Jüdisches Leben
in Bayern

Jochsberg Gemeinde

Nach den Angaben der Germania Judaica haben schon Anfang des 14. Jahrhunderts Juden in Jochsberg gelebt. 1339 wurde ein Josel von Jochsberg als jüdischer Bürger in Nürnberg aufgenommen. 1343 gehörten die beiden Nürnberger Juden Seligman von Jochsberg zur Gruppe der Gläubiger des Burggrafen Johann. Kaiser Ludwig der Bayer verwarf allerdings die Ansprüche dieser Gläubiger. Erste Spuren einer neuzeitlichen jüdischen Gemeinde in Jochsberg gibt es seit dem 18. Jahrhundert. 1714 wird von sechs jüdischen Familien berichtet.1803 lebten vierzehn Familien mit 82 Personen in Jochsberg und besaßen eine Synagoge, Schule, Lehrerwohnung und eine Mikwe. Der Religionslehrer übernahm meist auch die Aufgabe des Vorbeters und des Schächters.

Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Bechhofen beigesetzt. Organisatorisch gehörte die Gemeinde zum Distriktsrabbinat Ansbach. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, etwa ab 1825 mit einer 52jährigen Dienstzeit, war der Lehrer Hirsch Weil (ca.1796-1891) noch für die Gemeinden Jochsberg, Colmberg und Leutershausen zuständig. Danach konnte bis 1887 die jüdische Gemeinde Jochsberg einen eigenen Lehrer anstellen. Für freie Wohnung und Heizung wurden einem Lehrer, der auch Vorbeter und Schächter sein konnte, 350 Mark und 150 Mark Nebeneinkünfte angeboten. Aber bereits um 1900 und 1907 galt Jochsberg als Filialgemeinde des benachbarten Leutershausen.

Die Auflösung der Gemeinte erfolgte um 1920. Zumindest wurden in diesem Jahr die Ritualien der Synagoge verkauft. Von den in Jochsberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit: Babette Ellinger (1884), Max Ellinger (1881), Frieda Ellinger (1878), Mina Fleischmann geb. Stern (1881), Jeanette Frenkel geb. Gutmann (1874), Benno Gutmann (1885), Gabriel Gutmann (1881), Hedwig Gutmann geb. Ellinger (1891), Thea Gutmann (1888), Rika Hecht geb. Jochsberger (1866), Karl Jochsberger (1874), Regina (Regine) Schloss geb. Jochsberger (1864). 

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Karl Ernst Stimpfig: Die Juden in Leutershausen, Jochsberg, Colmberg und Wiedersbach - Eine Dokumentation. 2.Aufl. Leutershausen 2000.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 172f.
  • Germania Judaica. Bd. II: Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Teilband 1. Tübingen 1968, S. 379.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 173.