Das Projekt - Karten: Wege in die Geschichte

Karten als didaktisches Mittel

Wie von unseren Ausstellungsbesuchern immer wieder zu erfahren ist, zählen Karten und Pläne zu den wichtigsten Visualisierungsmitteln, von denen auch ein erheblicher ästhetischer Reiz ausgeht. Häufig wird bedauert, dass in den Katalogen nicht alle Karten aus den Ausstellungen abgebildet werden können. Um das didaktische Potenzial der Karten und Pläne dauerhaft und über die Ausstellungen hinaus zugänglich zu machen, stellt das Haus der Bayerischen Geschichte dieses Material daher nun im Internet für Bildungs- und Unterrichtszwecke zur Verfügung. Da viele der Themenkarten erstmals gefertigt wurden, kommt dem Angebot ein hoher Nutzwert für alle Personengruppen zu, die an der bayerischen Geschichte im europäischen Kontext interessiert sind.

Karten schreiben Geschichte

Wir wollen mit unserem Angebot nicht allein ein didaktisches Hilfsmittel für Unterricht und Bildungsarbeit an die Hand geben, sondern gleichzeitig auch Begeisterung für die Kartografie als Wissenschaft zu wecken versuchen. Die Geschichte der Karten- und Vermessungskunde hat einen abenteuerlichen und für die menschliche Zivilisation höchst folgenreichen Verlauf genommen. Karten und Pläne sind deshalb auch kulturgeschichtliche Quellen ersten Ranges. Mittelalterliche Weltkarten sind beispielsweise im wahrsten Sinne des Wortes zeitgenössische Weltbilder. Am Übergang zur frühen Neuzeit sicherte die Kontrolle über wertvolles Kartenmaterial sogar den Erhalt ganzer Imperien. Die portugiesischen Seekarten etwa, die den Weg nach Indien wiesen, unterlagen strengster Geheimhaltung. Dennoch versuchten Handelskonkurrenten auch durch den Einsatz von Spionen, in ihren Besitz zu gelangen. Bis in die Gegenwart hinein ist hochwertiges Kartenmaterial von größter Bedeutung für Staaten und Armeen. Im Golfkrieg war beispielsweise die Fähigkeit der USA, den Streitkräften mit Hilfe von Satellitenbildern innerhalb kürzester Zeit aktuelles Kartenmaterial zur Verfügung stellen zu können, ein wichtiger Vorteil.

Karten als ideologisches Kampfmittel

Karten sind keine neutralen Informationsträger, in denen die Kartografen der Epochen nach bestem Wissen und Gewissen ihre geografischen Vorstellungen abbildeten. Karten bedürfen der Interpretation und sind damit unterschiedlichen Bewertungen zugänglich. Ein anschauliches Beispiel dafür sind die Fundkarten in der Archäologie. Die Kartierung von Importgegenständen in einer Region erlauben Aussagen über die Fernkontakte einer Bevölkerung. Die wissenschaftliche seriöse Auswertung solcher Verbreitungskarten setzt sorgfältige Schulung voraus, weil sonst die Gefahr von Fehlschlüssen sehr groß ist. Die Vorsicht der Archäologen im Umgang mit diesem Arbeitsmittel basiert auf historischer Erfahrung: Gustav Kossinna, einer der Gründerväter der Vor- und Frühgeschichte in Deutschland, stellte einen Zusammenhang her zwischen bestimmten Typen archäologischer Funde und Kulturen wie den Germanen. Er hatte damit den Wert archäologischer Objekte als Quellen erkannt. Durch das Anfertigen von Fundkarten glaubten er und seine Anhänger alten germanischen Lebensraum nachgewiesen zu haben. Bis zu einer Instrumentalisierung dieser Vorstellung durch die Nationalsozialisten war es nur noch ein kurzer Schritt. Heute würde niemand mehr auf den Gedanken kommen, etwa aus der Verbreitung von Coca-Cola-Dosen Rückschlüsse auf den amerikanischen Siedlungsraum ziehen zu wollen. Dennoch zeigt das Beispiel der archäologischen Fundkarten das enorme politische und ideologische Potenzial der Kartografie.

Karten - Synthese von Mathematik und Kunst

Karten haben eine unbestreitbare historische Bedeutung und ihrer Faszination vermag sich kaum jemand zu entziehen. Dennoch sind Karten und die Wissenschaft von ihrer Herstellung vielfach noch Stiefkinder der historischen Wissenschaften. Auch in der breiten Öffentlichkeit können sich viele Menschen unter der Arbeit von Kartografen kaum eine spannende Beschäftigung vorstellen.
Deshalb gehören zur Homepage auch Literatur- und Linklisten, die Lust auf eine tiefere Beschäftigung mit den Karten, ihrer Geschichte und ihrer Herstellung machen sollen. Studieninteressenten bietet der Freistaat Bayern renommierte Ausbildungsstätten. Die weit zurückreichende kartografische und geodätische Tradition Bayerns bietet darüber hinaus für Landeshistoriker und Heimatforscher das ein oder andere noch unbeackerte Forschungsfeld.

Wir wünschen Ihnen einen anregenden Aufenthalt auf unseren Seiten und eine lehrreiche Beschäftigung mit unseren Karten!






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