München, Provinzialat der Redemptoristen


 

GESCHICHTE

München, Provinzialat der Redemptoristen – Verkündigung und Seelsorge

 Der 1732 von dem Neapolitaner Alfons von Liguori gegründete Orden konnte erst dauerhaft in Deutschland Fuß fassen, als König Ludwig I. die österreichischen Redemptoristen 1841 als Seelsorger an die Marienwallfahrt nach Altötting (Kapuzinerkloster St. Magdalena) berief.

1852 gab es bereits sieben Klöster in Bayern und im Rheinland mit über 100 Mitgliedern. Zwei Jahre später kam es dann zur Gründung einer von Österreich unabhängigen deutschen Provinz, die sich 1859 in die „Oberdeutsche (später Münchner) Provinz“ und die „Niederdeutsche (später Kölner) Provinz“ teilte. Erstere umfasste neben Altötting noch Niederlassungen in Vilsbiburg, Gars am Inn, Fuchsmühl (bei Waldsassen), Niederachdorf (bei Regensburg), Bachham (Lkr. Mühldorf), Dorfen (Lkr. Erding) und Fährbrück (bei Würzburg). Im Zuge des Kulturkampfes mussten die Redemptoristen 1873 Deutschland verlassen; die süddeutschen Ordensleute wichen nach Österreich aus, die norddeutschen nach Holland und Belgien. 1894 kehrte die Kongregation ins Deutsche Reich zurück. In Bayern gründete sie neue Klöster unter anderem in Deggendorf, Halbmeile und Cham. Die Redemptoristen leisteten in den darauffolgenden Jahrzehnten vor allem durch Volksmissionen und Exerzitien einen wertvollen Beitrag: Mithilfe pastoraler Veranstaltungen wie Gottesdiensten, Vorträgen, Gesprächsrunden förderten sie in den einzelnen Pfarreien die intensive Auseinandersetzung mit dem Glauben. In der Münchner Provinz arbeiteten die Patres in diesem Bereich eng mit dem weiblichen Zweig des Ordens zusammen. Missionskreuze und das Marienbild der „Mutter von der Immerwährenden Hilfe“ erinnern noch heute in vielen Kirchen Bayerns an ihr Wirken.

Der Sitz der Provinzleitung befand sich bis 1932 in Gars am Inn und wurde dann nach München verlegt, wo die Patres seit 1928 eine Niederlassung an der Kaulbachstraße unterhielten. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die meisten Klöster der Redemptoristen aufgehoben. Einzelne Patres, die sich öffentlich gegen das Regime wandten, erhielten Predigtverbot oder wurden in Haft genommen, viele junge ließen ihr Leben auf den Schlachtfeldern. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Orden in Deutschland wiederum einen großen Aufschwung, auch bedingt durch die große Anzahl heimatvertriebener Redemptoristen aus dem Osten, die sich den deutschen Provinzen anschlossen. Unter Provinzial Simon Scherzl (Amtszeit 1947–1959), der sich intensiv um eine Erneuerung der Volksmission bemühte, entstanden Klöster in Würzburg, Ingolstadt und Riedlingen an der Donau, Internate in Forchheim, Ingolstadt, Riedlingen und Bickesheim. 1950 entwarf der Münchener Architekt Friedrich Ferdinand Haindl (1910–2002) anstelle der im Krieg zerstörten Kirche einen neuen schlichten Gottesdienstraum, der dem „heiligsten Erlöser“ (Redemptor) geweiht wurde. Die Redemptoristen der Münchner Provinz begleiten als Seelsorger die Laiengemeinschaft „Alfons Liguori Freundeskreis“. 1954 übernahm die Münchner Provinz eine Mission auf der japanischen Insel Kiushu mit Sitz in Kagoshima. Der nachfolgende Provinzial P. Gerhard Mittermeier (Amtszeit 1959–1975) erschloss dem Orden neue Arbeitsgebiete in der Betriebs-, Militär- und Krankenhausseelsorge und bei sozial benachteiligten Menschen im Münchner Stadtteil Hasenbergl. 1982 gehörten zur Münchner Provinz 185 Mitglieder in zwölf Klöstern, die sich aufgrund fehlenden Nachwuchses in den folgenden Jahrzehnten jedoch deutlich reduzierten. 2015 wurden die ehemaligen Provinzen Wien und München zu einer neuen Provinz Wien-München mit Sitz in München zusammengeführt. Zu ihr gehören insgesamt elf Niederlassungen, von denen sich vier in Bayern befinden: neben München noch Cham, Gars am Inn und Würzburg. Bis 2013 bestand in Forchheim ein Noviziat. Seit seiner Schließung ist im deutschsprachigen Raum allein das Würzburger Kloster für die Ausbildung der Redemptoristen zuständig.

 

 

 

(Christine Riedl-Valder)

 

 

 

Link:

http://www.redemptoristen.com/index.php?id=muenchen0



 

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