Jüdisches Leben
in Bayern

Gunzendorf Gemeinde

Die ersten Nachweise von jüdischen Familien in Gunzendorf (Ortsteil von Buttenheim) finden sich in einer Aufstellung aus der Mitte des 15. Jahrhundert. Hier werden die Namen von jüdischen Kreditgebern aufgelistet, bei den die Untertanen des Hochstifts Bamberg Schulden haben. Für Gunzenheim werden genannt: Falck, Moses und Leb, wobei erster über 13 Gulden Kredit ausgegeben hatte. Die Summe liegt im Durchschnitt, der sehr wohlhabende Bamberger Mayer hatte für über 600 Gulden Kredite ausgegeben.



1801 schreibt die Historisch-topographische Beschreibung des Fürstentums Bamberg von neun jüdischen Haushalten. Der nächste Nachweis liegt 1813 vor, als nach der Vorbemerkung zur Matrikelaufstellung von 1824 13 jüdische Familien am Ort lebten, Die Matrikelaufstellung selbst umfasste 12 Familienoberhäupter. Der Viehhändler Gerson Loesar Süß, geb. 1770, seit 1796 im Schutzstatus, mit drei Kindern, besaß ein halben Haus und 2000 Gulden Vermögen. 1852 folgte ihm Lazarus Glaser nach. Der 1744 geborenen Löser Löb verzichtete zugunsten seines 1801 geborenen Enkels Löb Süss. Der 1783 geborene Hajum Schloß, verheiratet mit Berla Nathan (geb. 1779), besaß ein halbes Haus, 900 Gulden und war Spezereihändler. Seine Stelle übernahm 1848 sein 1821 geborener Sohn Simon, der von "Grundbesitz und Lohnerwerb" lebte. Hirsch Burger, geboren 1754, Schutzstatus seit 1792, besaß ein halbes Haus und 1560 Gulden und lebte von Handarbeit und Warenmakeln. Sein Nachfolger auf der Stelle, seit 1837 der 1806 geborene Marum Engel, handelte mit Leinen- und Baumwollware. Die Witwe Ela Sauer, geboren 1757, wurde von ihrem Sohn Lösar Sauer versorgt. Dieser hatte ebenfalls eine Matrikelstelle und war Metzgermeister in Gunzendorf. Der Witwer Mindel Glaser, geboren 1789, Schutz seit 1817, vertrieb seine Schnittwaren in einem offenen Laden. Auch sein Nachfolger seit 1825, Jeche Hecht, war Schnittwarenhändler. Madel Kalb, geboren 1779, zur Zeit der Matrikelerstellung bereits Witwe mit sechs Kindern, besaß ein Drittelanteil eines Hauses, hatte 50 Gulden und lebte von Almosen. Der Viehhändler Hirsch Rauh, geb. 1779, Schutz seit 1812, besaß ein Drittel Hausanteil und 1100 Gulden Vermögen. Wolf Ehrensberger, geb. 1777, Schutz seit 1806, hatte ebenfalls ein Drittel Hausanteil, 100 Gulden Vermögen und lebte als "Handarbeiter und Schmuser". Der Viehhändler Viktor Kindskopf, geb. 1766, Schutz seit 1794, besaß ein Haus und etwa 2000 Gulden Vermögen. Seine Stelle übernahm 1837 der 1805 geborene Schuhmacher Meier Hirsch Steppacher. Eine Matrikelstelle hat der Viehhändler Salomon Süß, geb. 1773, Schutz seit 1807, der als Eigentum eine halbe Haushälfte und 800 Gulden Vermögen angab. Seine Stelle übernahm 1845 Salomon Engel mit seiner "Baumwollen-, Leinen- und Kunstweberei".

Bereits bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner zurück, sodass 1852 nur noch 19 jüdische Einwohner gezählt wurden. In den Statistischen Jahrbüchern des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wurde 1887 noch ein nicht weiter bekanntes "Gernzendorf" als israelitische Kultusgemeinde in Oberfranken aufgeführt, 1889 verschwand der der Name. Bei der Volkszählung 1890 wurde auch kein jüdischer Einwohner mehr registriert.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, einen Schulraum und ein rituelles Bad. Ein jüdisches Schlachthaus war im früheren Haus Nr. 13 (auf dem heutigen Grundstück Jurastr. 32) eingerichtet. Dieses wurde um 1948 abgebrochen. 

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken.
    Nürnberg 2017. Ggfs. digital (Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien 4).
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 220.
  • Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg. Bamberg 1898, S. 236.
  • Deutsch-Israelitischer Gemeindebund (Hg.): Statistisches Jahrbuch Nr. 2 (1887). Berlin 1887, S. 20.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36). S. 125.