St. Wolfgang


 

GESCHICHTE

 

St. Wolfgang, Kollegiatstift

 

 

 

St. Wolfgang entstand der Legende nach durch den heiligen Bischof Wolfgang von Regensburg, der sich um das Jahr 975 hier im Goldachtal an einer Quelle niedergelassen haben soll. Im 15. Jahrhundert blühte die Wallfahrt zum „Wolfgangsbrünnlein“ auf. 1430 wurde der Grundstein für eine Kapelle gelegt. Ritter Sigmund von Fraunberg, dessen Geschlecht seit Mitte des 13. Jahrhunderts über diese Region herrschte, die zu seiner Grafschaft Haag gehörte, erneuerte die Brunnenkapelle ab 1460 in größeren Ausmaßen. Die Wallfahrtskirche wurde 1484 geweiht. Gleichzeitig beabsichtigte Sigmund von Fraunberg, an dieser Kirche ein Kollegiatstift zu errichten. Er erhielt für sein Vorhaben zwar die Erlaubnis von Papst Sixtus IV., scheiterte aber am Widerstand des Kollegiatstifts Isen, dem die Kirche inkorporiert war. Auch der Freisinger Fürstbischof Sixtus von Tannberg wandte sich gegen den Plan, den 250 Jahre später der wohlhabende Pfarrer Kaspar Fiechtner von Schwindau wieder aufgriff. Er ließ von Hofbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer bis 1737 eine Propstei errichten und finanzierte sechs Pfründen für Chorherren. 1739 stiftete er zwei weitere Kanonikerstellen; ab 1774 wurden vier Posten für Domizellare, die nicht geweiht sein mussten, geschaffen.

 

Das Kollegiatstift St. Wolfgang wurde auch von den Wittelsbachern gefördert. Kurfürst Karl Albrecht erhob den Ort 1733 zusammen mit Großschwindau zur geschlossenen Hofmark. Er überreichte dem Stift 1734 die Statuten. Diese wurden 1738 vom Kapitel ergänzt und von dem Freisinger Kardinal Johann Theodor von Bayern genehmigt. Papst Clemens XII. bestätigte die Einrichtung 1737. Der Propst erhielt sogar das Recht, die bischöflichen Insignien zu tragen. Er musste ein Kaplan der Georgiritter sein und bezog 400 Gulden jährlich. Er stand dem Kapitel vor und hatte Sitz und Stimme in diesem Gremium, war aber nicht verpflichtet, am Ort zu wohnen. Der Dekan, der auf Vorschlag des Kapitels abwechselnd vom Kurfürsten und vom Fürstbischof ernannt wurde, leitete die Propstei und verwaltete die Pfarrei. Für diesen Posten kamen nur Geistliche von Adel oder mit akademischen Würden in Betracht. Der Dekan bezog 600 Gulden jährlich. Aufgabe der Kanoniker war die Seelsorge in den inkorporierten Pfarreien Schwindau, Moosen, Rechtmehring, Grüntegernbach, Kirchdorf, Taufkirchen in der Diözese Regensburg sowie Oberbergkirchen in der Diözese Salzburg. Sie erhielten eine jährliche Zahlung von 300 Gulden sowie Naturalien. Die Kleidung der Kanoniker bestand aus einem schwarzen Talar, dem Chorrock, dem Schultermantel aus Eichhörnchenfell und dem Stiftsabzeichen, einem sechszackigen Stern mit dem Monogramm SW (Sanctus Wolfgangus) und einem angehängten „Wolfgangshackl“ (der Legende nach hatte der hl. Wolfgang im Salzkammergut mit einem Beilwurf den Standort zum Bau einer Kirche bestimmt).

 

Das Kollegiatstift bestand bis zur Säkularisation 1803. Anschließend nutzte man die Stiftskirche St. Wolfgang für die Pfarrei und das Propsteigebäude als Pfarrhof und Schule. Nach grundlegender Renovierung im Jahr 2005 beherbergt das ehemalige Stift heute das Rathaus. Die Wallfahrtskirche St. Wolfgang gilt als eine der bedeutendsten spätgotischen Backsteinbauten Altbayerns. Sie besitzt neben dem Gnadenbild, einer Figur des hl. Wolfgang (um 1480), wertvolle spätgotische Bildwerke aus dem Landshuter Kunstkreis. Unter dem Rokoko-Altar in der alten Brunnenkapelle sprudelt noch heute die Wolfgangsquelle.

 

 

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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