Um das Jahr 1665 konnte die jüdische Gemeinde einen Minjan bilden und eigene Gottesdienste feiern. Zunächst wurde ein Betraum in einem Privathaus genutzt, der Standort ist unbekannt. Im Jahr 1676 überließ der Bamberger Hof- und Kriegsrat Johann Matthäus Lechner der Kultusgemeinde als Schenkung ein Haus, "an des Schlosses Hopfengarten gelegen", damit sie "ihr Schul und jüdischen Zeremonien" darin abhalten konnten. Dieses Gebäude, in dem damals der Betsaal und Unterrichtsraum eingerichtet wurden, befand sich vermutlich bereits auf dem heutigen Grundstück der Synagoge (Ahornweg 2).
1727 entschloss sich die Kultusgemeinde zu einem Neubau. An der Judengasse (heute Ahornweg) entstand zuerst ein massiver eingeschossiger Bau, der 1738 nach Einsturz des Dachwerkes aufgestockt wurde. Um 1740 bot die Synagoge rund 140 Plätze. Zu einem weiteren Umbau kam es 1752, bei dem im Erdgeschoss eine Wohnung für den Chasan und ein kleines Waschhaus angebaut wurde. Es diente im 18. Jahrhundert wohl als Taharahaus für die Totenwaschung, später auch als Reinigungsort vor Betreten der Synagoge. Wahrscheinlich in der Synagoge wurde auch eine gerahmte Tafel mit dem Wappen der Familie von Stein zu Altenstein aufbewahrt. Es handelte es sich hier um den Ha-Noten Teschua, das traditionelle Gebet für den "Landesfürsten", im Fall der Gemeinde Reckendorf war dies der Freiherr Christoph Franz Freiherr von Stein zum Altenstein (1768-1819). Theodor Harburger konnte die Tafel noch 1927 fotografieren. Sie war zu dieser Zeit bereits im Besitz der Kultusgemeinde Bamberg.
Zu einer umfassende Renovierung der Synagoge kam es 1851. Dabei wurde die barocke Einrichtung entfernt, das Bodenniveau angehoben und der gesamte Innenraum neu gestaltet. Während der alte Betsaal um den mittig stehenden Almemor zentriert war, schuf man nun im Sinne des Reformjudentums einen auf den Toraschrein hin längs ausgerichteten Raum. Fest eingebaute Subsellien, die Platz für 120 Personen boten, ersetzten die früheren Einzelpulte. Die feierliche Wiedereinweihung des Gotteshauses fand am am 8. August 1851 statt.
Die Reckendorfer Synagoge bildete bis in die 1930er Jahre das Zentrum des jüdischen Gemeindelebens. Ein regelmäßiger Gottesdienst war auf Grund der zurückgegangenen Zahl der Gemeindemitglieder jedoch bereits seit Mitte der 1920er Jahre nicht mehr möglich. Bereits 1927 wurden wertvolle Kultgegenstände in die Synagoge nach Bamberg gebracht, wo sie jedoch beim Novemberpogrom im Jahr 1938 zerstört wurden. Am Morgen des 10. November 1938 kamen vier Bamberger SS-Leute nach Reckendorf mit dem Auftrag, die Synagoge niederzubrennen. Sie schlugen die Tür des Gotteshauses ein und verwüsteten die Inneneinrichtung. Zwei Juden, die vor Ort waren, zwangen sie dazu, sich an den Zerstörungen zu beteiligen. Die Trümmer aus der Synagoge wurden außerhalb des Ortes auf einer Wiese an der Baunach verbrannt. Das Synagogengebäude musste die IKG mit Vertrag vom 21. Juli 1939 an die Kommune verkaufen.
Noch im selben Jahr erfolgte ein Umbau: Auf Höhe der Frauenempore wurde eine Zwischendecke eingezogen, der Toraschrein herausgebrochen und die Toranische zugemauert. Ab November 1940 bis Ende 1941 war hier ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet; danach bis 1945 eine Produktionsstätte für Zündkerzen.
Ab 1946 diente die ehemalige Reckendorfer Synagoge als Herdfabrik, bevor sie 1950 an die Israelitische Kultusgemeinde von Bayern übereignet wurde, die sie jedoch zwei Jahre später verkaufte. Zunächst war das gebäude im Besitz der Schlossbrauerei Reckendorf, dann von 1953 bis 1957 Sitz einer Schuhfabrik (Fa. Kilian), anschließend wurde es wieder vom Schlossbräu als Lagerhalle genutzt.
Im Jahr 2001 erwarb schließlich die Gemeinde Reckendorf das Haus und ließ es mit Hilfe öffentlicher Finanzmittel bis 2005 grundlegend sanieren. Seitdem bildet das Gebäude als „Haus der Kultur“ den Rahmen für vielfältige Veranstaltungen. Das ehemalige Synagogengebäude ist heute im Bayerischen Denkmalatlas aufgenommen.
Bei den Umbauarbeiten wurde im Dachstuhl eine Genisa mit einer Vielzahl von Fundstücken entdeckt, u.a. Textilien, Tora-Wimpel aus dem 17. Jahrhundert und auch literarische Relikte. Aus einem Teil der Funde wurde eine Dauerausstellung zusammengestellt, die auf der Empore Platz fand. Die Genisa-Ausstellung ist jeden 1. Sonntag im Monat von 14.00 - 16.00 Uhr geöffnet. Andere Fundstücke sind im Jüdischen Museum in Fürth und im Fränkische-Schweiz Museum in Tüchersfeld ausgestellt.
Am 22. April 2006 wurde am "Haus der Kultur" eine Gedenktafel angebracht, die über die Geschichte der ehemaligen Synagoge und das Schicksal der jüdischen Gemeinde Reckendorf Auskunft gibt. Das Datum der Anbringung erinnert an die Deportation der letzten jüdischen Familie am 22. April 1942 und deren anschließende Ermordung.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Ahornweg 2, 96182 Reckendorf
Literatur
- Angela Hager / Hans-Christof Haas: Reckendorf. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 201-208.
- Hans-Christoph Haas: Die Synagoge in Reckendorf. Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchung. In: Adelheid Waschka: Reckendorf. Kultur und Kultus in einer fränkischen Landgemeinde. Reckendorf 2007, S. 417-444.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 71 u. Bd. 3, S. 662.
