Die Pfalz, Oberbayern und Niederbayern vor dem Landshuter Erbfolgekrieg


Quelle: P. Schmid, Der Landshuter Erbfolgekrieg, in: Von Kaisers Gnaden. 500 Jahre Pfalz-Neuburg, hg. von Suzanne Bäumler, Evamaria Brockhoff und Michael Henker, Augsburg 2005 (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 50/2005), S. 75–79.

Signatur: PN-LA-2005-4

Entwurf: Haus der Bayerischen Geschichte
Grafik: Büro für angewandte Visionen, München.

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Beschreibung:

Der 14. September 1496 sollte als folgenschweres Datum in die Geschichte Bayerns, des wittelsbachischen Gesamthauses und auch des Reichs eingehen. Von diesem Tag datiert das Testament Herzog Georgs des Reichen von Bayern-Landshut, mit dem er seine Tochter Elisabeth und ihren künftigen Gemahl, einen der Söhne seiner Schwester Margarete und des Pfalzgrafen Philipp, zu Erben seines Herzogtums bestellte (Kat.-Nr. 2.53). Herzog Georg wollte mit diesem Testament entgegen den bestehenden wittelsbachischen Hausverträgen die Erbansprüche Herzog Albrechts IV. von Bayern-München umgehen. Er beschwor dadurch nicht nur in politischer, sondern auch in rechtlicher Hinsicht eine höchst problematische Situation herauf. Das Reichsrecht kannte für ein Reichslehen keine weibliche Erbfolge. Diese war nur im äußersten Ausnahmefall und nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Königs möglich. Nahe liegend war auch, dass sich Herzog Albrecht IV. in der Erbfrage nicht widerstandslos übergehen lassen würde, denn er hatte die Wiederherstellung des bayerischen Herzogtums in den Grenzen vor der Landesteilung von 1392 zum Hauptziel seiner Politik gemacht. Für das wiedervereinigte Bayern strebte er eine starke Stellung unter den Reichsfürsten an. Die von Herzog Georg vorgesehene Erbregelung hätte dagegen zusammen mit der Oberpfalz im bayerischen Raum einen pfälzischen Herrschaftsbereich begründet, der das Münchner Herzogtum machtpolitisch an den Rand gedrängt hätte. Zu erwarten war auch, dass König Maximilian I. eine personelle Verbindung des Landshuter Herzogtums mit der Kurpfalz nicht akzeptieren würde. Zu frisch musste noch die expansive Politik in Erinnerung sein, die die bayerischen und pfälzischen Wittelsbacher bis Ende der 80er-Jahre des 15. Jahrhunderts in Süddeutschland mit dezidiert antihabsburgischer Zielrichtung betrieben hatten. Nur mit Aufbietung aller Kräfte war es Kaiser Friedrich III. und König Maximilian I. zu Beginn der 90er-Jahre des 15. Jahrhunderts gelungen, die wittelsbachischen Expansionsgelüste einzudämmen. Die Verluste, die König Maximilian I. dabei in Burgund hatte hinnehmen müssen, und insbesondere die Schmach des „bretonischen Brautraubs“ schmerzten ihn immer noch. Die Überlassung des wirtschaftlich potenten niederbayerischen Herzogtums an die Pfälzer hätte erneut die Gefahr einer pfälzischen Vormachtstellung in Süddeutschland heraufbeschworen. Zu augenfällig fügte sich das Testament Herzog Georgs, das unter pfälzischer Federführung formuliert worden war, in das politische Programm Pfalzgraf Philipps ein, das die Kurpfalz zur tonangebenden Größe in Süddeutschland und zur Rivalin der Habsburger machen wollte. Herzog Georg hatte somit durch seine testamentarische Verfügung eine Konfliktsituation herbeigeführt, bei der es um mehr als nur um Erb- und territoriale Fragen ging, so wichtig diese im Einzelnen auch sein mochten. Es standen die Klärung der künftigen Stellung Bayerns und der Pfalz im Reich und die Entscheidung zwischen den Häusern Wittelsbach und Habsburg um die Vormachtstellung im Reich und damit auf lange Sicht auch um den Besitz des Königtums an.

Literatur:

  • P. Schmid, Der Landshuter Erbfolgekrieg, in: Von Kaisers Gnaden. 500 Jahre Pfalz-Neuburg, hg. von Suzanne Bäumler, Evamaria Brockhoff und Michael Henker, Augsburg 2005 (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 50/2005), S. 75–79.