Rosenheim


 

GESCHICHTE

 

Rosenheim, Kapuzinerkloster – beliebte Beichtväter und Prediger

 

 

 

Herzog Maximilian I. (1597–1651) war sehr daran gelegen, in der so genannten Gegenreformation den katholischen Glauben in seinem Land wieder zu bestärken. In München ließ er im Jahr 1600 das erste Kapuzinerkloster auf bayerischem Boden erbauen. Als der Regent 1604 in Rosenheim weilte, nahm er bei dem wohlhabenden Bürger Martin Papin Quartier. Bei diesem Aufenthalts reifte der Plan, in der Stadt ebenfalls ein Kapuzinerkloster zu begründen. Papin, der keine Nachkommen hatte, erklärte sich bereit, die Ansiedlung mit seinem Vermögen zu unterstützen. Bereits im folgenden Jahr zogen 13 Kapuziner bei ihm ein, die bis zur Fertigstellung ihres Klosters bei ihm wohnten. Der Bau wurde hinter dem alten Friedhof außerhalb der Stadtmauern auf dem Gebiet der späteren Saline errichtet. Am 7. Mai 1606, dem Sonntag nach Christi Himmelfahrt, wurde nach einer Messe und Predigt in der Pfarrkirche im Beisein einer großen Menge von Gläubigen durch den Abt des nahe gelegenen Benediktinerklosters Rott feierlich der Grundstein gelegt. Das erforderliche Baumaterial spendeten Herzog Maximilian I., die umliegenden Gemeinden Rosenheim, Aibling und Neubeuern sowie die Klöster Rott, Attel und St. Emmeram in Regensburg. Der Stifter Martin Papin sollte die Fertigstellung des Klosters nicht mehr erleben; er starb am 3. Januar 1607 und vermachte sein gesamtes Vermögen der Gründung. Mit einem glanzvollen Fest erfolgte am 14. Oktober 1607 im Beisein von Herzog Maximilian I. und seiner Frau Elisabeth die Konsekration des Gotteshauses durch Weihbischof Bartholomäus Scholl von Freising. Der Namenspatronin der Kurfürstin, der hl. Elisabeth, wurde der Hochaltar geweiht, die Seitenaltäre hatten das Patrozinium der Ordensheiligen Antonius von Padua und Felix von Catalice. Die Kapelle war der Muttergottes gewidmet. Die neue Niederlassung umfasste 27 Zellen, vier Gastzimmer und bot Platz zur Unterbringung von Bedürftigen. Im Durchschnitt lebten hier in der Folgezeit rund 30 Patres, die als Prediger, Beichtväter und Betreuer von Kranken, Sterbenden und Gefangenen wirkten. Besonders aufopferungsvoll war ihr Einsatz zu den Pestzeiten in den Jahren 1634, 1686 und 1704. Sie veranstalteten auch Prozessionen zur Fastenzeit und am Schutzengelfest und unterwiesen die Kinder in der Christenlehre. Schnell wurde das Kloster zu einem religiösen Mittelpunkt für die ganze Region. Pater Michael Angelus, ein ehemaliger Prämonstratenser aus Steingaden, war 1602 zu den Kapuzinern gewechselt und führte in Rosenheim 1607 die Corpus-Christi-Bruderschaft ein, was die Verehrung der Eucharistie durch das Volk besonders beförderte. Die Predigten und Gottesdienste der Kapuziner waren so gut besucht, dass die Kirche oft zu klein erschien. Viele Pfarreien im Umland baten die Kapuziner bei kirchlichen Festen als Prediger und Beichtväter tätig zu sein. Die Einkünfte des Klosters kamen den Ordensregeln gemäß aus Almosen, Sammlungen und Messstiftungen.

 

Mehrmals gelang es den Kapuzinern, durch ihre Vermittlerdienste viel Unheil von der Stadt abzuwenden. Als sich im Dreißigjährigen Krieg kaiserliche Truppen und Verbündete bei Bauern in der Gegend einquartieren wollten, weigerten sich diese mit Waffengewalt. Ohne das beherzte Einschreiten des Pfarrpredigers Pater Rochus wäre es zu Blutvergießen gekommen. Gegen Ende des Kriegs fielen zwei schwedische Reiterhaufen plündern und mordend in Rosenheim ein. Die Patres Narzissus und Franz eilten damals nach Mühldorf in das schwedische Hauptquartier und erbaten sich von General Wrangel einen Schutzbrief, der die Stadt Rosenheim und das Kloster vor weiteren Verwüstungen verschonte.

 

Im Spanischen Erbfolgekrieg erfuhr Pater Elzear bei seiner Reise an den Chiemsee am 19. Juli 1704 zufällig von der Gefahr heranrückender Truppen. Daraufhin eilte er nach Rosenheim zurück, informierte die Bürgerschaft, die dadurch genügend Zeit hatte, die Innbrücke abzubrechen und sich zur Gegenwehr zu rüsten. So blieb man von der Zerstörung durch österreichische Truppen und Tiroler Bauern verschont. Im Österreichischen Erbfolgekrieg konnte Pater Romedius 1740 den Hauptmann von Schlangen dazu bewegen, von einer geplanten Einäscherung Rosenheims abzusehen.

 

Die bayerische Kapuzinerprovinz richtete in Rosenheim bald ihr Noviziat ein; im 18. Jahrhundert kamen Räume für acht Studenten der Philosophie und Theologie dazu. Als in der Nacht vom 13. August 1749 das Kloster der Kapuziner vollständig abbrannte, halfen die Bürger von Rosenheim so tatkräftig, dass das Gebäude nach drei Jahren wieder bezogen werden konnte.

 

1802 begann die kurfürstliche Spezialkommission mit der Aufhebung der Klöster in Bayern. Die Einkünfte der Rosenheimer Kapuziner wurden eingezogen und den Patres unter anderem die Aufnahme von Novizen und das Predigen verboten. Man legte ihnen nahe, den Orden zu verlassen und zukünftig als Weltpriester in der Seelsorge tätig zu sein. Im Kloster wurde zunächst eine Zentrale für Ordensleute eingerichtet, die nicht austreten wollten. Zusammen mit den Münchner Kapuzinern lebten im Sommer 1803 rund 50 Personen in dem kleinen Bau. Zum 1. November 1803 mussten alle Mönche in andere Niederlassungen umsiedeln. Nach der Versteigerung des Inventars kam es zum Verkauf der Gebäude, die dann aber wieder an den Staat zurückfielen und einer neuen Salinenanlage Platz machen mussten. Die beim Abbruch ausgegrabenen Totengebeine hat man bei der Sebastianskapelle beigesetzt.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts kehrten die Kapuziner nach Rosenheim zurück. 1856 konnten sie ihr neues Kloster an der Sebastianskirche beziehen. Seit dieser Zeit engagiert sich der Orden wieder zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 

 

 

Link:

 

http://www.kapuziner.org/dprov/orte/rosenheim/Geschichte.php

 



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen