Die Städtelandschaft Franken in der nachstaufischen Epoche 1255 – 1313


Quelle: Helmut Flachenecker, in: Edel und Frei. Franken im Mittelalter, hg. von Wolfgang Jahn / Jutta Schumann / Evamaria Brockhoff, Augsburg 2004 (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 47/04), S. 308-313, Kat.-Nr. 134.

Signatur: FRA-LA-2004-11

Entwurf: Haus der Bayerischen Geschichte
Grafik: Entwurf nach Helmut Flachenecker und Wolfram Unger; Kartografie und Grafik: Gruppe Gut, Bozen/Susanne S

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Beschreibung:

Mit seinen zahlreichen Städten grenzte sich Franken stark vom bayerischen Herzogtum ab, das wenige Städte, aber relative viele Märkte kannte. Meist handelte es sich bei den fränkischen Städten, insbesondere im Spätmittelalter, um kleinere bzw. Kleinstorte mit wenig Möglichkeiten für eine intensive kommunale wie wirtschaftliche Entfaltung. In Franken dominierten daher, von Nürnberg und den Bischofsstädten abgesehen, Städte mit einer niedrigen Bevölkerungszahl von ca. 800 bis 2000 Personen, die sich von jener größerer Dörfer bisweilen kaum unterschied. Städtegründungen des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts betrafen meist wirtschaftlich wie herrschaftlich zentral gelegene Siedlungen in der Umgebung von Burgen, Klöstern und Stiften, zum Teil mit frühmittelalterlichen Wurzeln. Stadtprivilegierungen des 14. und 15. Jahrhunderts hatten primär eine herrschaftsabgrenzende – die Stadt als „Großburg“ in Grenzlage – und nur sekundär eine wirtschaftliche Zielsetzung. Die Lage an einem Fluss (Main, Regnitz, Pegnitz, Altmühl) wurde bevorzugt. Grosso modo lässt sich behaupten: Je älter eine Stadt war, desto größer erwies sich ihre Chance zur kommunalen und wirtschaftlichen Entfaltung. Der Beginn der Stadtentwicklung ist bei den Bischofssitzen zu suchen, also in Würzburg, Eichstätt und Bamberg. Die Bischöfe besaßen mit den nahe des Doms gelegenen Klöstern und Stiften („civitas sancta“) und mit den sich dort entwickelnden präurbanen Siedlungsformen ein attraktives Zentrum für die weitere Ansiedlung. Den Mittelpunkt bildete der jeweilige Dom mit seinen Heiligen- und Bischofsgräbern, die praktisch nicht transferierbar waren. Orte mit einer entsprechenden herrschaftlichen Zentralitätsfunktion mussten von weltlichen Herrschern erst aufgebaut werden. Es ist auffällig, dass es den Bischöfen im Gegensatz zum Reisekönigtum gelang die Versorgung ihrer ortsfesten Zentren über das Jahr hinweg sicher zu stellen. Bis 1254 gründeten die Würzburger Bischöfe im Nordwesten, bis 1248 die Andechs-Meranier im Nordosten Frankens sowie die Staufer viele Städte. Bambergs Engagement blieb mit Bamberg selbst sowie Forchheim zunächst bescheiden. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wandelten sich staufische Städte in ihrer Mehrheit zu königlichen, dann zu Reichsstädten. Die politisch-wirtschaftliche Vorherrschaft lag bei Nürnberg, der einzigen „Großstadt“ in Franken. Dinkelsbühl, Rothenburg und Weißenburg orientierten sich an ihr, ebenso Windsheim und Schweinfurt, aber auch die benachbarten schwäbischen Reichsstädte hatten Vorbildcharakter. Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind erneut zahlreiche bischöfliche Stadtgründungen zu beobachten, wobei der Würzburger Bischof auf königliche Bestätigungen seiner Städte verzichtete.