Der erste Nachweis für die Anwesenheit von Juden in Schonungen datiert aus dem Jahr 1662 und erwähnt den Verkauf von Getreide durch den Mainberger Vogt des Hochstifts Würzburg an einen unbekannten Juden in Schonungen. Vermutlich lebte zu diesem Zeitpunkt nur eine jüdische Familie im Dorf. 1673 verkaufte das Würzburger Kollegiatstift den Schonunger Zehnt erneut an einen unbekannten "Juden zu Schoningen". Dass es sich dabei um "Wolf Judt" handelte, geht aus einem Schreiben von 1675 hervor, das seinen Getreidehandel erwähnt. In Wolfs Haushalt lebte ohne Anmeldung auch der Viehhändler Götz, der deswegen 20 Reichstaler Strafe zahlen musste. Rund ein Vierteljahrhundert später wohnten bereits vier jüdische Familien im Dorf, die einen Melamed namens Falk aus Obereuerheim bezahlten.
1725 gehörten zur jüdische Gemeinde in Schonungen bereit acht Familien. Diese Zahl blieb bis 1752 konstant, als neun Judenfamilien im Ort ansässig waren. 1762 war die Zahl der jüdischen Haushalte bereits auf zwölf gestiegen. Zwischen 1748 und 1773 besuchte der Schonunger Jude Heym Kusel insgesamt sieben Mal die Leipziger Messe. Seit 1762 gehörte Schonungen einen von acht Distrikten der hochstiftischen Landjudenschaft. In den 1770er Jahren vertrat Moyses Kusel den Distrikt Schonungen bei den Versammlungen der ritterschaftlichen und würzburgischen Judenschaften. Von 1768 bis 1815 wirkte der Schonunger Koppel Heyum/Hayum als erster und zugleich letzter Unterrabbiner der Landjudenschaft in Heidingsfeld und Gehilfe des Oberrabbiners.
1770 vereinbarten die jüdischen Gemeinden Haßfurt, Niederwerrn und Schonungen, die "Betteljuden" jeweils in der eigenen Gemeinde auf Dauer zu versorgen. Dies führte bereits 1772 zum Konflikt, als die jüdische Gemeine Haßfurt gegen die getroffene Vereinbarung drei obdachlose Jüdinnen nach Schonungen weitergeschickt hatte. Nachdem eine der "Betteljüdinnen" in Schonungen verstorben war, schickten die Schonunger Juden ihrerseits Betteljuden nach Haßfurt. Diese wurden aber dort nicht aufgenommen und mussten nach Schonungen zurückkehren. Schließlich entschied der Mainberger Oberamtmann des Hochstifts Würzburg, dass die Haßfurter Juden die Arzt- und Beerdigungskosten der verstorbenen Jüdin zu begleichen hatten. Ende des 18. Jahrhunderts bekleidete Michel/Michael Moyses das Amt des Landvorgängers der "Schonunger Distrikts=Judenschaft". Für die Zeit von 1796 bis 1799 hatte Moyses für jährlich 2400 Gulden die für den Handel notwendigen Leibzollzeichen von der Hofkammer des Hochstifts Würzburg gepachtet.
1806 lebten in Schonungen, das zu dieser Zeit zum neuen Großherzogtum Würzburg gehörte, bereits 15 jüdische Familien, die damit ein Fünftel der Bevölkerung ausmachten und zum Teil recht wohlhabend waren. Nach der 1814 erfolgten Eingliederung Schonungens in das Königreich Bayern wurden in die 1817 angelegte Judenmatrikel elf jüdische Haushalte eingetragen, die vor allem von Vieh- und Weinhandel lebten. 1818 besuchten 13 jüdische Kinder die katholische Dorfschule, während zwei Privatunterricht erhielten. Wirtschaftlich besonders erfolgreich war der aus Obbach stammende Hieronymus Blank, der einen Kramerladen betrieb und 1848 als wohlhabendster jüdischer Schonunger eingestuft wurde. Die Gemeinde gehörte nach 1839 für einige Jahrzehnte zum Distriktsrabbinat Niederwerrn, bis dieses aufgelöst beziehungsweise nach Schweinfurt verlegt wurde (1864). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kleinsteinach beigesetzt. Als 1849 der jüdische bayerische Landtagsabgeordnete Dr. David Morgenstern die Schonunger Juden nach eventuellen Diskriminierungen befragte, wies der dortige Kultusvorsteher Samuel Rosenbaum darauf hin, dass die Juden alljährlich Neujahrsgeld als Ausgleich für die geringer ausfallenden Stolgebühren des Pfarrers und wesentlich mehr Schulgeld als christliche Schüler zu zahlen hatten. Mehr als 30 Jahre später wurden beide Gebühren 1881 abgeschafft. Bestehen blieb die Nachsteuer von fünf Prozent des Vermögens, die jeder Jude bei der Aufgabe seines Wohnsitzes zu entrichten hatte. Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte die Familie Steinberger in der jüdischen Gemeinde Schonungen eine wichtige Rolle. Während Lazarus Steinberger in der Gemeinde als Kantor wirkte, amtierte sein Halbbruder Samuel Steinberger als Kultusvorstand. Letzterer war auch als Viehhändler wirtschaftlich erfolgreich und gehörte 1904 zu den fünf Schonungern mit dem höchsten Steueraufkommen. Zu den Nachkommen von Lazarus Steinberger gehört auch der 1921 in Bad Kissingen geborene Hans Jakob Steinberger, der in den USA den Namen Jack Steinberger annahm und den Nobelpreis für Physik erhielt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielten die jüdischen Viehhändler eine wichtige Rolle im Schonunger Wirtschaftsleben: Sie bezahlten beispielsweise die Arbeiter, die das für die Fütterung der Tiere notwendige Heu transportierten. Gewogen wurde das Heu wie auch das Vieh, das dann in Eisenbahnwaggons verladen wurde, vom Schonunger Wiegemeister. Dass die Schonunger Juden in die Dorfgesellschaft integriert waren, zeigte sich am 26. März 1911, als der jüdische Viehhändler Maier Stern zu den Gründungsmitgliedern des von dem katholischen Pfarrer gegründeten "St. Johanniszweigverein Schonungen-Mainberg" gehörte. Stern engagierte sich insgesamt 15 Jahre als Beisitzer im Vorstand des Vereins, der sich um die ambulante Krankenpflege in Schonungen und Mainberg kümmerte. In der jüdischen Gemeinde bekleidete der Viehhändler Gustav Adler während des Ersten Weltkriegs, dem vier jüdische Schonunger zum Opfer fielen, und in der Zeit bis 1925 das Amt des Vorstehers. Adler hatte auch 1924 bei den Schonunger Gemeinderatswahlen kandidiert, wurde aber nur zum Ersatzmann eines Gemeinderats gewählt. Spätestens in den 1920er Jahren fand in Schonungen kein jüdischer Religionsunterricht mehr statt, da die jüdischen Kinder aus dem Dorf in Schweinfurt unterrichtet wurden. Antisemitisches Gedenkengut hatte in Schonungen bereits zu Beginn der 1920er Jahre Julius Streicher verbreitet: Im Frühjahr 1922 hielt der spätere Herausgeber des "Stürmer" und Gauleiter von Franken für die "Deutsche Werkgemeinschaft2 im Dorf einen Vortrag über angebliche jüdische Ritualmorde an drei Nürnberger Kindern. Der gegen Streicher wegen seiner Hetzrede am Schweinfurter Amtsgericht im Herbst 1922 geführte Prozess endete für den Antisemiten mit einer Geldstrafe glimpflich. Dass antisemitisches Gedankengut im nahe bei Schweinfurt gelegenen Arbeiterdorf Schonungen auf fruchtbaren Boden gefallen war, zeigt die Gründung einer lokalen Ortsgruppe der NSDAP bereits im Oktober 1922.
Laut einem Reichsgesetz vom 6. Juli 1938 sollten die für Juden ausgestellten Wandergewerbescheine und Gewerbelegitimationskarten am 30. September 1938 ihre Gültigkeit verlieren. Dies hatte zur Folge, dass die jüdischen Schonunger fortan keinen Viehhandel mehr betreiben konnten. Am 20. August des selben Jahres forderte die Schonunger NSDAP-Ortsgruppe den Bürgermeister auf, den "Abzug der Juden in Schonungen zu beschleunigen". Das Novemberpogrom 1938 fand in Schonungen an mehreren Tagen statt. Genannt werden der 9., 10. und 11. November. Zuerst demolierten aus Schweinfurt und andern Orten angereiste SA-Leute, aber auch Schonunger Nationalsozialisten die Wohnung jüdischer Schonunger mit Hacken und Beilen. Gewalt wurde nicht nur gegenüber Sachen, sondern auch gegenüber Juden ausgeübt. Ein 26-jähriger Schonunger beging mehrere Diebstähle und bereicherte sich an jüdischem Eigentum. Am 30. November 1939 waren laut einer Mitteilung des Bürgermeisters alle jüdischen Schonunger arbeitslos. Zweieinhalb Jahre später lebten in Schonungen Anfang Februar 1942 noch neun Juden. Zwei Monate später wurden sechs jüdische Schonunger am 25. April 1942 nach Krasniczyn deportiert und in den nächsten Monaten in den Vernichtungslagern der Region ermordet. Zu ihnen gehörte Siegfried Rosenbaum, dessen Tafelservice den 2. Weltkrieg überstand und 2014 an Rosenbaums Enkel Leonard Goldsmith übergeben wurde.
Im Jahr 1997 beschloss die Gemeinde Schonungen die Errichtung eines Gedenksteins gegenüber der ehemaligen Synagoge. Da die Verlegung von Stolpersteinen keine Mehrheit im Gemeinderat fand, wurde 2012 an der Außenwand des alten Rathauses ein metallenes Mahnmal angebracht, das an die deportierten jüdischen Schonunger erinnert.
(Stefan W. Römmelt)
Bilder
Bevölkerung 1910
Literatur
- Gerhard Gronauer / Hans-Christof Haas: Schonungen. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1495-1517.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 241.
