Aus dem Jahr 1707 gibt es erste Informationen zum religiösen Leben: Der Kastner berichtet, dass im Haus des Moses eine Kammer „zur Schul gemacht, dem Sie sich wie täglich aus auch zu Sabbaths Zeiten unter Haltung eines Schulmeisters der ihr Kinder Informirt, anstatt Vorsingers bedienen“. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der Gebetsraum in das Haus des Juden Sußmann verlegt. Wohl seit 1734 lag der jüdische Betraum in einem angemieteten Haus Nr. 12b, heute Rothenburger Straße 6. Die ursprünglich eingeschossige Fachwerkarchitektur stammte noch aus dem 17. Jahrhundert. Ursprünglich befand sich in der Südostecke eine Wohnung, westlich davon eine Einfahrt und daran anschließend ein Ökonomiebereich. Die Kultusgemeinde erweiterte den Bau nach Nordosten und richtete im Obergeschoss den Betsaal ein. Dieser zeichnete sich nach außen nur durch den kleinen Erker des Toraschreins an der Südostseite ab. Der Saal maß ungefähr neun mal fünf Meter, war durch fünf Fenster erleuchtet und nahm den ganzen rückwärtigen Teil des Anwesens ein. Ein hölzernes Tonnengewölbe überspannte den Raum. Der Toraschrein stammte wahrscheinlich noch aus dem Vorgängersaal. Irgendwann zwischen 1734 und 1752 machte der Wanderkünstler Eliezer Sussmann in Colmberg Station. Er bemalte Wände, Decke, Toraschrein und Trenngitter mit Ornamenten, hebräischen Gebeten und Psalmen. Diese reiche Innenausstattung verschwand zu einem späteren Zeitpunkt unter mehreren Schichten Farbe und geriet in Vergessenheit.
Nach Einführung der neuen Synagogenordnung mussten 1839 Sitzbänke beschafft werden, was nur nach mehrfachen Fristverlängerungen umgesetzt werden konnte. Auch hier gab es wieder Streit: Solomon Colmberger ließ an seinem Sitz ein Brett anbringen, das anderen Gemeindemitgliedern den Durchweg zu ihren Plätzen blockierte. Erst auf Anordnung des Landgerichts wurde es wieder entfernt. Am 14. Mai 1846 kaufte die Kultusgemeinde das Haus 12b vom damaligen Besitzer Jakob Joseph Michelbacher und ließ es 1852 instand setzen. Möglicherweise wurde dabei auch eine Mikwe eingerichtet. All diese Baumaßnahmen waren kostspielig und belasteten die ohnehin arme Gemeinde mit hohen Schulden. 1902 musste das schadhafte Dach über dem Betsaal gerichtet werden.
1928 entdeckte der Kunsthistoriker Theodor Harburger (1887-1949) im Rahmen einer Inventarisation der jüdischen Kunstdenkmäler in der Colmberger Synagoge „unter dreifachem Anstrich“ die Spuren barocker Wandmalereien. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden (VBIG) schaltete daraufhin das Landesamt für Denkmalpflege ein, welches die Synagoge untersuchen ließ und eine Freilegung der Malereien befürwortete: Zur Überraschung aller entpuppten sie sich als Werk des bekannten jüdischen Wanderkünstlers Eliezer Sussmann aus Galizien, der zwischen 1730 und 1752 einige fränkische Synagogen ausgemalt hatte. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege erfolgte eine Restaurierung. Die heilige Lade, die Trennwand zwischen dem Männer- und dem Frauenbetraum und ein Großteil des Tonnengewölbes wurden nach München gebracht, um Teil eines zu gründendes Museums zu werden. 1930 waren die Teile der Colmberger Synagoge zentrale Objekte er Ausstellung des Gemeindeverbands zur Ausstattung von Synagogen. Danach kamen sie in ein Depot des VBIG. Die Teile der Colmberger Synagoge sind seitdem verschollen.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten befand sich das Synagogengebäude weiterhin im Besitz der Gemeinde, aber der Betsaal wurde seit 1934 von der evangelischen Liebenzeller Mission genutzt. In der ehemaligen Wohnung des Vorsängers lebte und arbeitete Schneidermeisterin Anna Kressel, die 1938 auch das restliche Haus für die Mission erwerben wollte. Dem stellte sich die Ortsgruppe der NSDAP entgegen. Durch ein voreingenommenes Baugutachten forcierte das Bezirksamt Ansbach den Verkauf an den regimetreuen Elektromonteur Leonhard Kilian, der bereits seit längerem die Nachbarhälfte 12b besaß. Das angeblich baufällige Gebäude wurde eilig abgebrochen und bereits im Sommer 1939 ein Neubau errichtet.
Literatur
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Colmberg. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 146-163.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 147-155.
- Theodor Harburger: Werke jüdischer Volkskunst in Bayern. In: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 13 (1. Juli 1931), S. 195-199.
