Truppendurchzüge durch Bayern 1796─1813


Quelle: Napoleon und Bayern, Landesausstellung 2015

Signatur: NAPOL-LA-2015-01

Entwurf: Andreas Th. Jell, Volker Bräu
Grafik: Thoener von Wolffersdorff, Augsburg

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Beschreibung:

Wie in vielen früheren Kriegen durchquerten auch in den Koalitionskriegen 1792 bis 1815 zahlreiche Heere Bayern in westöstlicher Richtung. Dabei orientierten sie sich an den Hauptverkehrswegen durch das Donautal sowie durch das Inntal und an der Salzstraße zwischen Wasserburg, München, Augsburg und Ulm. Die Marschrouten verdeutlichen, dass die geopolitische Lage des Kurfürstentums keine Neutralität bei Konflikten zwischen den Großmächten Österreich und Frankreich zuließ. Dem Zwang zur Parteinahme konnte sich weder Kurfürst Karl Theodor entziehen, nachdem der Reichstag 1793 den Reichskrieg gegen Frankreich beschlossen hatte, noch sein Nachfolger Max Joseph, als das österreichische Heer 1799 mitten in Bayern stand.
Bereits bevor das Land selbst zum Kriegsschauplatz wurde, waren kleinere österreichische Kontingente mit Nachschub und Ersatztruppen durch Bayern an den Rhein marschiert und hatten Unterkunft, Verpflegung sowie Vorspann für ihre Wagen und Kanonen gefordert. Die erhaltenen Leistungen wurden lediglich quittiert mit unbestimmter Hoffnung auf eine spätere Bezahlung.
Ab 1796 zogen ganze Heere durch Bayern. Die Franzosen konnten die Österreicher kurzfristig bis zum Inn zurückdrängen, bevor sich der Kriegsschauplatz wieder an den Rhein verlagerte. Für die Bevölkerung bedeutete dies eine enorme Belastung, schließlich waren die Truppenstärken infolge der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht auf über 100000 Mann angewachsen, wobei insbesondere die schlecht ausgerüsteten und undisziplinierten Revolutionstruppen Angst und Schrecken verbreiteten.
Auch im Zuge des Zweiten Koalitionskriegs wurde Bayern im Jahr 1800 von seinen österreichischen Verbündeten den französischen Truppen ausgeliefert. In den folgenden Kriegen stand Max I. Joseph dann an der Seite Napoleons – mit der Konsequenz, dass Bayern 1805 und 1809 zum Hauptkampfgebiet wurde. Beide Male sammelte sich die bayerische Armee, um gemeinsam mit der Grande Armée die österreichischen Eindringlinge bis nach Wien zurückzutreiben. In den Befreiungskriegen nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug blieb Bayern von Kampfhandlungen zwar verschont, aber große Truppenkontingente marschierten durch das Land in Richtung Westen. Auch die neu aufgestellte bayerische Armee eilte nach dem Bündniswechsel gemeinsam mit österreichischen Truppen nach Norden, um sich den Franzosen bei Hanau in den Weg zu stellen. In der Folge von Napoleons Rückkehr aus Elba sah Bayern nochmals Durchzüge, bis nach der Schlacht von Waterloo der lange ersehnte Friede einkehrte. Doch selbst danach marschierten noch Truppen durch Bayern, die, aus Richtung Frankreich kommend, in ihre Heimatländer zurückkehrten.
(Text: Andreas Th. Jell, in: Napoleon und Bayern, Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2015, Augsburg 2015, S. 142f.)