Jüdisches Leben
in Bayern

Schondra Gemeinde

In Schondra wurde erstmals im Jahr 1562 eine jüdische Person (oder Familie?) aktenkundig. Außer diesem vereinzelten Nachweis gibt es keine weiteren Informationen über jüdisches Leben in dem Ort vom 16. bis Ende des 18. Jahrhundert. 1806 lebten in Schondra drei jüdische Familien mit insgesamt 13 Personen unter dem Schutz des Fürstabts von Fulda. Sie waren Eigentümer der Häuser Nr. 33 und Nr. 69. Das Amt Brückenau, zu dem Schondra gehörte, fiel 1816 an das Königreich Bayern. Von da an war das bayerische Judenedikt maßgebend. Das Dorf erhielt 1817 sechs Matrikelstellen zugeteilt. Die meisten jüdischen Familien im Dorf verdienten sich damals ihren Lebensunterhalt durch Viehhandel.

Die IKG Schondra bestand 1835 aus 42 Personen und war dem Oberrabbinat Würzburg zugeteilt. 1840 kam sie an das neu gegründete Distriktsrabbinat Gersfeld (Hessen). Die Kultusgemeinde besaß eine alte Synagoge in Haus-Nr. 37 (heute Am Kreßberg 2). Sie war 1852/53 baufällig und musste wieder grundlegend instand gesetzt werden. Ein Neubau kam aufgrund der knappen finanziellen Mittel nicht in Frage. Daneben gab es noch eine jüdische Religionsschule und eine Mikwe, deren Standorte nicht bekannt sind. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in hessischen Altengronau beigesetzt. Um den von der Regierung geforderten qualifizierten Religionslehrer bezahlen zu können, entschloss man sich 1832 zur Bildung eines gemeinsamen Schulsprengels mit den Kultusgemeinden von Geroda und Platz.

Ab 1833 unterrichtete der Lehrer Wolf Klein 27 Werktags-Schüler in den Elementarfächern und in Religion und an den Feiertagen 18 Jugendliche in Religion. Daneben übte er noch das Amt des Vorsängers abwechselnd in den drei Synagogen von Geroda, Platz und Schondra aus. Ein Teil der Gemeindemitglieder war jedoch nicht zufrieden mit seiner Tätigkeit und forderte von der Regierung einen anderen Lehrer, der zugleich als Schächter arbeiten sollte. Die Gemeindemitglieder aus Platz verweigerten schließlich die Zahlung ihrer Beiträge. Nur auf massiven Druck des Schulinspektors hin konnte der Unterricht fortgeführt werden. Über all den Streitigkeiten erkrankte Lehrer Wolf Klein und verstarb 1837. Auch die Nachfolger im Amt gaben immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen im Schulsprengel Geroda. Den Elementarunterricht besuchten die jüdischen Kinder aus den drei Orten in den christlichen Volksschulen in ihren Dörfern.

Im Königreich Bayern wurde der Matrikelparagraph im Jahr 1861 abgeschafft, was auch die Freizügigkeit der jüdischen Mitbürger bedeutete: Es setzte nun ein Landflucht ein, weil man sich in den Städten bessere Lebens- und Verdienstmöglichkeiten erhofften. Von 31 Mitgliedern im Jahr 1867 schrumpfte die jüdische Gemeinde Schondra innerhalb von sechs Jahren auf nur noch acht Mitglieder. Deshalb entschloss sie sich 1879 zur Fusion mit der IKG Geroda. Ein Jahr später gaben die Juden aus Platz ebenfalls ihre Selbständigkeit auf, da sie nur mehr sechs religionsmündige Juden in ihren Reihen hatten. Von diesem Zeitpunkt an wählten die Mitglieder der Verbandsgemeinde Geroda-Platz-Schondra einen gemeinsamen Kultusvorstand und benutzten hauptsächlich die Gemeindeeinrichtungen in Geroda. In den anderen beiden Synagogen von Schondra und Platz veranstaltete man nur noch Jahrzeitfeiern. Die Gesamtgemeinde Geroda-Platz-Schondra konnte 1892 mit 106 Mitgliedern ihren Höchststand verbuchen. Im Jahr 1904 fielen alle jüdische Immobilien und Stiftungen aus Schondra, Platz und Geroda in das Eigentum der Gesamtgemeinde. Im selben Jahr bestätigte die Regierung die Zusammenlegung der drei jüdischen Gemeinden und ihrer Besitztümer. 1910 wohnten noch 14 Mitglieder der Gesamtgemeinde Geroda-Platz-Schondra in Schondra; 1925 waren es nur noch zwei Juden, im Laufe der 1930er zogen auch diese fort.


(Christine Riedl-Valder)

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Cornelia Berger-Dittscheid / Axel Töllner: Geroda mit Platz und Schondra, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 130-165.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 211.