München, Kapuzinerkloster St. Anton


 

GESCHICHTE

München, Kapuzinerkloster St. Anton an der Schmerzhaften Kapelle – Volksnahe Seelsorge

 

Nachdem das alte Kapuzinerkloster am Lenbachplatz 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst worden war (München, Kapuziner), erfolgte 1845 unter König Ludwig I. die Wiederansiedlung des Ordens in der Landeshauptstadt. Urban Zaches, ein ehemaliger Kapuziner und Benefiziat von St. Peter, bewerkstelligte die Übertragung der Wallfahrt zur Schmerzhaften Kapelle an den Orden. Die Brüder erhielten ein Grundstück gegenüber dem Alten Südfriedhof neben dem 1702 errichteten Rundbau der Schmerzhaften Kapelle. Am 24. August 1846 wurde der Grundstein zur Vierflügelanlage des neuen Klosters gelegt, die hier bis 1856 entstand. Dabei wurde die vorhandene Kapelle in den Ostteil einbezogen und vergrößert. Die Rotunde diente fortan als Altarraum, an das sich ein neues Langhaus im Nordflügel der Anlage anschloss. Anstelle der einstigen Klausner- und Mesnerwohnung entstand hinter dem Hochaltar der Kapuzinerchor (die jetzige Sakristei). Am 3. Oktober 1847 vollzog Erzbischof Graf Karl August von Reisach die Einweihung der Klosterkirche zu Ehren der „Schmerzhaften Muttergottes“. Da die Kapuziner auch die Seelsorge für die Bevölkerung der Umgebung übernommen hatten, erwies sich die Klosterkirche bald als zu klein. Denn die Einwohnerzahl Münchens hatte sich innerhalb von vier Jahrzehnten mehr als verdreifacht und in der Nachbarschaft der Kapuziner waren viele Katholiken zugezogen. Daher wurde unter Guardian Linus Mörner von 1893 bis 1895 westlich des Klosters eine dreischiffige, neuromanische Basilika in den geräumigen Ausmaßen von 60 Meter Länge und 24 Meter Breite errichtet. Den Bau konnten die Kapuziner vollständig aus Spenden finanzieren. Als Patrone des neuen Gotteshauses wählte man den Ordensheiligen Antonius von Padua und den hl. Laurentius von Brindisi, der als Ordensgeneral die Kapuziner in München eingeführt hatte. Der Münchner Erzbischof Antonius von Thoma stiftete das Hochaltarbild mit einer Darstellung des hl. Antonius als Wundertäter und Fürbitter, geschaffen von dem Wiener Historienmaler Josef Kastner (1844–1923). Großformatige Gemälde mit Szenen aus dem Leben der beiden Kirchenpatrone, ebenfalls von Kastner geschaffen, schmückten nach dem Vorbild der Münchner Bonifatius-Basilika die Wände des Hochschiffs.

Ihre Blütezeit erlebten die Kapuziner im Münchner Süden gegen Ende des ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Damals gehörte St. Anton zu den größten Kapuzinerklöstern in Bayern. Der großen sozialen Not jener Zeit suchte P. Petrus Eder, der Leiter der Terziarengemeinde St. Anton, ab 1902 mit Maßnahmen zur Krankenfürsorge zu begegnen. Er gründete 1912 eine Schwesternschaft des III. Ordens, die ein Gelände in Nymphenburg erwarb und dort das Krankenhaus des Dritten Ordens mit Schwesternschule errichtete. Die Kapuziner übernahmen die geistliche Leitung der Schwestern (bis heute) und die seelsorgerische Betreuung der Kranken (bis 2012). Nach dem Ersten Weltkrieg umfasste der Konvent rund 70 Brüder. Sie betrieben in ihrem Anwesen unter anderem eine Schlosserei, eine Gärtnerei und eine Schweinezucht. 1936 wurde aus Gebieten der Pfarreien St. Peter und St. Maximilian die Pfarrei St. Anton gegründet. Die Patres übernahmen auch die Leitung und vielfältige Aufgaben in St. Peter und St. Maximilian. Zu ihren Pflichten gehörten die Gefängnisseelsorge, unter anderem in der Haftanstalt in Stadelheim, und die Armenspeisung. Außerordentlich beliebt bei den Gläubigen waren die volksnahen Predigten der Kapuziner.

