Passau, St. Salvator


 

GESCHICHTE
St. Salvator in Passau – Sühnestätte einer angeblichen Freveltat

Bis in das späte 15. Jahrhundert bestand in Passau eine jüdische Synagoge an der Ilz, am Fuß der Veste Oberhaus gelegen. Im Jahr 1479 ließ Bischof Ulrich III. von Nußdorf diese Synagoge in eine Salvatorkirche umbauen. Die Juden wurden eines angeblichen Hostienfrevels beschuldigt, der diese Strafmaßnahme rechtfertigen sollte. Der Kirchenbau kam erst ein knappes Jahrhundert später unter Fürstbischof Urban von Trennbach (reg. 1561–1598) zum Abschluss. Reste der Synagoge haben sich in der gewölbten Halle im Erdgeschoss erhalten. Es entstand eine Wallfahrt zu dem Stein, auf dem angeblich Hostien zerstochen worden waren. Gezeigt wurden den Wallfahrern auch ein Messer, das hierzu verwendet worden sein soll, sowie eine Dornenreliquie.

An der Wallfahrtskirche errichtete Bischof Christoph Schachner im Jahr 1490 ein Kollegiatstift für sechs Kanoniker, Dekan und Propst. Die Stiftsherren betreuten die Pfarrei St. Bartolomäus in der Passauer Ilzstadt sowie die Pfarreien Gottsdorf, Hohenau, Obernzell, Straßkirchen, Perlesreut und Untergriesbach. 1501 wurde dem Stift ein neues Kapitelhaus gebaut. Der Wallfahrtsort war vor dem 1762 fertig gestellten Tunneldurchbruch zwischen den Festungen Ober- und Niederhaus von Passau aus nur mit Booten zu erreichen. Aus Bayern, Österreich und Böhmen strömten die Wallfahrer jedes Jahr zu Michaeli zu Tausenden herbei. Während der Reformation geriet die Wallfahrt immer mehr in Vergessenheit. Zudem führte eine nachlässige Verwaltung zur Verarmung des Stifts. Bischof Urban von Trennbach verwandelte das Stift deshalb in eine so genannte Realpropstei, die in der Folgezeit jeweils an einen Passauer Domkapitular verliehen wurde. Der letzte Propst übergab im Jahr 1788 die inkorporierten Stiftspfarreien dem Fürstbischof.

Die markante spätgotische Stiftskirche wurde geschlossen und 1811 an einen Privatmann verkauft. Die Einrichtung und die Grabmonumente gingen größtenteils verloren. Bischof Heinrich von Hofstätter, ein großer Liebhaber mittelalterlicher Kunst, kaufte die Kirche 1842 zurück und ließ sie durch den Architekten Völk mit neugotischen Ergänzungen wiederherstellen. Die Neuweihe erfolgte 1861. Das Kapitelhaus erhielten die Englischen Fräulein, die hier einen Kindergarten einrichteten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt. Sie wurde 1972 bis 1978 restauriert und wird seither als Konzertsaal genutzt.

(Christine Riedl-Valder)



 

SUCHE

LAGE IN BAYERN
Kartenausschnitt in Google Maps anzeigen