Bayern nach dem Wiener Kongress und seinen Folgeverträgen um 1819


Quelle: Napoleon und Bayern, Landesausstellung 2015

Signatur: NAPOL-LA-2015-01

Entwurf: Andreas Th. Jell
Grafik: Thoener von Wolffersdorff, Augsburg

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Beschreibung:

In der Pattsituation nach Napoleons Niederlage in Russland stand Bayern vor einer existenziellen Entscheidung. Man musste auf der siegreichen Seite stehen und sich festlegen, solange ein Bündnis mit Bayern noch strategischen Wert besaß. Ziel der bayerischen Politik von 1813 war es, den territorialen Besitzstand durch Garantien der Großmächte zu sichern. Der weitsichtige Staatsmann Metternich war bereit, auf die traditionellen österreichischen Pläne zur Annexion und Zerstückelung Bayerns zu verzichten, um es als Bündnispartner zu gewinnen – ein feindliches Bayern hätte nach dem Kriegseintritt der Donaumonarchie die Flanke der österreichischen Armee bedroht.
Am 8. Oktober 1813, noch vor der Völkerschlacht von Leipzig, wurde Bayerns Bündniswechsel im Vertrag von Ried besiegelt und gab das Fanal für die Auflösung des Rheinbunds. Für die Unterstellung der bayerischen Armee unter österreichisches Kommando erhielt Bayern in einem Geheimartikel die volle Souveränität und die Sicherung seines Besitzstands garantiert. Etwaige Gebietsabtretungen an Österreich sollten nach einem Friedensschluss nur freiwillig und gegen volle Entschädigung erfolgen. Österreich war also nicht gewillt, auf die Rückgewinnung der seit 1805 verlorenen Gebiete zu verzichten.
Nach Napoleons Abdankung verpflichtete sich Bayern in der Pariser Konvention vom 3. Juni 1814, Tirol (ohne das Amt Vils) und Vorarlberg (ohne das Amt Weiler) zurückzugeben. Als Entschädigung erhielt Bayern das Fürstentum Aschaffenburg vom aufgelösten Staat des Kurerzkanzlers Carl Theodor von Dalberg sowie das Großherzogtum Würzburg des Habsburgers Ferdinand, der in die Toskana zurückkehrte. Außerdem musste sich Bayern zur Aufgabe von Salzburg (die Gebiete links des Inns und ohne Berchtesgaden) sowie des Inn- und Hausruckviertels bereit erklären. Österreich stellte dafür die alte Kurpfalz, einen beträchtlichen Teil des linken Rheinufers einschließlich Mainz, sowie Frankfurt, Hanau und Wetzlar in Aussicht.
Diese umfangreichen Versprechungen schrumpften mit der Dauer der Verhandlungen auf dem Wiener Kongress zusehends, insbesondere nachdem Preußen von der Einverleibung ganz Sachsens Abstand nahm und dafür im Westen entschädigt wurde. Mit der Drohung eines militärischen Vorgehens erzwang Österreich den Münchner Vertrag von 14. April 1816 (vgl. Kat.-Nr. 256). Bayern gab die geforderten Gebiete an Österreich ab und musste sich mit der linksrheinischen Rheinpfalz sowie einigen Ämtern aus fuldaischem (Hammelburg, Brückenau, Teile von Bieberstein) und hessischem (Alzenau, Miltenberg, Amorbach, Heubach) Besitz begnügen. Im Austausch für das böhmische Amt Redwitz erhielt Österreich auch das Tiroler Amt Vils.
Die gewünschte Landverbindung zum nunmehr bayerischen Rheinkreis sollte nach dem in Kürze erwarteten Aussterben der badischen Dynastie entstehen, doch konnte Baden diesen Streit mit Unterstützung der Großmächte für sich gewinnen. Gemäß dem Frankfurter Generalrezess von 20. Juli 1819 trat Baden lediglich das badische Amt Steinfeld im Austausch für die österreichisch verwaltete Grafschaft Geroldseck ab. Da die Landverbindung zur Rheinpfalz nicht zustande kam, wurde die seit 1816 jährlich aus Wien überwiesene „Kontiguitätsentschädigung" in Höhe von 100000 Gulden bis zum Ende der Monarchie weiterbezahlt.
Trotz der nicht eingehaltenen Versprechungen der Großmächte konnte Bayern in der Rückschau zufrieden sein: Das Staatsgebiet umfasste nun 96000 Einwohner mehr und die linksrheinischen Gebiete waren weitaus fortschrittlicher als die abgegebenen Territorien.
(Text: Andreas Th. Jell, in: Napoleon und Bayern, Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2015, Augsburg 2015, S. 296f.)