Vornbach


 

GESCHICHTE
Vornbach ? eine Stätte benediktinischer Gelehrsamkeit

Ab dem 10. Jahrhundert begannen die Landesherren, am Inn entlang Klöster und Stifte zu errichten. Vornbach liegt auf der bayerischen Seite des Flusses, nur wenige Kilometer von der Einmündung in die Donau in Passau entfernt. Um seine Entstehung rankt sich eine Legende: Zum Dank für die Heilung von einem Augenleiden soll die Grafentochter Himiltrudis um das Jahr 1040 ein Kloster bei der Wallfahrtskapelle ?Maria am Sand? gestiftet haben.

1094 wurde die Stiftung von Graf Ekbert I. und seiner Familie mit Gütern ausgestattet und von Benediktinern aus Göttweig besiedelt. Um 1125 zogen die Grafen von Vornbach (auch: Formbach) in das wenige Kilometer flussabwärts gelegene Neuburg am Inn. An der Stelle der aufgelassenen Burg in Vornbach entstand eine neue Klosteranlage für den schon bestehenden Konvent der Benediktiner. Der zweite Abt Wirnto begann mit dem Bau einer großen Basilika mit Doppelturmfassade.

Die wichtigsten Besitzungen der Abtei lagen südlich von Wien und in der Steiermark. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum Ende des Mittelalters bestand im Kloster Vornbach eine ruhmreiche Schreibschule, die enge Beziehungen zu Salzburg pflegte. Eine reich illustrierte Bibel aus dem Jahr 1421, die in Vornbach entstand, befindet sich heute in der Staatlichen Bibliothek Passau. Weitere Handschriften aus dem Kloster besitzt das Hauptstaatsarchiv München. Auch auf dem Gebiet der Kirchenmusik zeigten die Mönche besondere Leistungen. Abt Konrad Peißer (reg. 1387?1410) war ein großer Kenner des Kirchenrechts und wurde deshalb vom Papst als oberster geistlicher Richter für ganz Deutschland bestellt. Zur Anerkennung erhielt er für sich und seine Nachfolger das Recht der Pontifikalien.

Einer der bedeutendsten Äbte von Vornbach wurde Angelus Rumpler (reg. 1501?1513), ein vom Humanismus geprägter Gelehrter, bekannt vor allem als Geschichtsschreiber. Er verfasste in ausgezeichnetem Latein die Geschichte seines Klosters und sechs Werke zur bayerischen Landesgeschichte. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte auch das Kloster Vornbach seinen Stillstand und teilweisen Verfall.

Unter Abt Benedikt Heppauer (reg. 1624?1645) kamen wieder bessere Zeiten. Von 1630 bis 1637 errichtete Abt Heppauer auf den mittelalterlichen Mauern und unter Verwendung des alten Turmpaares eine neue, einschiffige Kirche mit Kapellen und Oratoriengängen sowie einer Westempore als Mönchschor. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts folgte die spätbarocke Dekoration mit Stuckaturen des Österreichers Franz Joseph Ignaz Holzinger (er gestaltete auch die Kanzel und die Altaranlagen) und Fresken von dem in Burghausen ansässig gewordenen Tiroler Innocenz Anton Warathi. Holzinger und Warathi schufen in Vornbach ein quasi schrankenloses Dekorationssystem, das ohne größere architektonische Gliederung Wände und Decken überzieht. Die beiden Künstler hatten zuvor schon gemeinsam die Bibliothek des Benediktinerklosters Metten ausgeschmückt. Das Hochaltarbild für Vornbach lieferte der berühmte Maler Bartolomeo Altomonte aus Linz. Die Turmfassade konnte man erst 1766 bis 1770 fertig stellen.

1803 erschien auch in Vornbach ein kurfürstlich-bayerischer Aufhebungskommissar. Teile der bedeutenden Bibliothek kamen nach Passau und München. Die Bestände des Naturalien- und des physikalischen Kabinetts wurden zerstreut. Kloster- und Wirtschaftsgebäude kauften Privatleute. Die Besitzungen in Österreich fielen an den österreichischen Staat.

Die Klosterkirche übernahm 1806 die Funktion der Pfarrkirche. In ihrem prunkvollen barocken Kleid haben sich noch romanisches Mauerwerk, Säulenreste, Grabdenkmäler der Stifterfamilie, der Taufstein und ein romanisches reliefgeschmücktes Giebelfeld (entstanden um 1140), das im Portal des heutigen Baus integriert ist, aus der Frühzeit der Abtei erhalten.

Die eigentliche Pfarrkirche St. Martin aus dem frühen 15. Jahrhundert wurde hingegen 1826 größtenteils abgebrochen. Der erhaltene Chor mit Malereien aus der Zeit um 1420/30 wird heute als Friedhofskirche genutzt. Wegen Baufälligkeit wurden auch die uralte Wallfahrtskirche Maria am Sande und der Kreuzweg auf dem Weg nach Neuburg 1831 abgerissen. Das Gnadenbild ?Maria Sand? befindet sich in der ehemaligen Kloster- und jetzigen Pfarrkirche ?Maria Himmelfahrt?.

Der große Klosterkomplex, der Ende des 17. Jahrhunderts als einheitliche Anlage vollendet worden war, erstreckt sich bis zum Felsufer des Inn. In den Flügeln um den nordöstlichen Hof war der Konvent untergebracht. Seit der Säkularisation befindet sich hier der Pfarrhof. Die übrigen Gebäudeteile sind zum Teil in Privatbesitz.

(Christine Riedl-Valder)



 

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AUS DEM HDBG-MEDIENARCHIV
Grabplatte der Josepha Gräfin Kokorzowa, Steinrelief, um 1720, Neuhaus am Inn, Vornbach, ehem. Benediktinerkloster.
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg (Voithenberg, G.)

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