Bayern wächst zusammen: Territorialentwicklung Bayerns bis 1808


Quelle: Napoleon und Bayern, Landesausstellung 2015

Signatur: NAPOL-LA-2015-01

Entwurf: Andreas Th. Jell
Grafik: Thoener von Wolffersdorff, Augsburg

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Beschreibung:

Die Wittelsbacher verfügten im 18. Jahrhundert über ein Konglomerat aus Territorien, die von den Alpen bis zum Niederrhein reichten. Neben dem Herzogtum Bayern samt Oberpfalz, Pfalz-Neuburg und Pfalz-Sulzbach waren dies die Pfalzgrafschaft bei Rhein (Kurpfalz) sowie die Herzogtümer Jülich und Berg am Niederrhein. Als der Wittelsbacher Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken 1799 in München die Regierung übernahm, hielten die französischen Revolutionstruppen Deutschland bis zum Rhein besetzt, darunter auch sein Herzogtum Pfalz-Zweibrücken.
Der Friede von Lunéville 1801 sanktionierte die französischen Erwerbungen. Bayern verlor Jülich und die linksrheinischen Gebiete der Kurpfalz sowie Zweibrücken, sollte aber durch geistliche Fürstentümer und Reichsstädte entschädigt werden. Im Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden Bayern die Hochstifte der Bischöfe von Freising, Augsburg, Würzburg und Bamberg sowie die Städte Passau und Mühldorf zugesprochen. Dazu kamen die Territorien von 13 schwäbischen Reichsabteien, darunter das umfangreiche Gebiet der Fürstabtei Kempten, sowie die Reichsstädte Schweinfurt, Rothenburg, Dinkelsbühl, Weißenburg, Nördlingen, Bopfingen, Ulm, Memmingen, Kaufbeuren, Kempten, Leutkirch, Wangen, Ravensburg und Buchhorn (heute Friedrichshafen). Der verbliebene Rest der Kurpfalz musste dafür an Baden abgetreten werden.
Im Koalitionskrieg von 1805 ging Bayern ein Bündnis mit Frankreich ein und stand damit auf der Seite der Sieger. Österreich verlor Tirol, seine Herrschaften in Vorarlberg und im Allgäu sowie die Markgrafschaft Burgau an Bayern. Vom aufgelösten Kurfürstentum Salzburg, das 1803 für den Erzherzog von Toskana geschaffen worden war, erhielt Bayern Gebiete der ehemaligen Hochstifte Eichstätt und Passau, büßte aber Würzburg ein. Im Tausch gegen das Herzogtum Berg gelangte das Fürstentum Ansbach an Bayern. Außerdem wurde Bayern die Reichsstadt Augsburg zugesprochen, womit die Mediatisierung der verbliebenen reichsunmittelbaren Herrschaften eingeleitet wurde.
Nach der Gründung des Rheinbunds und der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs kamen diese Enklaven unter die Herrschaft des nunmehr souveränen Königreichs Bayern, darunter die hoch verschuldete Reichsstadt Nürnberg, die Fürstentümer Öttingen, Schwarzenberg und Hohenlohe-Schillingsfürst, die Grafschaften Pappenheim, Ortenburg, Störnstein, Castell, dazu die Gebiete der Fugger, die ehemalige Reichsstadt Lindau und die Gebiete der Reichsritter. Zur Vereinheitlichung der unterschiedlichen Herrschaften erhielt Bayern eine neue Einteilung in 15 Kreise, die wie beim französischen Vorbild nach Flüssen benannt wurden.
(Text: Andreas Th. Jell, in: Napoleon und Bayern, Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2015, Augsburg 2015, S. 112f.)