Dachau, Karmeliterinnenkloster Heilig Blut


 

GESCHICHTE

 

Dachau, Karmeliterinnenkloster Heilig Blut – Sühnekloster am Konzentrationslager

 

 

 

Der Münchner Weihbischof Johannes Neuhäusler (gest. 1973), der in der NS-Zeit selbst mehrere Jahre im Konzentrationslager war, regte die Klostergründung in Dachau an. In der dortigen Klosterkapelle hat er auch seine letzte Ruhestätte gefunden. Der Anstoß zur Realisierung des Vorhabens kam von der Priorin Maria Theresia Vorbach (1911‒1970) aus dem Kloster der unbeschuhten Karmeliterinnen Beuel-Pützchen bei Bonn, die sich mit einer Gruppe von Schwestern an dieser grauenvollen Stätte ganz in den Dienst der Versöhnung stellen wollte. Mit der Wahl dieses Ortes, der für Hass, Gewalt und Tod steht, wollte die Niederlassung ein Zeichen des Mitleidens setzen für die über 200000 Menschen aus 38 Nationen, die in Dachau inhaftiert waren. 41500 von ihnen wurden ermordet.

 

Zusammen mit einigen Nonnen zog Mutter Theresia 1963 zunächst in die Baracken auf dem früheren KZ-Gelände ein. Die Schwestern halfen beim Bau des Sühneklosters mit. Am 28. April 1963 legte Weihbischof Johannes Neuhäusler den Grundstein. Die Planung lag in den Händen des Münchner Architekten Josef Wiedemann, der schon die Todesangst-Christi-Kapelle auf dem Gelände entworfen hatte. Er wählte für das Sühnekloster einen kreuzförmigen Grundriss und einstöckige Gebäude, die an die Lagerarchitektur erinnern. Der Längsbalken des Kreuzes, auf dem die Klosterkirche liegt, stellt die Verlängerung der ehemaligen KZ-Lagerstraße dar. Der Kreuzgang symbolisiert das Haupt, Kapelle und Chor, in dem sich das Schwesternoratorium und die Heilig-Blut-Reliquie befinden, den Leib, der Altar mit dem Tabernakel das Herz Christi. An der Querachse des Kreuzes sind 21 Einzelzellen der Schwestern als kleine Hütten mit Giebeldächern aneinander gereiht. Ihre Fenster sind nach Süden in Richtung des ehemaligen KZ-Geländes gerichtet. Pforte und Pfarrhaus bilden quasi die Füße des Leibs, die die Lagermauer berühren. Der Zugang zum Klosterbereich verläuft durch einen Wachturm der ehemaligen Lagerbefestigung.

 

Eine der drei Glocken stammt aus dem ehemaligen Münchner NS-Gefängnis Stadelheim. Sie wurde einst zur Hinrichtung der Verurteilten geläutet. Zur Ausstattung gehört auch die „Madonna von Dachau“, eine Stiftung der Salvatorianer für die Priesterbaracke im ehemaligen Konzentrationslager. Die Madonnenfigur stammt ursprünglich aus dem 1943 von den Nationalsozialisten aufgelösten Kloster in Breslau. Das Herzstück des ehemaligen Altars aus der Priesterbaracke wurde in den Altar der Klosterkirche integriert. Kloster und Kirche wurden am 22. November 1964 von Kardinal Julius Döpfner und Weihbischof Johannes Neuhäusler geweiht. Die Niederlassung zählt damit zu den jüngsten Klostergründungen in Deutschland.

 

Die Kommunität umfasst gemäß der Ordensregel des Karmel 21 Schwestern, unter ihnen 16 Schwestern mit ewiger Profess, drei Novizinnen und zwei Postulantinnen. Die Schwestern leben in strenger Klausur und sehen ihre Aufgabe vor allem im Gebet, das helfen soll, vergangenes und gegenwärtiges Leid zu bewältigen. Sie nehmen auch Gebetsanliegen entgegen und bieten Aussprache bei seelischen Nöten. Neben ihrem kontemplativen Leben engagieren sich die Nonnen auch in der klostereigenen Töpferei, Paramentenstickerei, Ikonenmalerei, Schneiderei, Kerzen- und Emailwerkstatt, aus deren Erträgen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Mit Obst- und Gemüseanbau sowie Fischzucht sind sie weitgehende Selbstversorger.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Ordensgemeinschaften hat der Karmel Heilig Blut keine Nachwuchssorgen. 1982 wurde die Filiale „Maria Regina Martyrum“ in Berlin nahe der ehemaligen Hinrichtungsstätte Plötzensee gegründet.

 

(Christine Riedl-Valder)

 

 

 

Link:

 

http://kirchenundkapellen.de/kirchen/dah-karmel.php (Hans Schertl)

 

http://www.gedenkstaettenseelsorge.de/files/Karmel.pdf

 

http://www.orden-online.de/wissen/h/heilig-blut/

 



 

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