Forchheim, Kollegiatstift


 

GESCHICHTE

Das Kollegiatstift St. Martin in Forchheim ? Könige und Kleriker

Forchheim hatte als karolingischer Königshof im 9. und 10. Jahrhundert eine besondere Bedeutung. Hier befand sich auch eine Pfalz. Zum Patron der Pfalzkapelle wählte man den fränkischen Schutzheiligen Martin von Tours. Neben Reichssynoden, unter anderem im Jahr 890, fanden in Forchheim auch Königswahlen statt, so von Arnulf (887), von Ludwig dem Kind (900) und von Konrad I. (911) .

976 schenkte Kaiser Otto II. seine Königskirche in Forchheim dem Bistum Würzburg und beendete damit die Selbstständigkeit von St. Martin. 1002 bestätigte Heinrich II. die Weitergabe der Martinskirche mit den drei dort tätigen königlichen Eigenpriestern an das Würzburger Stift Haug. Ob die Bezeichnung ?abbacia? für St. Martin bereits für das Jahr 1002 eine Kleriker- oder Mönchsgemeinschaft belegt, ist zweifelhaft. Als Forchheim dann 1017 zur Ausstattung des Bistums Bamberg diente, wird von einer Abtei nichts mehr berichtet. In der Folgezeit nutzten die Bischöfe von Bamberg die Stadt Forchheim als befestigten Pfalzort an der Südgrenze ihres Territoriums.

Die karolingische Martinskirche wurde um das Jahr 1200 durch einen spätromanischen Bau ersetzt; von ihm ist noch die Krypta vorhanden. Im 14. Jahrhundert erhielt die dreischiffige Kirche eine Umgestaltung in den Formen der Hochgotik. Aus dieser Phase stammen auch einige Steinplastiken aus Werkhütten in Nürnberg und Bamberg.

1354 errichtete Bischof Lupold (Leopold) von Bebenburg an der Stadtpfarrkirche St. Martin ein Kollegiatstift. Es sollte die Seelsorge in dem sehr umfangreichen Pfarrsprengel verbessern und eine Lateinschule unterhalten. Es waren Pfründen für zehn Stiftsherren vorhanden. Hinzu kam ein Titularpropst, zumeist ein Bamberger Domherr. Den Vorsitz im Stiftskapitel führte jedoch stets der in Forchheim anwesende Stiftsdekan.

Der Turm wird 1406 zum ersten Mal belegt und erhält 1670 seine heutige Form. Die Legende des Kirchenpatrons Martin und die Passion Christi sind auf Tafelgemälden dargestellt, die zum gotischen Altar des 15. Jahrhunderts gehörten.

Im frühen 16. Jahrhundert war die Zahl der Stiftsherren stark zurückgegangen und der Prediger zu St. Martin führte die Stadtbevölkerung nach 1524 zur Annahme des Luthertums. Dies sollte fast zwei Generationen lang so bleiben.

Ausdruck der katholischen Gegenreformation ist die barocke Ausstattung des Kirchenraums. So zeigt der Hochaltar von 1698 die Mantelteilung des hl. Martin. Darunter erinnern das hl. Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde an die Präsenz der Herrschaft des Bamberger Hochstifts. Erst als die Säkularisation dem Stift 1803 ein Ende setzte, erlangte St. Martin in Forchheim wieder seine ursprüngliche Funktion als Stadtpfarrkirche.

( Markus Schütz / Christian Lankes )



 

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