Zug der bayerischen Armee nach Russland 1812 mit Standorten und Reichweiten der Militärdepots der Grande Armée


Quelle: Napoleon und Bayern, Landesausstellung 2015

Signatur: NAPOL-LA-2015-01

Entwurf: Stefanie Buchhold
Grafik: Thoener von Wolffersdorff, Augsburg

Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für den Einsatz im Schulunterricht und für Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch den/die Rechteinhaber.

Beschreibung:

Die bayerische Armee sammelte sich bereits im Februar in der Region Regensburg-Bayreuth-Bamberg (Armeekorps unter Deroy) sowie Nürnberg-Neuburg-Ingolstadt-Ansbach (Armeekorps unter Wrede), um am 10. März 1812 in den Russlandkrieg aufzubrechen. Die beiden Armeekorps marschierten unter General Deroy über Hof, Plauen, Zwickau, Chemnitz, Freiberg, Dresden, Bautzen (20. März), während General Wrede über Staffelstein, Kronach, Lobenstein, Schleiz, Meißen (22. März) nach Glogau, Posen, Gnesen bis an die Weichsel vordrang. Am 9. Mai erreichte Deroy Polozk, Wrede kam mit seinen Truppen in Wroclawek an. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatten sie eine Strecke von über 900 Kilometern zu Fuß zurückgelegt. Als Teil des VI. Korps unter Gouvion St.-Cyr marschierten sie weiter über Willenberg und Lyk nach Preny, wo sie als Teil der Hauptarmee am 2. und 3. Juli den Njemen überquerten. In Wilna wurden das 3. bis 6. Chevaulegers-Regiment dem IV. Korps unter Eugène de Beauharnais zugeordnet. Bereits zuvor waren das 1. und 2. Chevaulegers-Regiment zum III. Kavallerie-Korps unter Grouchy abkommandiert worden, so machte die gesamte bayerische Kavallerie den Marsch mit der Hauptarmee nach Moskau mit. Von Bamberg bis zur russischen Hauptstadt legten Reiter und Pferd eine Strecke von rund 2400 Kilometern zurück.
Hingegen marschierte die bayerische Hauptarmee, ohne eigene Kavallerie, im August auf den nördlichen Kriegsschauplatz nach Polozk, um dort die Flanke gegen das russische Armeekorps unter General Wittgenstein zu verteidigen. Bei ihrer Ankunft hatten die bayerischen Fußsoldaten eine Strecke von insgesamt etwa 1800 Kilometern bewältigt. Im Oktober zog sich die bayerische Armee aus Polozk zurück. Am 3. Dezember trafen die verbliebenen 3120 bayerischen Soldaten wieder mit der Hauptarmee zusammen, wobei die bayerische Kavallerie praktisch nicht mehr existierte.
Was die Versorgung betraf, so hatte Napoleon seit 1811 in Stettin, Kolberg, Danzig, Thorn, Plock, Modlin, Königsberg und Warschau Depots anlegen lassen. Der Transportfuhrpark bestand aus 26 Bataillonen mit 9336 Fuhrwerken und 32500 Pferden sowie 6000 Ersatzpferden. Der Tross setzte sich zusammen aus 4800 leichten Wagen, die von je vier Pferden gezogen wurden, die 750 Kilogramm befördern konnten, sowie aus 4536 schweren Wagen mit Ochsengespannen, die 1,5 Tonnen laden konnten und vor allem Mehl transportieren sollten. Nach Erfüllung ihrer Aufgabe sollten die Ochsen geschlachtet werden und die Verpflegung der anrückenden Soldaten sichern. Eine große Schwierigkeit stellte die Versorgung der Pferde und Ochsen dar. Der Radius der Transportwagen umfasste üblicherweise maximal 15 Tagesmärsche, weil die zu transportierenden Vorräte sonst bereits auf dem Weg von Mensch und Tier aufgebraucht waren. Um dies zu vermeiden, befahl Napoleon, die Tiere aus dem Land zu versorgen. Der Vormarsch sollte erst im Juni beginnen, wenn das Getreide reif war. Damit erhöhte sich die Reichweite der Transportwagen, zumindest theoretisch, bei einer täglichen Marschleistung von maximal 20 Kilometern auf 600 bis 800 Kilometer, wobei die mitgeführten Vorräte für 30 bis 40 Tage ausreichen mussten. Was dann in den Depots ankam, war also höchstens als „Starthilfe“ zu verstehen. Auf Vorratsdepots der russischen Armee konnte man nicht zurückgreifen, da diese bereits im Juni aufgelöst worden waren.
(Text: Stefanie Buchhold, in: Napoleon und Bayern, Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2015, Augsburg 2015, S. 235f.)