Die Pfalz mit der Oberpfalz, Pfalz-Neuburg und Bayern nach dem Landshuter Erbfolgekrieg


Quelle: P. Schmid, Der Landshuter Erbfolgekrieg, in: Von Kaisers Gnaden. 500 Jahre Pfalz-Neuburg, hg. von Suzanne Bäumler, Evamaria Brockhoff und Michael Henker, Augsburg 2005 (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 50/2005), S. 75–79.

Signatur: PN-LA-2005-5

Entwurf: Haus der Bayerischen Geschichte
Grafik: Büro für angewandte Visionen, München.

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Beschreibung:

Am 30.Juli 1505 gab König Maximilian I. auf dem Reichstag zu Köln seine Entscheidung über das Landshuter Erbe bekannt, die dem Krieg endgültig ein Ende setzte. Für Ottheinrich und Philipp, die Enkel Herzog Georgs des Reichen, wurde nördlich der Donau um Neuburg und Lauingen und auf dem Nordgau ein neues Fürstentum, Pfalz-Neuburg, mit einem Ertragswert von 24000 Gulden geschaffen, dessen genaue Grenzen eine Sonderkommission bestimmen sollte. Die Verhandlungen darüber zogen sich bis zum Ingolstädter Hauptvertrag vom 13.August 1509 hin, bis man sich neben den Gebieten um Neuburg und Lauingen mit Burglengenfeld, Regenstauf, Hemau, Parsberg, Sulzbach und Weiden auf den Kernbestand des neuen Herzogtums verständigt hatte. In Köln vergrößerte König Maximilian I. auch sein mit Kufstein, Rattenberg, Kitzbühel und dem Zillertal bereits beanspruchtes „Interesse“ um weitere Gebiete. Die Ämter Lauf, Hersbruck und Altdorf gingen an Nürnberg. Der Ausgang des Landshuter Erbfolgekriegs hatte weit reichende Folgen für die Geschichte Bayerns und der Kurpfalz und begünstigte auch eine Neustrukturierung der Kräfteverhältnisse im Reich. Für die Entwicklung Bayerns, seine politischen Handlungsmöglichkeiten und seine Stellung innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ergaben sich neue Perspektiven. Auch wenn Herzog Albrecht IV. wegen der Minderung seines Anteils am Landshuter Erbe durch die Gründung von Pfalz-Neuburg und der Erweiterung des königlichen „Interesses“ mit dem Kölner Spruch nicht zufrieden war, so konnte er nun doch wieder den größten Teil des alten wittelsbachischen Kernlandes unter seiner Herrschaft vereinigen. Zur dauerhaften Sicherung der wieder hergestellten Einheit des Landes erließ er am 8. Juli 1506 die Primogeniturordnung, die für alle Zukunft eine Teilung des Landes ausschloss und die alleinige Nachfolge des erstgeborenen Sohns festlegte. Damit wurde ein Schlussstrich unter ein Jahrhundert bayerischer Geschichte gezogen, das im Zeichen der Teilungen des Landes, der Rivalitäten und Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Teilherzogtümern gestanden war und die Wittelsbacher im Kampf um das Königtum gegenüber den Habsburgern aussichtslos zurückgeworfen hatte. Auch den sich in Ober- und Niederbayern abzeichnenden Tendenzen zur Ausbildung eigener staatlicher Identitäten und der Möglichkeit, dass beide Herzogtümer unabhängig voneinander eigene Wege gehen könnten,war endgültig Einhalt geboten. Die auf Dauer angelegte politische und territoriale Einheit stellte das Herzogtum Bayern auf eine solide Basis, verschaffte ihm unter den Territorien des Reichs den zweiten Platz hinter Habsburg und ließ es zu einem respektierten Faktor nicht nur der Reichspolitik, sondern auch der internationalen Politik werden. Bald streckte vor allem Frankreich seine Fühler nach Bayern aus, um mit seiner Hilfe Einfluss auf die Reichspolitik zu gewinnen. Ein Beziehungsverhältnis nahm seinen Anfang, das in wechselnder Intensität über die Jahrhunderte hinweg bis in die napoleonischen Kriege hinein eine Option der bayerischen Politik blieb. Der Ausgang des Landshuter Erbfolgekriegs brachte auch die Klärung einer Frage, die für die Zukunft Bayerns wie für das gegenseitige Verhältnis der wittelsbachischen Linien von grundlegender Bedeutung war. Es war die Entscheidung darüber gefallen, ob im altbayerischen Raum dem wieder vereinigten Herzogtum die Zukunft gehören würde oder ob die pfälzischen Wittelsbacher durch die Verbindung ihrer oberpfälzischen Besitzungen mit Niederbayern zur politisch bestimmenden Kraft werden würden. Hätten sich die Pfälzer durchgesetzt, hätte die bayerische Geschichte zweifellos nicht nur in konfessioneller Hinsicht, sondern auch in manch anderen Bereichen einen anderen Verlauf genommen. Es liegt auch auf der Hand, dass der Ausgang des Landshuter Erbfolgekriegs zu einer Neugewichtung des Kräfteverhältnisses zwischen den bayerischen und pfälzischen Wittelsbachern und zu einer tief gehenden gegenseitigen Verstimmung führen musste. Pfalzgraf Philipp, der Vater Ruprechts, und sein Vorgänger Friedrich der Siegreiche hatten eine pfälzische Hegemonie in Süddeutschland angestrebt und damit die Perspektive eines möglichen pfälzischen Königtums verbunden. Dieser Traum der Pfälzer war nach der Niederlage im Erbfolgekrieg ein für alle Mal ausgeträumt. Die territorialen Verluste, die die Kurpfalz gegenüber Württemberg, Hessen und dem König hinnehmen musste, bedeuteten den Zusammenbruch ihrer bisherigen Machtstellung am Mittelrhein, am Neckar und im Elsass. Alles, was man sich im Lauf des 15. Jahrhunderts mit großer Anstrengung aufgebaut hatte, war mit einem Schlag zunichte. Nicht minder schwer wog der Prestigeverlust, den Pfalzgraf Philipp aufgrund der demütigenden Umstände, unter denen er aus der Reichsacht entlassen worden war, hinnehmen musste. Die Verstrickung in den Landshuter Erbfolgekrieg endete somit für die Kurpfalz in einem Fiasko. Sie war aus der ersten Reihe der deutschen Fürstentümer herausgefallen, wohingegen die Münchner Linie des Hauses nachhaltig an Bedeutung gewann. Die Errichtung von Pfalz- Neuburg konnte den erlittenen Schaden in keiner Weise kompensieren, vielmehr wurde dadurch zusätzlich für lange Zeit die Atmosphäre zwischen den wittelsbachischen Linien vergiftet.