Kempten, Stiftsgymnasium der Piaristen


 

GESCHICHTE

Kempten, Piaristen – Gefragte Erzieher und Lehrer

 

Der Kemptener Fürstabt Engelbert von Syrgenstein berief 1752 die Piaristen zum Schuldienst nach Kempten. Diese katholische Priestergemeinschaft, gegründet von dem Spanier José de Calasanz (1557–1648), widmete sich der Erziehung und dem Unterricht. Der Orden war seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert vor allem in Österreich, Ungarn, Böhmen und Polen tätig und beherrschte im 18. Jahrhundert in Österreich mit rund 25 Gymnasien maßgeblich das mittlere Bildungswesen.

Im Gegensatz zu den Niederlassungen dieses Ordens in Günzburg und Wallerstein hatten die Piaristen in Kempten kein eigenes Kloster. Sie wohnten im Stiftsgymnasium, dessen Gebäude an die Residenz des Fürstabts angebaut war. Diese Lehranstalt bestand seit dem 17. Jahrhundert im Benediktinerkloster. Vor den Piaristen gestalteten hier Weltgeistliche, Hofkapläne (seit 1701) und Benediktiner aus anderen schwäbischen Reichsklöstern (ab 1730) den Unterricht. Die Schule diente der Ausbildung der Edelknaben sowie der Sprösslinge von adeligen Hofbeamten und Bürgern der Stadt, die, falls erforderlich, durch Stipendien gefördert werden konnten. Im Lauf der Jahre dehnte sich der Einzugsbereich der Lehranstalt so weit aus, dass sie Schüler aus dem gesamten Allgäu und angrenzender Gebiete verzeichnete. So sind für das Jahr 1731 sieben bürgerliche Schüler aus Kempten, elf Schüler aus dem Territorium des Stifts, zwei weitere aus dem Allgäu, aus Schwaben sechs Schüler, zwei Schüler aus der Schweiz und ein Schüler aus Tirol bekannt. Auswärtige Schüler konnten in einem angeschlossenen Internat wohnen. Auf dem Lehrplan standen in den oberen Klassen vor allem Latein, die Lektüre klassischer Autoren und Religionsunterricht, außerdem Französisch, Mathematik, Grundlagen der Naturwissenschaften, Geschichte, Geografie und Rhetorik. Wie bei den Piaristen üblich, wurde auch in Kempten das Theaterspiel besonders gepflegt.

Im Jahr 1762 wurde der Ausbau des Gymnasiums beschlossen. Um die Lehranstalt als zentralen Bildungsort zu etablieren, sollte die Anzahl der Lehrer verdoppelt und zusätzlich ein Sprach- und Tanzmeister, zwei Laienbrüder und zwei Bedienstete eingeplant werden. Doch zur Umsetzung dieser Pläne kam es nicht mehr.

Bei der Aufhebung des Benediktinerstifts im Jahr 1803 bestanden im Gymnasium sechs Oberstufenklassen und zwei Grundstufenklassen mit 41 Schülern und fünf Lehrkräften. Die Piaristen wurden abgezogen und durch weltliche Lehrer ersetzt. Das Gebäude nutzte man bis 1864 für das königlich-bayerische Gymnasium. Nach dem Abriss des ehemaligen Stiftsgymnasiums wurde das katholische Pfarrhaus dort errichtet.

 

Christine Riedl-Valder

 



 

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