1942 beschlagnahmte die Wehrmacht einen Teil des Anwesens. Brandbomben verursachten am 3. Oktober 1943 große Schäden an der Kirche St. Anton und am Kloster. Von 1945 bis 1954 teilten sich die Kapuziner die Schmerzhafte Kapelle mit der ukrainischen Gemeinde, die hier ihre Gottesdienste nach byzantinischem Ritus feierte. Ab 1944 waren nämlich viele Ukrainer in einem Arbeitslager auf dem Firmengelände der optischen Werke Rodenstock untergebracht gewesen.

Eine einschneidende Veränderung für St. Anton brachte der Umbau im Jahr 1966. Auf der Grundlage der Liturgiereform, hervorgegangen aus dem II. Vatikanischen Konzil, wurden die als nicht mehr zeitgemäß empfundenen Gemälde und große Teile der Inneneinrichtung entfernt. Das Apsisgemälde musste neuen Fenstern mit farbigen Glasmalereien weichen.

Der Münchner Kirchenarchitekt Michael Steinbrecher schuf einen lichten, weitgehend entleerten Innenraum in franziskanischer Schlichtheit, in dem das Kreuz, der Altar und der Tabernakel aus Bronze, gefertigt von dem Rosenheimer Künstlers Josef Hamberger, eine beherrschende Stellung einnahmen. Die Weihe des neuen Volksaltars nahm Julius Kardinal Döpfner am 5. November 1967 vor. Der radikale „Kahlschlag“ wurde 1983/84 teilweise zurückgenommen, indem man anlässlich einer Außen- und Innenrenovierung an Wänden und Gewölben farbige Bändermalereien anbrachte, die die früher vorhandene Ausmalung der Kirche andeuteten, und in den Seitennischen einige der Gemälden der einstigen Seitenaltäre.wieder aufstellte. Zum 75-Jahr-Jubiläum der Pfarrei 2011 wurden die einstigen Wandmalereien des Hauptschiffs, auf großflächige Stoffbahnen gedruckt, an den Seitenwänden befestigt.

Während zur Pfarrei St. Anton nach dem Zweiten Weltkrieg etwa 12000 Mitglieder gehörten, zählte die Gemeinde um 2008 nur mehr rund 3000 Katholiken. Da auch die Anzahl der Brüder beständig abnahm, mussten die Kapuziner eine neue Nutzung ihrer großen Niederlassung ins Auge fassen. In den Jahren 2006 bis 2009 wurden die Klostergebäude grundlegend umgebaut. Dabei hat man den Kuppelbau der Schmerzhaften Kapelle wieder von der restlichen Anlage abgetrennt und als modernen Gebetsraum für die Patres und die Gläubigen neu gestaltet. Dessen Einweihung unter dem Patronat „Mariä Sieben Schmerzen“ vollzog Erzbischof Reinhard Marx am 22. März 2009. Im ehemaligen Langhaus wurde das Fernsehstudio des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) der Journalistenschule der Deutschen Bischofskonferenz eingerichtet. Die Ausbildungsstätte hat seitdem ihren Sitz in der Vierflügelanlage des Klosters. Auch die Pfarrei St. Anton bekam in dem renovierten Komplex neue Gemeinderäume. Die Kapuziner dagegen bauten das benachbarte Pfarrhaus an der Isartalstraße 4 als Niederlassung ihres Ordens aus. Gleichzeitig verlegten sie ihr Provinzialat von St. Joseph in Schwabing nach St. Anton in die Isarvorstadt. 

 

(Christine Riedl-Valder)

 

Link: 

http://www.kapuziner.de/standorte/muenchen/geschichte.html



 

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