aufbau evangelischer Gemeinden in der Slowakei, wirkten als Missionarinnen in Haiti und Brasilien und halfen beim Aufbau einer theologischen Universität in Yaounde/Kamerun.
2010 gehörten noch 54 Mitglieder zur Gemeinschaft. Bei der Bewältigung der vielfältigen Einsatzgebiete hilft neben der Dienstbruderschaft (2010: 54 Personen) seit 2011 auch ein Netzwerk von Frauen, die keine Diakonissen sind, sich aber der Schwesternschaft verbindlich angegliedert haben. Seit 2012 sind auch Jugendliche engagiert, die hier ein freiwilliges soziales Jahr ableisten. Heute (2017) befinden sich die Mehrzahl der Puschendorfer Diakonissen bereits im Ruhestand.
(Christine Riedl-Valder)

Link:
https://www.diakonie-puschendorf.org/



 

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